Full text: Kritischer Beitrag zur Theorie des internationalen Handels

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Gedanken so aus: Was einem Lande die Einfuhr kostet „ist eine 
Funktion von zwei veränderlichen Größen, der Menge der eigenen 
Waren, die es für sie gibt, und der Kosten dieser Waren. Von diesen 
Größen hängt nur die zweite von der Leistungsfähigkeit 
seiner Arbeit ab; die erste hängt von dem Gesetz der 
internationalen Werte ab, d.h. von dem Grad und der 
Ausdehnbarkeit der Nachfrage des Auslandes nach seinen 
Waren, verglichen mit seiner Nachfrage nach den Waren 
des Auslandes:‘“ (Vom Verfasser gesperrt.) 
Mill gibt uns hier die Möglichkeit, über den von ihm gebrauch- 
ten Kostenbegriff Klarheit zu gewinnen. Die „Kosten“ sind eine 
Funktion von Mernige und Kosten. Erhält England 1000 mal 17 Ellen 
Leinen für z000mal 10 Ellen Tuch, so sind die „Kosten“ in Tuch das 
Ergebnis der nachgefragten Mengen Tuch und Leinen und der tech- 
nischen Ergiebigkeit der Tuchproduktion. Fügten wir hinzu, daß 
Ähnliches für die früheren ı1000mal 15 Ellen Leinen gelten müßte, 
bezogen, auf die inländische Nachfrage, und nur weil hier Gleich- 
gewicht herrscht und der Einfluß der Nachfrage nicht unmittelbar 
in die Augen fällt, zur Vereinfachung nur von Kosten gesprochen 
wird —, so wäre die Divergenz zwischen klassischer Theorie und 
neuerer Theorie keineswegs so einschneidend. 
Wir brauchten nur noch die Millsche Zerlegung des Kosten- 
begriffs in nachgefragte Menge und technische Ergiebigkeit in die 
neuere Terminologie zu übersetzen: etwa in die Begriffe „„Kosten- 
nutzen‘ (v. Wieser)*) und „technischer Koeffizient“ (Cassel)?), 
um zu erkennen, daß Mill, wenn er hier von Kosten schlechthin 
spricht, nur”auf diese letzteren rekurriert ; wir brauchten schließlich 
nur mit Schumpeter diesen technischen Koeffizienten, der sich 
in der Form der Ertragsgesetze in der Verteilungstheorie un- 
gebührlich breit gemacht hat, im Sinne einer Variation der Knapp- 
heit aufzufassen ®), um einzusehen, daß der Schritt zur neueren 
Theorie nur einer Wendung dieser Feststellungen ins Prinzipielle 
gleichkommt. 
1) v. Wieser, „Theorie der gesellschaftlichen Wirtschaft‘, G. d. S., 1. Abtlg., 
Tübingen 1914, S. 198. 
2) Vgl. Cass el, „Theoretische Sozialökonomie‘“. Erlangen-Leipzig 1923, 5. I 19, 
3) Vgl. Schumpeter, „Das Rentenprinzip in der Verteilungslehre‘“. Schmol- 
lers Jahrbuch 1907, 2. Heft, S. 162: „Sie“, d. i. die Tatsache des abnehmenden Ertrages 
„ist eines der Momente, die auf die vorhandene Menge — daher auf Wert und Preis — 
wirken.‘
	        
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