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Fünftes Buch. Zweites NKapitel.
entziehen, die ihm durch diesen ewigen Wechsel der Personen er—
standen, daß er vielmehr alles zur Entwicklung dieses Verkehres
und zu seiner Ausgestaltung namentlich auch nach kommerzieller
und industrieller Seite hin that.
Es waren Bestrebungen, die dem alternden Kaiser
schließlich uber den Kopf wuchsen. Mit den vornehmen Ele—
menten der Reichsbevölkerung schlug auch mancher lose Mund
und leichte Sinn den Weg zur Pfalz des großen Herrschers
ein, der, wie man wohl wußte, heiterem Leben nie abgeneigt
gewesen war. Und so mehrten sich die Scharen fahrender Sänger
und Gaukler, manch feine Dirne baute in Achen Hütten: es
wurde so schlimm, daß nach Karls Tode sein frommer Sohn
Ludwig ernstlich Bedenken trug, in Achen Residenz zu nehmen,
ehe er nicht den unheiligen Spuk des alten Regimes mit Feuer
und Schwert vernichtet sähe.
Doch diese Erscheinungen blieben in Dunkel und Tiefe:
über sie hinweg aber ergoß sich der glänzende Strom eines
nationalhöfischen Treibens. Wie manchen Zug davon erzählen
nicht zeitgenössische Dichter und Schriftsteller; wie sieht man es
noch heute aus ihren Worten flimmern und leuchten, mögen sie
nun eine der feierlichen Audienzen beschreiben, wenn der Kaiser
die Gesandten Harun⸗-al-Raschids oder des Kalifen von Cordova
oder die priesterlichen Boten des Papstes empfing, mögen sie
die Silhouette eines großen Kirchganges zeichnen mit der
Fülle berühmter Personen, die sich darin bewegten, oder in
lebhafteren Ton den Wandlungen eines Hoffestes oder dem
irren Laufe der Jagd folgen. Und stets fast stehen neben dem
Bilde des großen Kaisers die Frauen im Mittelpunkte solcher
Schilderungen. Da erscheint Liutgardis, die Königin; ihr Hals
glänzt in rosigem Schimmer, ihr Haar ist so schön, daß neben
ihm selbst der kostbare Purpur verblaßt, der es umschlingt, und
ihre weiße Stirn hebt sich eindrucksvoll ab von der umkränzen⸗
den Binde. Ein weitwallender Mantel verhüllt die Gestalt, von
goldenen Schnüren gehalten, darunter erglänzt das feine Unter—
gewand von scharlachnem Leinen. Neben ihr werden die Töchter
des Königshauses gepriesen, Gisala in strahlender Schöne,