Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

wünschten Ziele zustrebte, das endlich mit der durch 
Gesetz vom 13. Juli 1023 verfügten Errichtung einer 
Fachhochschule für Musik und darstellende Kunst in 
Wien erreicht war. 
Bis zur Veröffentlichung des Statuts der neuen 
Hochschule im Juni 1924, also während des Studien- 
jahres 1023/24, wurden sogenannte „Hochschul- 
kurse“ abgehalten, welche wir somit als Vorläufer der 
Hochschule ansehen können. Sodann wurden im Sep- 
tember 1924 ernannt: die Professoren an der Akademie 
für Musik und darstellende Kunst Hofrat Dr. Joseph 
Marx, Hofrat Gustav Geiringer, Hofrat Josef Hof- 
mann, Hofrat Max Springer, und Regierungsrat 
Franz Schmidt zu ordentlichen Professoren und 
Regierungsrat Karl Prohaska, Regierungsrat Alexan- 
der Wunderer, Siegfried Buxbaum und Karl Stiegler 
zu außerordentlichen Professoren der Fachhochschule. 
Im November 1024 wurden folgende Professoren der 
Musikakademie als Dozenten an der Fachhochschule 
zugelassen: Professor Dr. Richard Stöhr (Musik- 
theorie); Professor Regierungsrat Dr. Andreas Weißen- 
bäck (Liturgik und alte Kirchenmusik); Frau Regie- 
rungsrat Professor Rosa Papier- Paumgartner und 
Frau Professor Marie Seyff - Katzmayr (Gesang); 
Professor Dr. Paul Weingarten (Klavier); Professor 
Franz Schütz (Orgel); die Professoren Regierungsrat 
Julius Egghardt, Franz Mairedker und Gottfried Feist 
(Violine); Professor Paul Grümmer (Violonecell); 
Professor Klemens Krauß (Kapellmeisterschule); Pro- 
lessor Josef Turnau (Dramatischer Unterricht) und 
Kapellmeister Dirk-Fock (Kapellmeisterschule). Von 
den genannten Dozenten üben alle mit Aus- 
nahme der Professoren Grümmer, Krauß und Turnau 
und des Kapellmeisters Dirk-Fock noch heute ihre 
Dozenturen aus. Im Laufe der nächsten Jahre wurden 
zu Dozenten an der Hochschule zugelassen (wobei 
Wir nicht die chronologische, sondern die alphabetische 
Reihenfolge einhalten) : Professor Hedwig Andraffy 
(Klavier); Professor Dr. Viktor Ebenstein (Klavier); 
Professor Robert Heger (Kapellmeisterschule, seither 
Ausgeschieden); Professor Walter Kerschbaumer (Kla- 
Vier); Universitätsprofessor Ministerialrat Dr. Heinrich 
Kretschmayr (Philosophie der Geschichte); Uni- 
versitätsprofessor Dr. Robert Lach (Philosophie der 
Musik); Professor Paula Mark-Neusser (Gesang); 
Professor Max Reinhardt (Schauspielschule) ; Re- 
8ierungsrat Professor Julius Stwertka (Violine); Pro- 
tessor Friedrich Wührer (Klavier). 
Das erste ordentliche Studienjahr nahm seinen 
Anfang im Oktober 1024, nachdem zum ersten Rektor 
Hofrat Professor Dr. Joseph Marx und zum Pro- 
tektor Hofrat Gustav Geiringer gewählt worden 
Waren. Am 10. Februar 1925 vollzog sich in feier- 
licher Weise die Inauguration des ersten Rektors in 
den Räumen des Akademietheaters. Bundesminister 
Dr. Emil Schneider eröffnete die Feier mit einer 
Ansprache, worauf Rektor Dr. Marx seine Inaugu- 
rationsrede hielt, deren Thema „Zur Theorie der 
Tonalität” er in engste Beziehung zu seinen An- 
ichauungen über die künstlerischen und pädagogischen 
Aufgaben der Hochschule brachte. Hofrat Professor 
Jr. Marx wurde nach Ablauf seiner ersten Funktions- 
»eriode neuerlich zum Rektor gewählt. Das Statut 
ler Hochschule wurde in den folgenden Jahren mehr- 
achen Aenderungen unterzogen. Doch dürfte‘ für 
len Rahmen dieser Darstellung wohl nur jene von 
Zedeutung sein, derzufolge nach einem Erlaß des 
3Zundesministeriums für Unterricht vom 22. Jänner 1927 
n Hinkunft die Funktionsdauer des Rektors von 
zwei Jahren auf ein Jahr herabgesetzt wurde, womit 
zine Angleichung an die bei den meisten anderen Hoch- 
;chulen geltende Norm erreicht war; gleichzeitig wurde 
edoch die Möglichkeit einer Wiederwahl freigegeben. 
Nach Ablauf der Funktionsdauer des Rektors 
Aofrat Dr. Marx wurde Hofrat o. ö. Professor Franz 
Schmidt zum Rektor für das Studienjahr 1926/27 
gewählt und am 22. November 1927 feierlich inaugu- 
jert. Bei dieser Gelegenheit kam zum erstenmal die 
ür die Hochschule von Hofrat Dr. Rudolf Junk und 
Professor Heinrich Zita geschaffene Rektorskette zur 
Verwendung, welche als ein Meisterstück des öster- 
‚eichischen Kunstgewerbes gelten kann. In seiner In- 
augurationsrede’ sprach Rektor Franz Schmidt „Ueber 
lie Voraussetzungen für das Studium der Organo- 
ogie”, ein musikalisches Wissensgebiet, dessen Pro- 
»leme zum großen Teil noch wenig erforscht. sind. 
"ür das Studienjahr 1927/28 wählte das Professoren- 
sollegium Hofrat o. 6. Professor Franz Schmidt 
1euerlich zum Rektor. 
Das Professorenkollegium der Hochschule hat 
vährend der kurzen Zeit ihres Bestehens bereits 
zwei seiner Mitglieder durch den Tod verloren. Am 
27. März 1927 verschied Hofrat o. ö. Professor Carl 
>rohaska nach langem schwerem Leiden und am 
8. Oktober 1927 Hofrat o. 6. Professor Josef Hof- 
nann, gleichfalls nach längerer Krankheit. Das Hin- 
icheiden dieser beiden als Künstler, Lehrer und 
Vienschen gleich wertvollen Persönlichkeiten bedeutete 
ür die Hochschule einen überaus schmerzlichen Ver- 
ust. Ebenso bedauerlich war das Ausscheiden Hofrat 
9. 6. Professor Gustav Geiringers, der infolge Er- 
vreichung der Altersgrenze nach Absolvierung eines 
Zhrenjahres 1928 in den Ruhestand trat. An Stelle 
Tofrat Hofmanns wurde für das Fach „Künstlerisches 
Klavierspiel” Professor Dr. Paul Weingarten an die Hoch- 
schule berufen. Die Lehrstellen nach Hofrat Prohaska 
ınd Hofrat Geiringer sind derzeit noch unbesetzt. 
Das wirkliche Leben der Hochschule pulsiert in der 
Jnterrichtserteilung und erhält seinen mächtigen An- 
rieb durch das im Statut gegebene Lehrziel, „den 
Törern die höchste künstlerische Ausbildung auf dem 
sebiete der Musik und darstellenden Kunst zu er- 
eilen”, Der Fachhochschulunterricht umfaßt . die fol- 
zenden Fachgruppen: I. Musiktheorie: a) Komposition
	        
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