Full text: Bedarf und Absatzmöglichkeiten in Sowjetrußland

Die ‚„„Ekonomitscheskaja Shisn‘“ berichtet in Nr. 158 
vom 13. Juli 1926, dass auf dem Werk des Trusts für Land- 
maschinenbau „Krasnaja Swesda‘“ die Zahl der willkür- 
lichen Arbeitsversäumnisse ständig zunimmt; innerhalb fünf 
Monaten, von Januar bis Juni 1926, haben 1598 Arbeiter 
11364 Arbeitstage versäumt. Auf dem „Dnepropetrowski 
Sawod“, früher Jekaterinoslawski Sawod, fehlten, der „In- 
dustrie- und Handelszeitung“ vom 15. Juli 1926, Nr. 159, 
zufolge, von 15760 Arbeitern täglich 20 bis 25%, und in 
einigen Abteilungen, z. B. in der ‚Transportabteilung, bis 
36%. Die Lohnabrechnung für durchschnittlich 4000 
fehlende Arbeiter erfordert einen grossen Stab von Ange- 
stellten, dazu wechselt die Arbeiterschaft fortwährend. In 
ler Zeit vom‘ 1. Oktober 1925 bis 1. Juli 1926 wurden 
5642 Arbeiter neueingestellt und 5524 entlassen. 
Hält man sich die Tatsache vor Augen, dass der durch- 
schnittliche Monatsverdienst der Arbeiter in der staatlichen 
Industrie sich von 50,75 Tscherwonzenrubel im Oktober 1925 
auf 49,86 im März senkte, was einem Reallohn in Waren- 
rubeln von 29,38 bzw. 25,06 entspricht („„Westnik Promysch- 
lennostij, Torgowli i Transporta“ Nr. 22 vom 7. Juni, 1926) 
and dass die ausserordentlich schwierige finanzielle Lage 
der Industrie selbst bei einer Leistungssteigerung der Ar- 
beiterschaft eine Aufbesserung des Arbeitslohnes nicht zu- 
lässt, und wenn man ferner nicht verkennt, dass ein 
hungriger Arbeiter ein minderwertiger Arbeiter ist, so be- 
steht absolut keine Veranlassung, sich vagen Hoffnungen 
auf Produktionssteigerung der . Industrie hinzugeben. — 
Die Sowjetprominenten, die für die trostloseste Lage noch 
immer einen Trost bereit hatten, waren bisher von dem 
Gedanken imprägniert, dass der Warenhunger auf dem 
tussischen Markte durch die russische Industrie zu kurieren 
sei, und dass es gelingen wird, genügend landwirtschaftliche 
Produkte von der Bauernschaft herauszuholen und für den 
Export bereitzustellen. Sie werden eines Besseren belehrt 
durch die andauernde Verringerung der Aussenhandels- 
amsätze (die Ausfuhr aus Sowjetrussland im März 1926 
betrug 57,4 Mill. Rubel, im April 48,9 Mill, im Mai 
38,3 Mill. — Die Einfuhr betrug im 1. Quartal 1925/26 
90,9 Mill. Rubel, im 2. Quartal 74,9 Mill. Rubel, so dass 
das erste Halbjahr ‚des Wirtschaftsjahres 1925/26 einen 
Passivsaldo von 68,7 Mill. Rubel ergab, anstatt dem. Plan 
gemäss einen Aktivsaldo von 18 Mill. Rubel).
	        
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