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Baumgartner zu einer Handelsgesellschaft zusammenschloss.
„Hans Baumgartners von Kufstein Gesellschaft“ beherrschte
von nun an das Tiroler Finanzwesen, bekam fast den ganzen
Silberhandel in ihre Hand und gehörte zu den ständigen Be
suchern des venezianischen Marktes. Ein eigener Faktor be
sorgte in Hall und Schwaz die Geschäfte der Firma. Die Jahre
i486 bis 1488 bedeuten den Höhepunkt ihrer Tätigkeit im Silber
handel. Gegen 100 000 fl lieh die Gesellschaft damals dem
Erzherzog, der mit Venedig im Kriege lag 1 ). Als dann der Friede
geschlossen wurde und an die Republik die Kriegsentschädigung
bezahlt werden sollte, versagte offenbar die Finanzkraft der
Kufsteiner Firma. Sigismund musste sich an die Fugger wenden,
die zusammen mit Antonio von Ross, dem obersten Amtmann
Tirols, 23 627 fl zur Bezahlung an Venedig darliehen. Der
Einzug der Fugger in Tirol bedeutete eine Erschütterung der
Sonderstellung der Baumgartnerschen Gesellschaft. Der Augs
burger Kaufmann erkannte die Vorteile der auf den Silber
bergwerken beruhenden Geldgeschäfte und liess sich nicht mehr
verdrängen. Gegen seine bereits fest fundierte Finanzkraft
vermochte aber der Kufsteiner Baumgartner nicht aufzukom
men. Am 9. Juni 1488 schloss Fugger mit Sigismund einen
grossen Vertrag ab über 150 000 fl und erhielt dafür am 28. August
alles Silber aus der Haller Münze zugesichert, doch sollte er
wöchentlich 200 M an die Gesellschaft Hans Baumgartners
in Kufstein hinauszahlen, bis diese für ihre kurz zuvor gege
benen Darlehen befriedigt seien. Die Fugger nahmen also die
Forderungen, welche die Kufsteiner Firma an Sigismund hatte,
auf sich, um jene um so sicherer von einer Verbindung mit der
Tiroler Regierung auszuschliessen 2 ). Dieses Ringen um die
Vorherrschaft in Tirol wurde dann völlig zugunsten der Fugger
entschieden durch den im Jahre 1490 ein tretenden Regierungs
wechsel. Maximilian, der am 16. März 1490 an die Stelle des
unfähigen Sigismund in Tirol trat, begünstigte bei seinen
Finanzgeschäften die Augsburger Kaufleute, gewährte dagegen
den Kufsteinern nur geringen Anteil an denselben, nicht zuletzt
*) Nach den Rait- u. Copialbüchern des Statthaltereiarchivs
Innsbruck.
s ) J a n s e n in „Anfänge der Fugger“ hat diese Vorgänge S. 54 ff.
ausführlich geschildert und auch in den Beilagen S. 114 die in Betracht
kommenden Urkunden mitgeteilt.