Getreide ab, wie er unbedingt zur Deckung der Steuern
und der wenigen Fabrikate benötigt, die ihm die Sowjet-
Regierung liefern kann. Er hat kein Vertrauen zum rTussi-
zchen Geld und behält lieber seine Produkte für spätere
Zeiten. Er gewinnt und verarbeitet Flachs und Wolle für
seine Kleidung selbst, und was er ausserdem an Dingen
benötigt, die er bekommen kann, wie einige Nähnadeln,
Nägel und AErsatzteile für seine Geräte, ist ein Be-
darf, der so geringfügig ist, dass er bald gedeckt
ist. Den anderen Bedarf muss er schon deswegen zurück-
stellen, weil niemand da ist, der ihn decken könnte. Er
verschmäht es, der Sowjet-Regierung das überschüssige
Getreide abzuliefern; die Sowjet-Regierung hat es ausser-
lem nicht verstanden, die Getreideablieferung, Speicherung
und Verfrachtung so zu organisieren, dass ein regelrechter
Export im früheren Umfang wiederhergestellt werden
xönnte. Damit sind die Pläne zur Finanzierung von Aus-
landseinkäufen mit Hilfe von Getreide und anderen Export-
waren zusammengebrochen.
Das grösste Hindernis für die Sanierung dieser Ver-
hältnisse besteht also in dem Mangel an Vertrauen der
russischen. Bauern zum Geld des eigenen Staates.. Dadurch
ıst die Sowjet-Regierung verhindert, die Kapitalien zu
schaffen, die sie benötigt zur Durchführung ihrer Einfuhr-
pläne, zur Ingangsetzung der Industrie, zur ordnungsmässi-
gen. Aufrechterhaltung der gesamten Wirtschaft. Die vielen
Experimente, die seit der neuen ökonomischen Politik
(N.E.P.) Lenins gemacht wurden, sind allgemein bekannt;
sie haben zu nichts geführt, als dass immer weiteren Kreisen
offenbar wurde, dass mit der Zwangswirtschaft, mit dem
staatlichen‘ Aussenhandelsmonopol und mit der staatlichen
Bewirtschaftung der Industrie die russische Wirtschaft
nicht in Ordnung zu bringen ist. Immer mehr. werden die
Fesseln- gelockert, die dieser Wirtschaft angelegt sind, und
es ist deshalb gar nicht möglich, über den Stand der Ab-
satzverhältnisse für deutsche Industriewaren in Russland
genaue Angaben zu machen, Ca sie im Augenblick der Druck-
legung bereits überholt sind. Zurzeit, da diese Zeilen
geschrieben werden, ist mit dem Tode Dsershinskis und dem
unmittelbar darauf folgenden Sturz Sinowjeffs der Anfang
gegeben, um grundlegende Aenderungen im Sowjet-Regime
herbeizuführen. Neue Organisationen sind begründet, die
mit dem Einkauf bestimmter Produkte im Ausland betraut
sind; die ausländischen Handelsvertretungen werden immer