schafft, 06 wurden in Anstalten oder Spitäler abgegeben;
die übrigen sind abgereist oder haben sich selbst eine
Unterkunft oder Arbeit gefunden.
Im Zusammenhange mit der Errichtung dieser Fürsorge-
anstalt steht auch die Verwendung von Frauen im
Polizeidienste. Die Polizeidirektion in Wien hatte
damit bereits zu einem Zeitpunkte begonnen, als der
Ruf nach Verwendung weiblicher Kräfte für bestimmte
Angelegenheiten der öffentlichen Verwaltung und insbe-
sondere auf dem Gebiete des Fürsorgewesens in der
Oeffentlichkeit-noch kaum zu vernehmen war, indem sie
schon im Jahre 1909 eine weibliche Beamtin — die
Assistentin für Jugendfürsorge — in ihren Dienst einstellte.
Die günstigen Wahrnehmungen, die hinsichtlich der Tätig-
keit dieser Beamtin in der Folgezeit gemacht wurden,
führten zur Ausgestaltung der neuen Einrichtung und
man ging daran, in allen polizeilichen Wohlfahrtseinrich-
‚ungen weibliche Kräfte in größerer Zahl zu beschäftigen.
Die Polizeidirektion erblickt ihre Aufgabe nicht bloß
darin, TIrunkenheitsbeanständete zu bestrafen, sondern sie
will dem Übel auch vorbeugen können. Zu diesem Zwecke
wurde im Jahre 1922 die sogenannte Trinkerfürsorge
eingeführt. Ihrem Wesen nach besteht die Fürsorge darin,
daß Personen, die der Sicherheitsbehörde aus Anlaß
einer Beanständung wegen Trunkenheit bekannt wurden,
zu einer zu diesem Zwecke geschaffenen Fürsorgestelle
geladen werden. Dort werden sie durch ehrenamtliche Für-
sorger und Helfer, die aus den Kreisen der Abstinenzler
stammen, auf die gesundheitlichen, sozialen und wirt-
schaftlichen Schäden des Alkohols aufmerksam gemacht,
Ein sehr trauriges Kapitel im Leben der Großstadt
stellen die Selbstmorde und Selbstmordver-
suche dar. So wurden im Jahre 1925 646 Selbstmorde
ausgeführt und 1008 versucht. Ende 1926 waren 713 Selbst-
morde und 088 Selbstmordversuche, im Jahre 1027
850 Selbstmorde und 1012 Selbstmordversuche und im
Jahre 1928 bis Ende September 705 Selbstmorde und
1062 Selbstmordversuche zu verzeichnen.
Auch hier hat die Polizeidirektion dadurch wenigstens
einigermaßen helfend. einzugreifen versucht, indem sie
einen Fürsorgedienst für Lebensmüde schuf.
Die Wohlfahrtseinrichtungen für die Polizei-
beamten.
Neben Fürsorgeeinrichtungen, die die Polizeidirektion
für solche Personen, die, wie Kinder, Mädchen und
Frauen besonders gefährdet sind, eingerichtet hat, ist
naturgemäß auch für Polizeibeamte, für deren Gesund-
heit und deren persönliches Wohl durch Errichtung eines
Spitales, von Erholungsheimen sowie durch Stiftungen
und Unterstützungsfonds umfassend vorgesorgt worden.
Eine Wohlfahrtseinrichtung ganz besonderer Art ist die
„Schober-Stiftung”, das im Gebäude IlL, Boerhavegasse
Nr. 13 untergebrachte, in Verbindung mit der Kranken-
anstalt „Rudolfsstiftung” stehende Polizeispital. War
auch die Aufbringung der Mittel sehr schwierig geworden,
sie fanden sich doch. Das Publikum hatte durch die Er-
eignisse des 17. April 1919 den Wert einer. verläßlichen
Polizei für den Schutz des Vaterlandes erkannt und
spendete aus eigenem Antriebe zuhanden des Polizei-
präsidenten namhafte Summen, die größtenteils zur Fr-
richtung des Polizeispitales herangezogen wurden.
Gleich nach seinem Amtsantritte im Jahre 1918 stellte
der Polizeipräsident Schober an die Regierung das An-
‚uchen um Zuweisung der zur Auflassung bestimmten
“Jüchtlingsstation in Mistelbach, um hier den während
ler Kriegsjahre besonders stark in Anspruch genom-
nenen. Polizeiorganen Gelegenheit zur Erholung zu
zu geben. Diesem Ansuchen willfahrte die Regierung
ınd überließ im März I919 die östliche Hälfte der
"Jüchtlingsstation, zusammen 23 Objekte (hievon 20 be-
vohnbar), für den angeführten Zweck. Die im Villenstil
ırrichteten Objekte, durchwegs Einfamilienhäuser, wurden
zründlich renoviert und neu eingerichtet und die einfach
nöblierten Wohnungen den ansuchenden Familien von
?olizeibeamten aller Kategorien auf die Dauer von zwei
»is vier Wochen unentgeltlich zur Verfügung gestellt.
ım Jahre 1025 wurde das KErholungsheim nach einer
eneralreparatur als Kuranstalt eröffnet.
Eine neue Wohlfahrtseinrichtung verdankt gleichfalls
ıhre Entstehung der Fürsorge des Polizeipräsidenten. Es
st das aus den Mitteln des Wohlfahrtsfonds „Beamten-
ailfe” angekaufte und neu eingerichtete „Erholungs-
heim in Klausen-Gleichenberg” in Steiermark
Als eine Wohlfahrtseinrichtung ersten Ranges erwiesen
jich bei der herrschenden Wohnungsnot auch die am
iande des Exerzierfeldes Schmelz, in der Verlängerung
ler Possingergasse gelegenen Polizeiwohnhäuser, mit
leren Bau bereits im Jahre 1912 begonnen wurde. In
liesem Gebäudekomplex, der mit allen nötigen Ein-
richtungen‘ einer . zeitgemäßen Wohnungskultur aus-
zestattet ist, wohnten Ende 1927 355 Wohnparteien au“
lem Stande der Sicherheitswache.
Schließlich sei hier noch der verschiedenen Unter-
;tützungsfonds und Stiftungen gedacht, die fast alle der
‘nitiative des Polizeipräsidenten Schober entsprungen
ind und deren Wirken sich /auf alle Gruppen der im
Polizeidienst Stehenden erstreckt. Nicht zuletzt ist hier
das Unterstützungsinstitut der Sicerheits-
wache zu nennen, das nach dem Verlust seines Ver
mögens in der Inflationszeit ‚durch. das Fingreifen de:
Polizeipräsidenten auf eine neue Grundlage gestellt wurde
Der Polizeisport.
Zu jenen Schöpfungen, die in die Zeit der letzten
zehn Jahre fallen, ist auch der Polizeisport, das is!
die sportliche Betätigung und Ausbildung der Polizei-
beamtenschatt, zu zählen. Die sportliche Vereini-
zung wurde in den Jahren 1918 bis 1919 gegründet:
“s” wurden die für den Sportbetrieb erforderlichen
Anlagen Trainingsplätze und Sporthallen (in der
Postgasse) geschaffen. Sie dürften zu den besteingerich-
‚eten in Wien zählen. Die polizeiliche Sportvereinigung
1at sich durch ihre vorzüglichen Leistungen auch in de!
Jeffentlichkeit Ansehen zu verschaffen gewußt.
Hierher gehört vielleicht auch das Strandbad de!
Sicherheitswache und Kriminalbeamten, deren
Einrichtung wohl noch in das erste Kriegsjahr zurück‘
‚eicht. Die Anlagen wurden 1920 vergrößert, ein Schul-
bad, das auch der Ausbildung der Probewachmänner im
Schwimmen dient, und ein Familienbad eingerichtet sowie“
ein Sportplatz geschaffen. Ebenso wurde eine Hod
juellenbrauseanlage eingeführt. Die hiefür notwendiger
‚littel stellte Polizeipräsident Schober zur Verfügung.