sondern die Landwirtschaft des neuen Oesterreich
mußte sich vor allem Ersatz für die durch die Teilung
des alten Reiches beinahe gänzlich an die Sukzessions-
staaten verloren gegangene landwirtschaftliche Spiri-
tusindustrie erst neu schaffen.
Von den 1498 landwirtschaftlichen Brennereien des
alten Oesterreich befanden sich nicht weniger als 1482
auf dem Boden der heutigen Tschechoslovakei und
Polens, während nur 16 Betriebe, also bloß 11% in
den Ländern des jetzigen Oesterreich standen.
Die Spiritusfabrikation in den landwirtschaftlichen
Brennereien des alten Oesterreichs betrug in der
Betriebskampagne 1912/13 1.040.051 hl. Hievon ent-
äelen auf
die Sudetenländer, Galizien, Bukowina 1020.533 hl
auf die österreichischen . Alpenländer IL418 ,
Die jetzigen österreichischen Bundesländer partizi- 1920 157
dierten demnach an der landwirtschafllichen Spiritus- 1921 1.186
.ndustrie des alten Oesterreichs nur mit etwas mehr A023 6.455
als 1°%, woraus jedoch nicht geschlossen werden darf, oa be
daß für diese Länder kein Bedürfnis für landwirt- 1925 17.807
schaftliche Brennereien bestand. 1926 a1 30.788
Das herrschende Kontingentierungssystem und die 1927 43 412.036
Tatsache, daß das Spirituskontingent bereits auf die 1028 | 47 23.618
& ? en . . 1928/29 59.194
Sudetenländer, Galizien und Bukowina, welche die letzte Kampagne) > (voraussichtlich)
Vorteile für die Bodenproduktion frühzeitig erkannt ; PAS
hatten, verteilt war, ließen eine weitere Ausbreitung Die 54 Brennereien verteilen sich:
der landwirtschaftlichen Spiritusindustrie auf dem Land Anzahl
Boden des heutigen Oesterreichs nicht zu. Im übrigen Niederösterreich 32
Tat insofern ein Ausgleich der Interessen ein und Burgenland . . Il
zogen auch die viehproduzierenden Alpenländer aus Kärnten 0 8
der landwirtschaftlichen Spiritusindustrie Altösterreichs Steiermark . . . . 3
Nutzen, als die landwirtschaftlichen Brennereien Die größte Förderung von seiten des Bundesmini-
regelmäßig als Käufer von Einstellvieh auftraten und teriums für Land- und Forstwirtschaft als auch von
So ein günstiger Absatz für Nutzvieh geschaffen seiten der Landwirtschaftskammer erfuhren die bäuer-
wurde. Nach dem Zusammenbruche, durch den die ichen Genossenschaftsbrennereien. Unter den
Zeschilderten wirtschaftlichen Fäden zerrissen wurden, Neugründungen befinden sich 21 Genossenschafts-
Konnte die Landwirtschaft Neuösterreichs um so Drennereien. Diese werden größtenteils durch ein,
weniger auf ein so hervorragendes Meliorationsmittel, on der Niederösterreichischen Landes - Landwirt-
wie es die Brennerei für die Felderwirtschaft darstellt, ;chaftskammer eigens hiezu bestelltes Organ revidiert
verzichten, als sie sich plötzlich vor die Aufgabe ge- ınd fachlich beraten. Als Rohstoff dient den land-
Stellt sah, trotz Wegfallens der fruchtbarsten Land- wirtschaftlichen Brennereien vornehmlich die Kartoffel,
Striche auf minderen Böden genügend Lebensmittel für velche im eigenen landwirtschaftlichen Betriebe pro-
die heimische Bevölkerung zu produzieren. Nur die Iuziert wird. Zur Verwendung gelangt nur erstklassiges,
nöchstmöglichste Intensivierung aller Zweige der Land- >rtrag- und stärkereiches Saatgut, welches von der
wirtschaft konnte diese Aufgabe lösen. Niederösterreichischen Landes-Landwirtschaftskammer
Um nun den Ackerbau auf eine hohe Intensitäts- >ingeführt wurde und derzeit bereits im Inlande ver-
Stufe zu bringen, ist es unerläßlich, Hackfruchtbau in nehrt oder neu gezüchtet wird. Zur Verarbeitung
die Fruchtfolge einzuschalten, denn der Hackfruchtbau gelangen jährlich zirka 600.000 q Kartoffeln, die
ist der Eck- und Grundstein der landwirtschaftlichen und 750.000 hl Schlempe als Abfallstoff ergeben.
£rzeugung. In Neuösterreich gibt es nun viele Land- Mit der anfallenden Schlempe können gegen
Striche, wo infolge der klimatischen und Bodenver- 10.000 Stück Ochsen jährlich gemästet werden.
ältnisse die Kartoffel als einzige Hackfrucht in Jedenfalls: erweist sich der starke Aufschwung der
Betracht kommt. Intensivierung des Ackerbaues dieser landwirtschaftlichen Spirituserzeugung als ein viel-
Gegenden bedeutet demnach vermehrten Kartoffelbau acher Vorteil für die gesamte Volkswirtschaft; die
detreiben. Voraussetzung für letzteren ist aber eine weitere günstige Entwicklung muß daher angestrebt
Verwertungsmöglichkeit für die aus dem vermehrten werden.
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