Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

AguTensiIem. Wien Yallı 
Der Zuschauerraum des Theaters in der Josefstadt 
DAS THEATER IN DER JOSEFSTADT IN NEUER GESTALT 
(UMBAU 1923/24.) 
Von Franz Horch. 
In der wechselvollen, an künstlerischen Höhen 
Teichen, an Tiefen noch reicheren Geschichte der 
Wiener Josefstädter Bühne bedeutet das Jahr 1024 
nen markanten Einschnitt.‘ Max Reinhardt ist an 
ihre Spitze getreten und hat sie mit einer Inszenie- 
"ung des Lustspiels „Der Diener zweier Herren” von 
Carlo Goldoni feierlich eröffnet. 
Es ist natürlich kein Zufall, daß ein Theatermann 
Yon der Bedeutung Reinhardts sich just das Theater 
in der Josefstadt zur Stätte seiner Wiener Wirksam- 
keit erwählte. Reinhardt erkannte, daß gerade dieses 
Haus vermöge seiner gegebenen Proportionen alle 
Möglichkeiten zur Errichtung einer Schauspielbühne 
gt, als deren Ideal ihm etwa jene Wirkungsmacht 
(rgeschwebt haben mag, die von Raum und Künst- 
m des alten Burgtheaters ausgegangen ist. 
jo dem Zustand freilich, in welchem sich die 
Sefstädter Bühne vorfand, konnte sie unmöglich 
weitergeführt werden. Nicht nur, daß die technischen 
Einrichtungen der Szene, Beleuchtungsanlage, Schnür- 
boden usw. modernen Anforderungen in keiner 
Weise mehr entsprachen, auch der Zuschauerraum 
;amt seinen Nebenräumen (Entree, Publikumsgarde- 
robe usw.), ferner die Ankleidezimmer der Schau- 
spieler, die Büros, kurz alles, was eben zu einem 
Theater gehört, war im höchsten Grade der Er- 
a1euerung bedürftig, oft sogar schon bedenklich 
‘euergefährlich und baufällig . geworden. Angesichts 
dieser Sachlage war es klar, daß nur eine umfassende 
Neugestaltung der Bühne wie des ganzen Hauses 
Grundvoraussetzung für Reinhardts spätere Absichten 
sein konnte. Es ist jedoch für das ganze Umbau- 
problem von entscheidender Bedeutung, daß Rein- 
1ardt bei den ursprünglichen Gegebenheiten des 
Tauses trotz aller schließlichen Abweichungen be- 
vußt anknüpfte und die Verwandlung des Josef-
	        
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