Kuh der Grau-Braunen Gebirgsrasse
geradezu vernichtet zu sein schien. Im Gegensatze
hiezu hatte bloß die Ziegen- und Schafzucht eine
immerhin beträchtliche Vermehrung aufzuweisen, weil
diese Zuchtzweige der Zwangswirtschaft nicht unter-
lagen. Hiebeiwares aber vorauszusehen, daß dieser durch
die Not der Verhältnisse bedingten Umstellung im
Zuchtbetriebe mit dem Eintritt normaler Zeiten wieder
äne rückläufige Bewegung folgen werde.
Der Tiefstand der österreichischen Rindviehzucht
in diesen traurigen Tagen wird am besten dadurch
charakterisiert, daß die englisch-amerikanische Gesell-
schaft der Freunde zwei Schiffsladungen von Rindern
unter den schwersten Opfern und Verlusten sogar
aus Amerika nach Oesterreich gebracht hat. Als die
Wirtschaft und die Kräfte wieder frei wurden, trat
bald der Umschwung ein und schon in ungeahnt
kurzer Zeit bot die Tierproduktion Oesterreichs ein
Die vorhandenen Tierzuchtgesetze waren vielfach
ıicht mehr ausreichend und teilweise schon veraltet,
weshalb die meisten Bundesländer neue Gesetze
schufen und die übrigen Bundesländer ihre Gesetze
antsprechend erweiterten. Durch diese Gesetze wird
vor allem die Körung und Haltung der männlichen
Haustiere zur Zucht geregelt. Besonders in der An-
ordnung der obligatorischen Haltung der für die
5ffentliche Zuchtverwendung erforderlichen männ-
'ichen Tiere (Stiere, Eber, Widder) ist die gute Hälfte
der Zuchtförderung und des in verhältnismäßig kurzer
7rist erzielten Zuchterfolges zu erblicken. Die züch-
terische Organisation belebte sich wieder; es kam
zur Gründung zahlreicher Zuchtgenossenschaften und
<ontrollvereine, die ihre Hauptaufgabe in der Hebung
ler Qualität der Tierbestände erblickten. „Rassen- und
‚eistungszucht” wurde das Losungswort und aus den ge-
'‚etteten Resten der Viehbestände entstanden Generatio-
ı1en, die bald die Qualität des Friedensstandes
reichten. Dies war nur deshalb möglich — und diese
Yeststellung dürfte für die Beurteilung unserer Rassen
mmerhin wertvoll und bedeutsam sein — weil in den
ibrig gebliebenen Zuchtbeständen noch so viel an
zuten konsolidierten Erbanlagen vorhanden war, daß
nit Eintritt besserer Zucht- und Umweltsverhältnisse
Jie Regenerierung und Wiederherstellung der einzelnen
Rassen in sicherer und rascher Weise erfolgen konnte-
n diesem Sinne bewahrheiteten sich insbesondere auch
die Worte: „Das Alpengebiet, die Weidewirtschaft
ind wohl der ewige Jungbrunnen des Viehstandes.”
Die amtliche Zählung vom 7. März 1923, deren
Ergebnis in der bezüglichen Tabelle dargestellt wird,
Viehstand vom 7. Mörz 1023.
Im Jahre
Dferde Schweine
A L L— _
1923 | 2.162.385 282.651 | 1,473.219 | 597.413
1910 2,218.763 298.025 1.840.338 296.128
Rinde
Schaf
vollkommen verändertes Bild. Anfangs bestand das
Bestreben nach möglichster Massenerzeugung, denn
Milch-, Fleisch- und Arbeitsleistung waren in erhöhtem
Vaße notwendig. Doch bald gelangte man zur rich-
gen Erkenntnis, das gerade die Zeit des Wieder-
aufbaues die geeignetste Gelegenheit sei, die Tier-
zucht in die richtigen Bahnen zu lenken, um in kon-
sequenter Verfolgung der Zuchtziele sowohl den
züchterischen als auch den wirtschaftlichen Anfor-
derungen gerecht zu werden. Von nachhaltigster
Wirkung und von bestimmendem KEinflusse auf die
ganze Gestaltung der Viehzucht mußte daher von
Anfang an vor allem die Förderung der Zucht auf
breiter Grundlage, sonach der Landesstierzucht, sein
and es ist ein Verdienst der maßgebenden Faktoren,
aiezu die notwendigen Vorsorgen rechtzeitig getroffen
zu haben.
Zieger
Esel, | | |
Manltier Geflügel Bienenstöcke Kaninchen
382.146 1400
983.973 1941
5.909.523 | 252.675 | 157.901
! 331646
arbringt bereits den Nachweis, daß die Rinder- und
Yerdebestände dem Friedensstande nahezu gleich-
:amen und daß der Ausfall an Schweinen auf etwa
15°% zurückgegangen war. Seither hat jedoch der
linderstand den Friedensstand nicht nur erreicht,
;ondern zeitweise gewiß übertroffen, während vom
5chweinestand nur noch etwa 20% fehlen dürften.
Die Pferdezucht dürfte heute ziffernmäßig nur um die
nfolge der Automobilisierung sowie wegen Auflassung
yerittener Heereskörper eingetretene Verringerung
les Standes gegenüber dem Friedensstande zurück-
;tehen,. welche Verringerung in Wien allein 15.000
stück beträgt,
Was nun die Entwicklung der einzelnen Haustier-
ırten im letzten Jahrzehnt betriftt, so ist wohl bei
ler Rinderzucht der bedeutendste Fortschritt fest-
:ustellen, wobei mit besonderer Befriedigung hervor-