Contents : Bankpolitik

15.  Oie  Bestimmung  der  Zinssätze  des  Geldmarkts.  43
der  russische  Staat  nach  Erschöpfung  des  Guthabens  für  Bestreitung
des  jeweiligen  Zinsendienstes  erst  kur;  vor  Fälligkeit  Auslandszahlungsrnittel
  suchen  würde.  Darum  kann  bei  Guthaben  dieser  Art  mit  Mindestbeträgen, ­
  die  in  allen  Zöllen  verbleiben  müssen,  nicht  gerechnet  werden
und  die  einfache,  übersichtliche  Anlage  in  Bankakzepten  wird  als  Gegenpost ­
  dieser  Gelder  bevorzugt.  —  Größere  Kapitalbesitzer  legen  in  der
Gegenwart  relativ  seltener  als  vor  einer  Generation  momentan  verfügbare ­
  Gelder  in  Bankakzepten  an,  hier  hat  sich  in  sehr  vielen  Fallen
die  Kreditbank  dazwischengeschoben.  —
Auch  die  Anlage  in  Report-,  täglichem  und  Ultimogeld  ist  übersichtlich ­
  und  leicht  zu  beurteilen:  die  Schuldner  sind  Banken,  Privatbankiers, ­
  Effektenkommissionäre,  stets  derselbe  Personenkreis,  dessen
finanzielle  Situation  gut  bekannt  ist;  die  Deckung  bieten  notierte  Effekten, ­
  Verlust  ist  nur  möglich,  wenn  eine  starke  Kurssenkung  während
der  Dauer  des  Kredits  eintritt,  die  den  finanziellen  Ruin  des  Schuldners ­
  zur  Folge  hat.  —
Gewöhnlich  wird  der  „offene  Geldmarkt"  und  die  Notenbank  in
einen  Gegensatz  gebracht:  das  ist  nur  vom  Geldbeschaffungsstandpunkt
der  kontinentalen  Kreditbanken  aus  zu  verstehen.  Die  Begebung  von
Akzepten  ist  für  die  Banken  das  eine  Mittel  sich  Geld  zu  beschaffen,
die  Rediskontierung  von  Wechseln  bei  der  Notenbank  das  andere.  Bei
starker  Spannung  zwischen  dem  Zinssatz  des  Marktes  und  jenem  der  Notenbank ­
  werden  die  Banken  eventuell  erforderliche  Mittel  mehr  dadurch ­
  beschaffen,  daß  sie  die  Kunden  auf  sich  ziehen  lassen  und  die  Akzepte ­
  begeben,  bei  geringer  Spannung  werden  sie  mehr  Wechsel  bei
der  Notenbank  rediskontieren.  Zn  London  ist  dieses  Verhältnis  im
Wesen  identisch,  in  der  äußeren  Form  verschieden.  Dort  begeben  die
billbrokers  (Wechselmakler)  die  Wechsel  der  Lanken  und  Handelsfirmen ­
  je  nach  dem  Verhältnis  des  Zinssatzes  entweder  auf  dem  offenen
Markt,  d.  h.  hauptsächlich  bei  den  Banken,  welche  überschüssige  Mittel
haben,  Anlage-  und  Versicherungsgesellschaften  oder  bei  der  Notenbank. ­
  Aber  dieser  Gegensatz,  der  auch  in  der  Verschiedenheit  der  Zinspolitik
  zum  Ausdruck  kommt,  darf  nicht  darüber  hinwegsehen  lassen,  daß
die  Stütze  der  Notenbank  den  stärksten  Rückhalt  des  Geldmarktes  bildet.
J5.  Die  Bestimmung  der  Zinssätze  des  Geldmarkts.
Um  die  Momente  zu  erfassen,  von  welchen  die  Zinssätze  des  Geldmarkts
abhängen,  wollen  wir  untersuchen,  was  die  Kreditwerber  auf  dem  Kapitalmarkt ­
  bewilligen  können  und  was  die  Kreditgeber  fordern  müssen.  —
            
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