Full text: Amerikas internationale Kapitalwanderungen

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kommen, da das große Erdbeben Japan wirtschaftlich enorm 
zurückgeworfen und einen Teil seiner Seestreitkräfte 
‚ernichtet hat. Ob es später einmal zu einer krie- 
gerischen Auseinandersetzung kommt, hängt davon ab, ob 
sich die Vereinigten Staaten und England über die Ab- 
grenzung ihrer Machtsphäre einigen: Kontrolle Südamerikas, 
Jes stillen Ozeans und der Ostküste Asiens und Australiens 
Jurch die Vereinigten Staaten, des übrigen außereuropä- 
ischen Erdballs durch England. 
Eine weitere Voraussetzung für die ununterbrochene 
Aktivität des internationalen Effektenkapitalismus der Ver- 
ainigten Staaten ist die Flüssigkeit des amerikanischen Geld- 
markts. Der im Frühjahr 1925 aus den Vereinigten Staaten 
zurückgekehrte Staatssekretär z. D. Professor Dr. Julius 
Hirsch schätzt die wirkliche Ersparnis des amerikanischen 
Volkes über seine Lebenskosten auf 6—7 Milliarden Dollar 
im Jahr. Dazu kommt, daß die Union, deren Goldbestand 
am 1. Januar 1925 4,5 Milliarden Dollar, d. h. mehr als die 
Hälfte des Goldvorrats der Erde betrug — gegenüber 
1,9 Milliarden Dollar vor dem Kriege — einer Goldinflation 
nur entgehen kann, wenn sie einen Teil davon wieder in 
seine Ursprungsländer zurückschickt. Falls daher nicht ganz 
außergewöhnliche politische und wirtschaftliche Ereignisse 
eintreten, werden die für die Fortführung der bisherigen 
Kapitalausfuhr nötigen Summen weiter zur Verfügung 
stehen. Die Basis hierfür ist einerseits das schon vor“ 
handene hochentwickelte Bank- und Börsenwesen, das eine 
regelmäßige Preisgestaltung der in den Vereinigten Staaten 
untergebrachten ausländischen Wertpapiere ermöglicht, an- 
dererseits eine intensive, noch auszugestaltende Propaganda, 
die auch den kleinsten Kapitalisten auf gute und sichere An- 
lagemöglichkeiten außerhalb des Landes aufmerksam macht; 
denn die verhältnismäßig großen Summen, die zur Aufrecht- 
erhaltung der bisherigen Kapitalausfuhr notwendig sind, 
können nur im großen Publikum aufgebracht werden, deren 
Mentalität in dieser Beziehung der Seniorchef des Hauses 
J. P. Morgan & Co: sehr richtig mit den folgenden Worten 
schildert: „Man muß immer bedenken, daß Auslandswerte 
für den Durchschnittsamerikaner etwas Neues sind. . Hei- 
mische Eisenbahn-, heimische Industriewerte, Farmer-Dar- 
lehen und amerikanische Staats- und Kömmunalpapiere 
waren bisher fast die einzigen Anlagewerte des Publikums, 
Sein Investierungshorizont ist selbstverständlich eng von der 
Heimat begrenzt, und man hat es bisher nicht nötig gehabt, 
für eine hohe und sichere Kapitalsanlage ins Ausland zu 
yehen. Über Chicago hinaus und noch mehr jenseits des
	        
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