Full text : 10 Jahre Wiederaufbau

Verbindung mit den bereits in der Nationalbibliothek
vorhandenen theatralischen Beständen geschaffen
werden. Aufgabe der Sammlung war es, sowohl der
Forschung, als dem Theater, also dem Studium der
Literatur- und Theatergeschichte, wie auch der praktischen
 Kunstübung der Direktoren, Regisseure, Schauspieler
 zu dienen.
Im Verfolge des erstgenannten Zieles wurden seit
1922 folgende Archive übernommen und der Samm-'ung
 angegliedert:
L. Das Archiv des „Theaters an der Wien”, oder
Sammlung Josef Simon und Konsorten.
9, Das Archiv des „Carl-Theaters”, oder Sammlung
Kamilla Eibenschitz-Knepler und Konsorten.
3. Das Archiv des „Theaters in der Josefstadt”
“Sammlung Josef Jarno).
4. Das Archiv des „Deutschen Volkstheaters”.
5. Das Archiv des „Alten Wiener Stadttheaters”,
‘Sammlung Heinrich Laube).
6. Das Archiv des „Burgtheaters”.
7. Die wertvollsten Partien des Archives des „Deutschen
 Theaters” in Prag.
Die Erwerbung sämtlicher dieser Archive erfolgte
kostenlos als Leihgaben zur Verwahrung und zur
Verwaltung auf Bestanddauer der Nationalbibliothek.
Außer diesen Archiven wurden auch mehrere Privatsammlungen
 der Sammlung angegliedert, so namentlich
 die Sammlung Hugo Held mit über 10.000 Nummern,
 die Sammlung Dr. Hans Böhm mit über
5000 Nummern. Von kleineren Sammlungen Gilber:
Lehner mit etwa 1000 Nummern, die Kollektion
Lumberger, Ursula Richter, Theodor Giesrau und
noch verschiedene kleinere. Die Erwerbung sämtlicher
vorgenannter Kollektionen erfolgte kostenlos als
Leihgaben zur Verwahrung und zur Verwaltung auf
Bestanddauer der Nationalbibliothek.
Außerdem wurden, soweit die zur Verfügung gestellten
 Mittel reichten, auf allen Gebieten die erforderlichen
 Ergänzungen durch Kauf vorgenommen und
hierüber fortlaufend in den Zuwachsverzeichnissen der
Nationalbibliothek berichtet.
Die Sammlungsgebiete der Theatersammlung der
Nationalbibliothek stellen sich wie folgt dar, wobei
hinsichtlich des Umfanges bereits die letzten, im „Jahrbuche
 der deutschen Bibliotheken” Jahrgang I9, 1928
genannten Ziffern angeführt werden.
I. 20.000 Druckschriften, Handbibliothek, Bestände
der Sammlung Hugo Thimig, mit einer Handbiblioihek
 von 8000 Dramen.
2. 10.000 Theater- (Regie-, Soufflier-, Inspizierusw.)
 Bücher und Rollen.
3. 40.000 Autographe (Objekte der Sammlung
Hugo Thimig) in ständiger Ergänzung.
4. Zirka 80.000 Bilder (Objekte der Sammlung

Hugo Thimig und der vorangeführten einzelnen
jammlungen) in ständiger Ergänzung.
5. Modellsammlung, 600 Modelle (Material der
Sammlung Gilbert Lehner) in ständiger Ergänzung.
Um eine Beurteilung über die Größe des Bestandes
zu gewinnen, seien hier die offiziellen Daten der
zweitgrößten einschlägigen Sammlung, nämlich ‚des
Theatermuseums (Klara Ziegler-Stiftung, München),
nach der offiziellen Angabe der Direktion dieses Institutes
 mitgeteilt, ;
[. 37.000 Druckschriften.
2. Der Bestand ist noch unbearbeitet. '
3. 1500 Autographe.
4. Zirka 8000 Bilder.
5. 400 Modelle.
Die Bestände der Theatersammlung der Nationalpibliothek
 erscheinen heute durchaus katalogisiert und
wird an der sukzessiven Drucklegung der Kataloge
gearbeitet. Im Jahre 1927 ist als I. Band der Katalog
 der „Alten Bibliothek des Theaters an
der Wien” erschienen. Als II. Band wird der Katalog
 der „Handzeichnungen der Theatersammlung”
 noch 1028 erfolgen.
Außer den genannten gedruckten Katalogen der
Theatersammlung wird seitens der General-Direktion
der Nationalbibliothek ein Sammelwerk „Denkmäler
des Theaters” herausgegeben, in welchem die hervor-‚agendsten
 Stücke der Theatersammlung in Repro-Auktion
 Aufnahme finden und das bis zum VII. Bande
gediehen ist.
Zu bemerken ist, daß von den älteren, vor der
Gründung der Theatersammlung bereits vorhandenen
theatralischen Beständen der Nationalbibliothek nur
ein verhältnismäßig geringer Teil in die neue Sammlung
 genommen worden ist, soweit es Vergleichsmöglichkeiten
 mit den neuen Beständen notwendig
machten. In gleicher Weise ist seitens der Albertina
eine entgegenkommende langfristige Entlehnung von
Yandzeichnungen und Kupferstichen erfolgt, die zu
Vergleichszwecken mit den Sammlungsbeständen unantbehrlich
 sind.
Die Sammlung umfaßt seit dem Jahre 1026 den
Lesesaal im dritten Stock des Gebäudes der Nationalbibliothek,
 ein Vorstandzimmer, ein Handdepot und
sechs Depoträume im Augustinerstöcl.
Über die Benützungsverhältnisse im letztabgelaufenen
Jahre 1927 geben die nachfolgenden Daten Aufschluß:

Die Zahl der lesenden Benützer beträgt 838, wozu
täglich noch zirka zehn Anfragen auf persönlichem,
telephonischem oder brieflichem Wege kommen. Diese
Benützer lasen 2026 Werke oder besichtigten 1976
Bilder. Die Sammlung führte in diesem Zeitraume die
Entlehnung von 424 Werken, 152 Bildern und
22 Archivstücken durch.

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