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Kapitel II. Adam Smith.
Gefühle“ kritisiert 1 ). Er wirft ihm im besonderen vor: Wünsche und
Neigungen, die an und für sich nichts Verwerfliches haben, Las er zu
nennen. Aber trotz dieser Einschränkung hat die Idee M * N ® EVILEE *
im Geiste Smith’s ihre Früchte getragen: unermüdlich wiederholt er, daß
es das persönliche Interesse ist (das in seinen Augen kein Laster vorstellt,
wenn es auch nur den Namen einer „untergeordneten Tugend verdient)
das unbewußt und auf natürlichem Wege die Menschheit zum Gluck und
zum Wohlstände leitet. So ist der Reichtum einer Nation für Smith
wie für Mandevilce die Wirkung, wenn auch nicht eines „Lasters , so
doch wenigstens eines natürlichen Instinktes, der an und für sich nich s
Tugendhaftes hat, und dessen die Vorsehung sich ohne unser Wissen bedient
um Zwecke zu erreichen, die weit über den Beieich unserer sic e
hinausgehen. , . _ ..
Das sind die hauptsächlichsten Schriftsteller, bei denen wir s
einige der bedeutendsten Ideen ausgedrückt finden, die Smith späterhin
in ein wirkliches System zu verschmelzen wußte.
Die Lösung dieser Aufgabe jedoch würde nicht genügt haben, um
seinem „Wealth of Nations“ ihren einzigartigen Platz zu sichern, bchon
vor Smith hatte Quesnay und die Physiokraten die volkswirtschaftlichen
Erscheinungen in ihrer Gesamtheit betrachtet und sie mit einigen ein
fachen Grundsätzen in Zusammenhang gebracht. Er ist da,her nicht der
' ers te, der hierin ein wirklich wissenschaftliches Werk geleistet hat. Jedoch
trit t gerade hierin die Überlegenheit Smith’s ganz besonders hervor und
gibt uns einen dritten Grund für seinen Erfolg.
c) Smith verdankt den Physiokraten viel. Er stand zwar, außer
während seines Aufenthaltes in Paris, 1765, mit ihnen nur m geringem
Maße in persönlicher Beziehung. Trotz der kurzen Dauer dieser Be
ziehungen ist ihr Einfluß auf ihn ein tiefgehender gewesen. Wahrscheint c
bat er nicht alle ihre Werke gelesen; so sind die R6flexions Tu»go s,
die, 1766 geschrieben, erst 1769 oder 1770 in den Eph6mdridcs du
citoyen erschienen, ohne Zweifel nicht zu seiner Kenntnis gekommen
A ber persönlich hat Smith viel mit Tuegot und Quesnay verkehrt,
seinen Unterhaltungen mit ihnen hat er unmittelbar eine eingehe c.
Kenntnis ihrer Ideen erlangt, und man kann sich ziemlich genau vorstelie ,
welche auf ihn den größten Eindruck gemacht haben werden.
, In einer Hinsicht wenigstens hatte Smith nicht notig, sich von ihnen
belehren zu lassen, nämlich in der Hinsicht auf den ökonomischen Libe
ralismus, dessen überzeugter Verteidiger er seit langer Zeit war Immerhin
jat die Übereinstimmung seiner Überzeugungen mit dem glühenden Hau en
er Physiokraten ihn nur in seinen Ansichten bestärken können.
, l ) Kap. IV, Teil 2, des 7. Abschnittes der „moral Sentiments“, betitelt: Von
en Esterhaften Systemen.