fullscreen: Das Hotel- und Gastgewerbe

REKLAME DURCH LICHT 
89. REKLAME DURCH LICHT 
Als der Weltkrieg ausbrach, hatte die Lichtreklame in 
Europa technisch eine bemerkenswerte Höhe erreicht, sowohl 
im wirklichen als auch im übertragenen Sinne. Die Dachfirsten 
der Hotels, Fremdenheime, Restaurants, „Kaffeehäuser, Bars, 
Dielen, Tanzsäle usw. sandten Lichtfluten in das Dunkel der 
Nacht und wiesen dem Wanderer den Weg. Wer Nachts aus 
dem Bahnhof auf die gut erleuchtete Straße trat, konnte wegen 
des Findens einer Unterkunftsstätte nicht in Verlegenheit 
kommen. Viel eher setzte ihn die Fülle der durch Lichtreklame 
sich anbietenden Hotels in Verlegenheit. Vielgestaltig war diese 
Reklameform, die nur durch das Wunder der Jetztzeit, den 
elektrischen Kraftstrom, möglich geworden ist. Hier strahlendes 
Weiß, dort Buntfarbigkeit; hier feststehende Riesenlettern, dort 
wechselnde, sich ständig erneuernde Schreibschrift. 
Das wurde mit einem Schlage anders, als der Weltkrieg die 
furchtbare Kohlennot brachte. In einigen Ländern wurde die 
Lichtreklame ganz verboten, in anderen starken Beschränkun- 
gen unterworfen. In Deutschland schrieb man den einst feen- 
haft erleuchtet und beleuchtet gewesenen großen Hotels und 
sonstigen Gaststätten die lächerlich kleine Anzahl der Birnen 
vor, die sie im Innern des Betriebes und an den Straßenfronten 
brennen durften. Das bekannte Zitat aus Schillers Wallenstein 
war Trumpf geworden: Nacht muß es sein. wo Friedlands 
Sterne strahlen! 
Kein Wunder, daß die Lichtreklame in Vergessenheit geriet, 
ihre technische Weiterbildung und Vervollkommnung anderen 
Ländern überlassen werden mußte, Auf diesem Gebiete hatten 
die Vereinigten Staaten von Nordamerika, leider, die Führung 
übernommen. Die zehn Jahre lang buchstäblich im Dunkeln 
gehaltenen Deutschen konnten sich kein Bild mehr davon 
machen, was unter dem Begriff „Lichtreklame“ eigentlich zu
	        
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