Full text : Bankpolitik

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II.  Der  Geldmarkt.

Für  den  Unternehmer  bildet  der  Nutzen,  den  er  aus  dem  mit
Bankkredit  durchzuführenden  Betriebsakt  erwartet,  die  Obergrenze
der  Leistungsmöglichkeit-  von  dieser  scheinbar  selbstverständlichen  und
banalen  Regel  gibt  es  aber  wichtige  Ausnahmen.  Ein  Unternehmen
kann  in  einem  Teil  seines  Betriebes  genügenden  Gewinn  erzielen,  der
ihm  gestattet,  einen  andern  Teil  ohne  Gewinn  oder  selbst  mit  Verlust ­
  abzustoßen  (zum  Beispiel  billige  Auslandsverkäufe  bei  genügend
hohem  Inlandspreis  oder  Bekämpfung  des  outsiäei-s  eines  Kartells);
hier  kann  der  für  den  einzelnen  Betriebsakt  entrichtete  Leihzins  den
Nutzen  aus  dem  konkreten  Geschäft  übersteigen.  Oer  Gewinn  ferner,
der  aus  den  einzelnen  Betriebsakten  erzielt  werden  soll,  kann  außerordentlich ­
  stark  wechseln:  Ein  Unternehmen  mag  sich  gezwungen  sehen
bei  verdoppeltem  Umsatz  ohne  erhöhten  Reingewinn  zu  arbeiten:  in
diesem  Kall  wird  der  Gewinn,  der  auf  die  einzelne  Transaktion  entfällt, ­
  um  die  Hälfte  niedriger  sein  als  vorher,  vor  allem  ist  zwischen
jenen  Wirtschaftsubjekten,  welche  ohne  und  jenen,  welche  mit  stehendem
Kapital  arbeiten,  zu  unterscheiden:  Oie  ersteren  sind  frei,  sie  werden
Betriebskredit  nur  dann  in  Anspruch  nehmen,  wenn  sie  durch  dessen
Verwendung  Nutzen  finden;  die  Besitzer  von  Fabriken  aber  müssen,
wollen  sie  ihre  Maschinen  nicht  stille  stehen  lassen,  die  Angestellten  und
Arbeiter  fortschicken  und  ihre  ganze  Organisation  aufgeben,  ihre  Produktion ­
  in  einem  Rkinimalumfang  auch  dann  aufrechthalten,  wenn
damit  kein  Gewinn  verbunden  ist.
Oer  Händler  wird,  wenn  der  Zins  für  Betriebskredit  so  hoch  ansteigt, ­
  daß  ihm  kein  Gewinn  mehr  zurückbleibt,  sein  Geschäft  einstweilen
ruhen  lassen,  der  Fabrikant  nur  jene  Abschlüsse  machen,  die  ihm  noch
Nutzen  gewähren  oder  wenn  dies  —  wie  gewöhnlich  —  nicht  allein
möglich  ist,  jene  die  für  den  Absatz  der  Minimalproduktion  seiner  Merke
nötig  sind.  Oas  Ansteigen  des  Zinses  bis  zur  Beseitigung  des  Gewinns
an  den  einzelnen  Produktionsakten  hat  eine  Verringerung,  aber  nicht
unbedingt  das  Aufhören  der  Inanspruchnahme  von  Betriebskredit  zur
Folge,  vom  Standpunkt  der  Kreditwerber  aus  ist  aber  noch  eine  zweite
Gbergrenze  gegeben:  Oer  Zins  für  Betriebskredit  kann  im  Durchschnitt ­
  einer  Konjunkturperiode  die  Kosten  für  Beschaffung  von  Eigenkapital ­
  (den  Kapitalmarktzins)  nicht  übersteigen.  Niemand  wird  durchschnittlich ­
  8%  für  Betriebskredit  bezahlen,  wenn  die  Möglichkeit  besteht ­
  4(4%  Obligationen  unterzubringen.  Aber  auch  dieses  Maximum
gilt  nur  für  den  Mindestbetriebskredit,  den  das  Unternehmen  jederzeit ­
  braucht:  Wenn  eine  Gesellschaft  in  normaler  Zeit  500.000  Mk.,
in  Konjunktur  1  Million  Betriebskredit  braucht,  so  kann  sie  nur  500.000
            
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