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108 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung. 566 
Erfolgreicher waren die übrigens schon mit Rau, Friedländer, Rossi, Macleod 
einsetzenden Erörterungen, daß das Kostengesetz die Wertlehre entfernt nicht erschöpfe, 
daß der Gebrauchswert eine bisher vernachlässigte Bedeutung habe. Man fand immer 
nehr praktische Fälle, in welchen der Marktwert nicht den Kosten entsprach. Und in 
den letzten 80 Jahren suchten nun Gossen, Jevons, Walras, Menger, Wieser, Böhm⸗ 
Bawerk eine ganz neue Wertlehre aufzustellen, welche den Gebrauchswert, seine wesentlich 
subjektiven psychologischen Ursachen und Schwankungen, seinen Zusammenhang mit den 
Mengenverhältnissen und der Seltenheit in den Mittelpunkt der Theorie stellt, von 
diesem Standpunkt aus auch das Kostengesetz besser formulieren will. Indem die öster— 
reichischen Werttheoretiker dieses thaten, haben sie zwar keineswegs, wie Dietzel nach— 
wies, etwas ganz Neues gelehrt, ebenso wenig der Wertlehre erst einen wissenschaftlichen 
Charakter gegeben; die Adepten der Schule haben mit gespreiztem Selbstbewußtsein sich 
selbst und untereinander zu oft das Zeugnis großer Geister ausgestellt. Aber fie haben 
doch vieles richtiger und schärfer gesehen; wir koinmen auf ihre Verdienste unten zurück. 
Ob zu denselben auch ihre neue Einteilung der Werterscheinungen in fubjektive und 
objektive zu rechnen fei, ist mir zweifelhaft; doch stehen sie mit dieser Tendenz, die alte 
Einteilung in Gebrauchs- und Tauschwert so zu ersetzen, nicht allein. Auch J. Neumann 
unterscheidet so, giebt diesen Begriffen aber eine andere Bedeutung. Er versteht unter 
jubjektivem Wert jede Beziehung desselben auf gewisse Personen und ihre Interefsen, 
unter objektivem die im allgemeinen geschätzte Tauglichkeit eines Gutes zur Erreichung 
eines Zweckes, wobei die Beziehung auf Personen zurücktrete. Den objektiven Wert 
teilt er in Vermögenswert, Tauschwert und Ertragswert. Der erste entsteht durch die 
Beziehung der innegehabten Güter und Rechte auf die allgemeinen Vermögensinteressen 
des Verfügenden; der zweite entsteht durch die jeweilige Marktlage; der dritte durch 
die Beziehung des Ertrags eines Gutes auf den Inhaber; der Ertragswert eines Land, 
zutes von 1000 Mark Rente ist bei 5 Prozent durchschnittlicher Zinsen 20000 Mark, 
der Tauschwert kann zur fselben Zeit 18000 oder 38000 stehen, je nachdem Käufer 
sehlen oder in Hoffnung auf steigende Erträge zahlreich erscheinen und sich überbieten. 
Der Vermögenswert dieses Landgutes kann für einen bestimmten Inhaber aus einer 
— stehen. 
Natürlich ist eine Einteilung der Werturteile nach den Personen, auf welche 
wirtschaftliche Zwecke und Mittel bezogen werden, möglich. Es fragt sich nur, ob 
damit die Erscheinungen klarer geordnet werden, zumal wenn man wie die Osterreicher 
unter den neuen Namen doch die alten Erscheinungen, das subjektive Begehren einer—⸗ 
jeits, die Markterscheinungen andererseits erörtert. Schon der anderweite Gebrauch, den 
J. Neumann von diesem Begriffspaare macht, zeigt, daß es keineswegs die allein klare 
jeste Scheidelinie giebt. Man könnte versucht sein, es noch anders zu benutzen. Ich 
erinnere daran, wie ich vorhin zeigte, daß meist in jedem individuellen Werturteil dus 
der Natur und der Gesellschaft stammende, also objektive Elemente stecken, ja teilweise 
den Ausschlag geben. Daran anschließend könnte man subjektiven Wert den nennen, 
in welchem die individuellen Gefühle, objektiven den, in welchem die gefellschaftlichen 
Urteile überwiegen. Man könnte auch daran denken, unter subjektivem Wert den zu 
verstehen, dessen Elemente individuell egoistische Uberlegungen sind, unter objektivem 
den, der sich auf die Gesamtinteressen gesellschaftlicher Gruppen bezieht, wie er sich z. B. 
in den mittelalterlichen Bußen der Rechtsbücher, in öffentlichen Taxen und Tarifen, in 
amtlichen Schätzungen von Steuerbehörden ausspricht. 
Doch versolgen wir diese Dinge nicht weiter. Wir wollten nur kurz anführen, 
wie verschieden die Begriffe subjektiver und objektiver Wert heute gebraucht werden. 
Wir fassen nun zuerst den Tausch- und Marktwert im allgemeinen ins Auge. Er ist 
nicht nur der prattisch wichtigste, der in der Wissenschaft bisher überwiegend vehandelte, 
sondern er ist zugleich der fefie und greifbare, der, welcher allen wirtschaftlichen Werten 
gleichsam Sprache verliehen hat. Die wissenschaftliche Untersuchung thut stets gut 
daran, vom Sicheren, Greifbaren auszugehen.
	        
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