Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

_ Phot. Dr. Kudolf Saar 
Dachsteinhöhlenpark. Ausblick aus dem Portal der Rieseneishöhle auf den Hallstättersee und die Berge des Salzkammergutes 
ÖSTERREICHS HÖHLENWIRTSCHAFT 
Von Sektionsrat Dr. Rudolf Saar. 
Auf dem Gebiete der Höhlenkunde und Höhlen- 
bewirtschaftung war Oesterreich seit jeher führend. 
Wissenschaft und Touristik hatten sich schon vor dem 
Kriege die Erforschung und Erschließung unseres 
heimatlichen Karstlandes und seiner Höhlenwelt zur 
dankbaren Aufgabe gemacht. Erschöpfte sich vor dem 
Kriege, das Interesse des Staates an den Höhlenvor- 
kommen in erster Linie darin, besonders eindrucksvolle 
Objekte ihrer erdgeschichtlichen und fremdenverkehrs- 
politischen Wichtigkeit wegen zu schützen und dem 
breiten Publikum zugänglich zu machen, so erweiterte 
der Krieg mit seinen Bedürfnissen den Kreis dieses 
Interesses um ein Bedeutendes. Nachdem der inzwischen 
verstorbene Sektionschef Dr. Rudolf Willner des 
Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft den 
Nachweis erbringen konnte, daß in Höhlen vor- 
kommende erdige Ablagerungen mitunter einen 
hohen Gehalt der für landwirtschaftliche Düngungs- 
zwecke so wichtigen Phosphorsäure (Ps O2) aufweisen, 
war es nur ein weiterer Schritt der Selbstverständlich- 
keit, daß bei der zu Ende des Krieges eingetretenen 
katastrophalen Düngermittelnot die Erfassung und Ver- 
wertung dieser phosphorsäurehältigen, für Düngerzwecke 
verwendbaren Ablagerungsprodukte in Höhlen mit dem 
Gesetze vom 21. April 1018, RGBLl. Nr. 161, dem Staate 
vorbehalten wurde. Mit diesem Gesetze wurden der 
österreichischen Höhlenwirtschaft neue Wege und Ziele 
gewiesen. 
Auf Grund dieses Phosphatgesetzes begann der Staat 
das größte in Oesterreich festgestellte Phosphatlager, 
ı1ämlich das der Drachenhöhle bei Mixnitz in Steier- 
nark aufzuschließen, abzubauen und zu verwerten. 
1it großen Mitteln wurde diese Aktion begonnen, 
'leren Durchführung einer privaten Gesellschaft, der 
Höhlendünger Ges. m. b. H.” übertragen wurde. 2500 
Vaggons phosphorsäurehältiger Höhlenerde wurden aus 
liesem Vorkommen der österreichischen Landwirtschaft 
u einem billigen Preise zugeführt und der dringendste 
jedarf auf dem Gebiete der Düngermittelversorgung auf 
liese Art und Weise wenigstens zum Teil gedeckt. Zur 
achmännischen Beratung des Bundesministeriums für 
and- und Forstwirtschaft wurde ein beratendes 
‚ollegium von Männern der Wissenschaft und der Praxis, 
lie „Bundeshöhlenkommission” geschaffen, 
velches alle Maßnahmen auf dem Gebiete dieses neuen 
Virtschaftszweiges zu prüfen und zu begutachten hatte. 
)abei stellte sich heraus, daß namentlich auf wissen- 
chaftlichem Gebiete der Abbau des Mixnitzer Höhlen- 
Üngervorkommens geradezu ungeahnte Aufschlüsse 
‘eitigte. 
Allein die Feststellung, daß in dem Düngervor- 
ommen die Ueberreste von 50.000 Höhlenbären jeder 
Altersstufe, sowie eine große Anzahl anderer vor- 
jeschichtlicher Höhlenbewohner festgestellt werden 
’onnten, hat zusammen mit der Entdeckung einer 
‚aläolitischen Siedlung im Inneren der Höhle ganz neue 
\ufschlüsse paläobiologischen Charakters für das süd- 
iche, namentlich für das steiermärkische Alpenvorland
	        
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