zu rechnen und die verschiedenen Lastwagen- und Traktoren-
typen. Also auch im Ford-Konzern haben wir auf der Basis
der einheitlichen Herstellung der Teile eine immerhin erheb-
liche Unterschiedlichkeit des Fertigproduktes. Diese Verschieden-
heit erzwingt sich aus dem Geldbeutel der Käufer und aus
deren unterschiedlichem Bedürfnis. Deswegen wird es auch in
Amerika niemals das „Einheitsauto“ geben. Im Gegenteil: Recht
deutlich lässt sich bemerken, dass gerade in den Vereinigten
Staaten die Abwanderung von einer Wagentype zur anderen, von
der billigen zur besseren Ausstattung, vom schwachen zum starken
Motor sehr lebhaft vor sich geht. (Wir erleben etwas Gleiches in
Deutschland bei den Radioapparaten.)
In Deutschland ist die Uneinheitlichkeit der Automobilproduktion
nicht eine einfache Vergröberung oder eine unfertige Form der
amerikanischen Einheitlichkeit. Der Zustand unserer Automobil-
produktion ist „antiamerikanisch“. Der Nachwuchs unserer Auto-
mobilfabriken kommt aus der Motorschlosserei und demKarosserie-
handwerk.
Es handelt sich, wie man am Beispiel der Automobilindustrie
sieht, bei den Vergleichen der deutschen und der amerikanischen
Industrie um einen Irrtum über die Quelle der Entwicklung. Ausser-
dem bestehen aber auch, wie oben schon angedeutet, über die Ent-
wicklung selbst falsche Auffassungen. Das ist wohl dadurch mög-
lich geworden, dass in Deutschland seit Jahr und Tag über die
Normisierung der amerikanischen Produktion oberflächlich-opti-
mistische Darstellungen verbreitet werden. Sie führen beinahe
sämtlich in dem begründenden Material auf eine Tabelle zurück, die
den Erfolg der Normisierungsarbeit zahlenmässig darstellt, den
eine Abteilung des Bureau of Standards für sich in Anspruch nimmt,
die Vereinfachungen in der Praxis herbeiführen soll. Wenn man,
wie wir es gezwungen waren, nunmehr seit einem Jahr alle wich-
tigeren Äusserungen über Amerika, die in Buchform, in Zeitungen
und Zeitschriften erscheinen, in die Hände nehmen Muss, So er-
schrickt man über die allgemeine Wiederholung einer durch
einige Zahlen ein einziges Mal scheinbar erwiesenen Be-
hauptung. Tatsächlich führen 95 Prozent aller „Feststellungen“
über die Grosszügigkeit und die Resultate der amerikanischen
Produktionsnormisierung auf jene eine Tabelle zurück.
Nach den tabellarischen Angaben dieser zwar amtlichen, aber mit
den amerikanischen Unternehmern zusammenarbeitenden Ab-
teilung des Bureau of Standards soll z. B. der Erfolg herbeigeführt
worden sein, dass die Zahl der Bett-Typen (mit Sprungfedern und
Matratzen) von 78 auf 4, die Zahl der Hospitalbetten-Typen sogar
von 40 auf 1 vermindert wurde. Daraus wird dann von denjenigen,
die diese Zahlen benutzen, ohne weiteres geschlossen, dass diese
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