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bevorstehende Eröffnung des Panamakanals, Endlich hatten
eine Reihe guter Ernten und die jahrelange Zurückhaltung
der spekulativen Elemente das Volksvermögen erheblich ver-
mehrt. Am politischen Horizont aber stand nur eine Wolke,
die Differenzen mit dem mexikanischen Diktator Carranza,
die erst im Juli 1916 beseitigt wurden.
Die Vereinigten Staaten waren daher im Jahre 1914 wohl
in der Lage, den Bedarf ihrer industriellen- und Eisenbahn-
gesellschaften im eigenen Lande zu decken und ganz all-
mählich den in Anbetracht ihrer wirtschaftlichen Struktur
besonders schwierigen Übergang vom Import- zum Export-
kapitalismus zu vollziehen. Da brach der Weltkrieg aus und
brachte in wenigen Monaten zuwege, was sonst vielleicht
Jahrzehnte gedauert hätte. Aus einem kapitaleinführenden
Lande wurde ein kapitalausführendes, das Effektendebet
gegenüber der Alten Welt sank rapide. Schon die Kriegs-
gefahr 1914 führte zu massenhaften Verkäufen amerika-
nischer Effekten aus europäischem Besitz, so daß die New
Yorker Fondsbörse am 30. Juli 1914 einen seit langen Jahren
nicht mehr erlebten Umsatz (1307000 Stück) hatte.
Bei Kriegsausbruch befanden sich ungefähr 5! bis
6 Milliarden Dollar amerikanischer Effekten in Europa;
davon kamen etwa 31/2 Milliarden auf England, der Rest zu
ungefähr gleichen Teilen auf Deutschland, Holland, Frank-
reich und die Länder von geringerer finanzieller Bedeutung
(Belgien, die Schweiz und Österreich-Ungarn) zusammen. Der
Vorstand der New Yorker Fondsbörse fürchtete nun, daß
die Zahl der schon am 30. Juli getätigten Verkäufe zu-
nehmen, und ein enormer Kurssturz, d, h. eine schwere finan-
zielle Krisis und eine weitere Unterwertung der amerika-
nischen Valuta!), eintreten würde, Die New Yorker Effek-
tenbörse wurde daher am 2, August bis auf weiteres ge-
schlossen, Erst Anfang Dezember, als das Pfund infolge
einer Reihe von finanziellen Transaktionen zwischen England
und den Vereinigten Staaten 4,89 notierte, fand wieder ein
beschränkter Verkehr in Obligationen und Aktien statt. Von
den 565 Aktien der Kursliste durften indessen nur 185
umgesetzt werden, und zwar nur zu vom Börsenvorstand vor-
geschriebenen Minimalpreisen, deren Beseitigung dann An-
fang April 1915 erfolgte, Von ausländischen Anleihen
wurden damals nur einige Anleihen von Kuba, Mexiko und
Argentinien gehandelt, eine chinesische Bahnanleihe, eine
Anleihe der Stadt Tokio, vor allem aber die 4 %%ige japa-
._ }) Der Sterlingkurs, der sich in normalen Zeiten um 4,88 bewegt hatte,
stieg Am 28. Juli auf 5, in den ersten August wochen trotz des Börsenschlusases
Auf 7 Dollar