kennung unserer Wirtschaftsverhältnisse in dem Vorschlage
liegt, den brotkornliefernden Großgrund-
besitz zu zerstören und unser Volk zu nötigen, noch
größere Summen als bisher auf den Ankauf ausländi-
scher Nahrungsmittel zu verwenden,
Wie stark das deutsche Steuersystem von Ssozialisti-
schen Gedanken durchsetzt ist, beweist u. a. die Tatsache,
daß es bisher noch immer nicht gelungen ist, die sogenannte
Reichsvermögenszuwachssteuer zu be-
seitigen. Ihr Inkrafttreten ist wiederum nur hinausge-
schoben werden. Vermittels dieser Steuer würde es mög-
lich sein, unter dem Namen einer nachträglichen Erfassung
der Inflationsgewinne
der Wirtschaft Betriebskapital im weitesten Umfange zu
entziehen,
Eine Möglichkeit, die Wirtschaft vor Ueberbesteuerungen
dadurch zu schützen, daß man ihr das gesetzmäßige Recht
zuspräche, über die von ihr zu tragenden Steuern selbst
zu entscheiden, besteht aller Voraussicht, nach aus politi-
schen Gründen nicht. Der besitzfeindliche Charakter der
deutschen Steuergesetzgebung kann daher nur auf ein er-
trägliches Maß eingeschränkt werden. indem wesentliche
Teile der Abgabenlast so ausgestaltet werden, daß sie alle
Bevölkerungsschichten gleichmäßig treffen. Dies aber
ist nur möglich, sofern die indirekten Abgaben — ins-
besondere die Umsatzsteuer — stärker als bisher zur
Gewinnung des notwendigen Steueraufkommens herange-
zogen werden. — Unser heutiges Steuersystem ist -— das
sei wiederholt — eine sehr wesentliche Stütze sozialistischer
Bestrebungen. Eine geringfügige Veränderung der gelten-
den Vorschriften würde — dies zeigen besonders die vor-
erwähnten Aereboeschen Vorschläge — genügen, um binnen
kurzem die gesamte Privatwirtschaft soweit in die Hand
des Staates zu überführen, als dieser sich einen Gewinn
davon verspräche. Unter dieser ständigen Bedrohung kann
die Wirtschaft auf die Dauer nicht leben, wenn sie ihre Auf-
gabe, dem Volke Brot und Arbeit zu geben, auf die Dauer
und in Stetigkeit erfüllen soll.
Hoffnungen und Tatsachen um den Artikel 165
der Reichsveriassung.
Ein Bericht.
Von Dr. Wilhelm Steinberg, Düsseldorf.
Die erbitterten Kämpfe, die jahrelang um den
Artikel 165 der Reichsverfassung, um seine Aus-
‚egung und Verwirklichung geführt wurden, rührten
an die Wurzel unseres politischen, wirtschaftlichen
ınd kulturellen Lebens. Es würde den Rahmen eines
Zeitungsaufsatzes überschreiten, auch nur den Ver-
such zu unternehmen, einen erschöpfenden Quer-