Object: Die Entwicklung der deutschen Portland-Zement-Industrie ...

Die Entwicklung der deutschen Portland-Zementindustrie usw. ] 5 
unermüdlich seine Versuche fort. Im Frühjahre 1854 wollte 
Guticke seine Hand von den Versuchen zurückziehen und die 
Ziegelei wieder verkaufen, da er schon viel Geld hineingesteckt 
hatte und sich keinen Erfolg versprach. Glücklicherweise kam 
aber eine Aktiengesellschaft zustande und schon im Herbste 
1855 wurde der Betrieb der neuerbauten Fabrik begonnen. Das 
Aktienkapital betrug ursprünglich 125000 1 Taler, die nicht leicht 
aufzubringen waren, da man dem Unternehmen keine große Zu 
kunft zutraute in der Annahme, daß es die beabsichtigten 
25000 Faß im Jahre nicht würde absetzen können. Die erste 
Anlage entsprach jedoch nicht den Anforderungen, sie leistete 
zu wenig, außerdem war die Produktion sehr teuer, da für die 
Fabrikation sehr viel an Lohn und besonders an Brennstoffen 
gebraucht wurde. Auch nützten sich die Transmissionen und 
Arbeitsmaschinen sehr rasch ab. Das Aktienkapital, das für den 
Bau ganz verbraucht worden war, wurde nun auf 175 000 1 2 3 Taler 
erhöht. Nachdem Bleibtreu diese Fabrik gebaut und eingerichtet 
hatte, verließ er Stettin, sein Nachfolger wurde Delbrück, dieser 
war nun ebenso wie sein Vorgänger unermüdlich bestrebt, durch 
Versuche auf wissenschaftlicher Grundlage den Betrieb rentabler 
zu gestalten, vor allem an Brennstoffen und Löhnen zu sparen 
und die Maschinen besser auszunützen. Ferner drang er durch 
chemische Untersuchungen immer tiefer in die Erkenntnis der 
Natur des Portlandzementes ein und suchte so sein Produkt 
zu verbessern und die Leistung der Fabrik zu erhöhen. 
Schon 1857 konnten bei einer Produktion von 33 331 Faß 
10°/o Dividende verteilt werden 8 . Von Stettin aus ging Bleibtreu 
nach Westdeutschland, wo unter seiner Leitung im Jahre 1856 4 
die Portland-Zementfabrik des Bonner Bergwerks- und Hütten 
vereins in Oberkassel bei Bonn errichtet wurde. Jetzt entstanden 
1 Goslich, Geschichte der Stettiner Portland-Zementfabrikation 1855 bis 
1905, S. 2. 
2 A. a. O. S. 7. 
3 A. a. O. S. 9. 
4 Dr. May, Die bayrische Zementindustrie 1909, S. 9.
	        
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