Full text: Amerikas internationale Kapitalwanderungen

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1893 
16. Juni die Northern Pacific-Bahn, 
25. Juli die Eriebahn, 
13. Oktober die Union Pacific-Bahn, 
23. Dezember die Atchison, Topeka und Santa Fe-Bahn, 
27. Dezember die New York und New England-Bahn. 
Von der nordamerikanischen Krisis wurden am meisten 
die Londoner und die Berliner Börse mitgenommen; die Lon- 
doner, weil sich riesige Mengen amerikanischer bonds als 
Anlagebesitz in England befanden und von den verängstigten 
Kapitalisten ä tout prix losgeschlagen wurden, die Berliner 
Börse wegen der beträchtlichen Summen, mit denen deutsche 
Kapitalisten, hauptsächlich durch Obligationenbesitz, an der 
Northern Pacific-Bahn !) beteiligt waren. Während an der 
Frankfurter Börse nur first mortgage bonds dieser Bahn 
notiert wurden, deren Kurs in den drei Wochen nach dem 
Zusammenbruch nur 10 % nachgab, waren an der Berliner 
Börse auch die second, third und consolidated mortgage 
bonds zugelassen worden, deren Kursrückgang das dreifache 
betrug. Die erstgenannten sanken auf 75, die zweitgenann- 
ten auf 54, die letztgenannten sogar auf 33 %, Um wenig- 
stens einen Teil des deutschen Kapitals zu retten, bildete 
die Deutsche Bank eine große Vereinigung aller Obliga- 
tionäre, der es 1896 unter der Leitung des verstorbenen 
Georg von Siemens gelang, die Bahn auf eine gesunde 
Basis zu bringen, so daß seitdem regelmäßig Dividenden 
ausgeschüttet wurden, und ihre Aktien bei Beginn des 
Jahres 1901 über Pari standen, Die deutschen Kapitalisten 
die ihre bonds behalten hatten, erlitten nicht nur keine 
Verluste, sondern konnten sogar beim späteren Rückkauf 
der bonds einen erklecklichen Reingewinn gegenüber dem 
Emissionskurs buchen, 
1) Die 1873 unter Zwangsverwaltung gekommene, im August 1875 
reorganisierte Northern Pacific-Bahn war 1881 unter die Kontrolle des aus 
der Pfalz gebürtigen Heinrich Hilgard — er hatte seinen Namen in Henry 
Villard amerikanisiert — gekommen und mit Hilfe deutschen Kapitals 
1883 vollendet worden. Während der Einweihungsfeierlichkeiten, zu 
denen zahlreiche, führende Männer aus Deutschland auf seine Kosten 
herübergekommen waren, unterlag Villard den Angriffen einer mächtigen 
Baisseclique in New York, die ihn zwangen, die von ihm angehäuften 
enormen Engagements in den Werten seiner eignen Bahn und denen der 
Oregon-Bahn zu liquidieren und von der Leitung der Bahn zurückzutreten. 
Erst 1886 gelang es ihm, mit Hilfe des ihm von der Deutschen Bank zur 
Verfügung gestellten Kapitals die Kontrolle der Bahn von neuem zu er- 
langen. Er verlor sie 1890, übernahm indessen 1892 zum dritten Mal die 
Leitung der Bahn, die ein Jahr später infolge eines Tarifkampfes mit 
der Great Northern Bahn zusammenbrach. Hilgard-Villard. Lebens- 
erinnerungen. S. 413 ff... 451 4.
	        
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