DIE ENTWICKLUNG DES HOCHSCHULWESENS IM LETZTEN
JAHRZEHNT
Von Professor Dr. Richard Meister.
Die Fölgen des Krieges, des Zusammenbruches
des alten Staates und der anschließenden Währungs-
wirren haben die österreichische Hochschulverwal-
tung vor eine doppelte Aufgabe gestellt. Sie sah
Smnerseits als nächste Pflicht vor sich, die mit der
Zeit erlittenen Rückschläge wettzumachen, die
Ongerissenen: Lücken auszufüllen und die staatliche
Fürsorge für das Hochschulwesen, welche unter dem
wnerbittlichen Zwange der Verhältnisse hinter dem
Ausmaße der Vorkriegszeit zurückbleiben mußte, zu-
Nächst wieder auf dieses Niveau zu bringen. Die
Unterrichtsverwaltung war sich aber auch weiter be-
wußt, daß die Entwicklung der Wissenschaft auf
der ganzen Welt unaufhaltsam fortschrei-
tet und daß daher noch weitgehende Anstrengun-
Sen erforderlich sind, um auch den Anforderungen
dieser Evolution in personeller und sachlicher
Beziehung nach Tunlichkeit gerecht zu werden.
B Wenn auch nur eine allmähliche Entfaltung dieser
mühungen möglich war, wobei das Tempo von
der Entwicklung der österreichischen Staats- und
Volkswirtschaft abhängig blieb, so wurden doch im
re des Jetzten Dezenniums ansehnliche Fort-
sich. a nach beiden Richtungen erzielt. Auch war
aß ie Unterrichtsverwaltung der Wichtigkeit be-
chris che der Zusammensetzung der Hochschul-
dem Örper für das wissenschaftliche Leben zukommt,
ana gelang es, eine Reihe wichtiger Lehr-
ben n mit ausgezeichneten Gelehrten nach-
"A die Abwanderung hervorragender
Mehr e in das Ausland mit Erfolg zu verhind ern und
ein TE neue Lehrkanzeln zu schaffen. Die Tätig-
7 a rschung und Lehre blieb an allen Hochschulen
lebend er Schwierigkeiten der Zeit kraftvoll und
Hör lg; der Zustrom in- und ausländischer
ste er hielt sich‘ auf der gewohnten Höhe oder
Verst Gt sich soweit, daß zum Beispiel die Uni-
ine bi N t Wien im jüngst abgelaufenen Studienjahre
za noch niemals erreichte Hörerzahl
Di Eisen vermochte.
doze Zulassung und die Lehrtätigkeit der Privat-
lass a OR an den Hochschulen wurde durch Er-
Verh einer Habilitationsnorm neu geregelt, das
ine Tinis der Assistenten an den Hochschulen ‚auf
ls °ue gesetzliche Grundlage gestellt, | die Zu-
Studien den Realschulabsolventen zu den Universitäts-
Clan durch eine neue Verordnung erleichtert, die
zu den 8 der ‚Absolventen von Handelsakademien
in FE. . rechts- und staatswissenschafllichen Studien,
von ES der Vorschrift über die Aufnahme
Saatswi entlichen Studierenden an den rechts- und
Ssenschaftllichen Fakultäten neu nominiert.
die Zulassung von Volks- und Bürgerschullehrern
zu den Hochschulstudien mittels Verordnung
vesentlich erleichtert, die Zulassung von Frauen
zu den rechts- und staatswissenschaftlichen Studien,
zu den theoretischen Staatsprüfungen und zu den
‚eiden Doktoraten ausgesprochen.
Neben diesen organisatorischen Maßnahmen wurde
ıber auch der baulichen Ausgestaltung der
Gebäude der Hochschulen, ihrer Unterbringung
ınd Einrichtung besonderes Augenmerk zuge-
vendet und trotz der finanziellen Schwierigkeiten,
lie naturgemäß hemmend wirkten, auch ganz be-
rächtliche Erfolge erzielt. Neue Universitäts-Institute
n Wien, Neubauten für die Wiener und Grazer
"echnik und last not least der Neubau der Uni-
‚ersität Innsbruck, die endlich in ihr neues statt-
iches Heim übersiedeln konnte, nachdem die bereits
'ror dem Kriege begonnenen und während des
Crieges eingestellten Bauarbeiten im Jahre 1923 voll-
det wurden. Ein Jahr später konnte auch die Uni-
rersitäts-Bibliothek Innsbruck ihr neues modern aus-
zestattetes Gebäude beziehen, während das alte
3ibliotheksgebäude durch zweckmäßige Adaptierun-
zen für die Unterbringung der altehrwürdigen theo-
ogischen Fakultät Innsbruck herangezogen wurde.
Die räumliche und technische Ausgestal-
tung der Universitäten.
Besonderes Augenmerk wurde in dieser Epoche
ler Ausgestaltung der medizinischen Fakul-
‘äten zugewendet. So wurden an der Universität
n Wien in dem Neubau der Schwarzspanierstraße
mn ganz modernes histologisches Institut (Prof.
5chaffer) eingerichtet. Ferner wurden die Parterre-
äume im Nordtrakt des Direktionsgebäudes des
\llgemeinen Krankenhauses für die vom Prof. Dr.
Jochenegg geleitete II. chirurgische Klinik adap-
iert und dort die urologische und die orthopädische
\mbulanz untergebracht, wodurch dem Raummangel
m Hauptgebäude abgeholfen erscheint. Die Adap-
jerung des Südtraktes des Direktionsgebäudes für
lie in Rede stehende Klinik, die bereits in Angriff
zenommen wurde, wird im Laufe des nächsten Jahres
‚ollendet werden.
Derzeit wird auch an der baulichen Ausgestaltung
der von Prof. Dr. EKiselsberg geleiteten I. chirur-
gischen Klinik gearbeitet: die neu adaptierten Räume
sollen zu Beginn des kommenden Wintersemesters
dem klinischen Betriebe übergeben werden.
Die I. medizinische Klinik (Prof. Wenckebach)
erhielt durch Errichtung einer Phthisenstation sowie