Abb. 5. Kindergarten in Hainburg a. D
In jüngster Zeit hat die österreichische Tabakregie
sinen bedeutsamen Schritt in der Rationalisierung
der Rohstoffbeschaffung über die in der Vor-
kriegszeit geübten Methoden hinaus unternommen.
Der Handel mit Orienttabaken zeigte in der Nach-
kriegszeit infolge des Überhandnehmens spekulativer
Zlemente förmliche Inflationserscheinungen, die ihrer-
seits wieder als Gegenbewegung eine Tendenz zur
Vertrustung des ganzen Handels mit Levantiner
Tabaken auslösten. Um sich einerseits von dieser Ent-
wicklung unabhängig zu machen, andererseits um
Tabake zu erlangen, die möglichst weitgehend den
vesonderen Bedürfnissen der österreichischen Tabak-
regie entsprechen, wurde eine Organisation zum
Ankaufe und zur Manipulierung der orien-
talischen Tabake an Ort und Stelle (Türkei,
Bulgarien und Griechenland) gegründet.
Die zeitweilige Entlastung des Budgets durch die
Inanspruchnahme des holländischen Kredites für den
esonders große Geldmittel bindenden Tabakankauf
ermöglichte es, die Instandsetzung und Ausge-
staltung der Betriebsgebäude und Einrich-
‘ungen in beschleunigtem Zeitmaße durch-
zuführen. Innerhalb weniger Jahre konnten die Ge-
bäude innen und außen in einwandfreien Zustand
versetzt, die Maschinen einer durchgreifenden Repa-
ratur unterzogen und zum Teile durch Umbau auf
wesentlich höhere Leistungen gebracht werden. Die
Erzeugung stieg rasch und schon mit Ende des Jahres
(022 konnte die Raucherkarte aufgelassen werden.
Wie schon erwähnt, waren die von der k. k. Tabak-
regie übernommenen Betriebsstätten für den mit Ein-
tritt geordneter Verhältnisse zu erwartenden Konsum,
insbesondere an Virginierzigarren und Zigaretten, nicht
zureichend. Noch in den Wirren des Umsturzes wurde
daher der Entschluß gefaßt, eine
Fabriksanlage zur KErzeu-
gung von Virginierzigarren
in Stein a.D. zu erbauen. Der
neue, für eine Jahreserzeugung von
mehr als hundert Millionen Zigarren
bemessene Betrieb wurde im Früh-
sommer 1022 der Benützung über-
geben. Die Tabakfabrik in Stein
(siehe Abb. 2) zählt zu den archi-
tektonisch schönsten und in
betriebstechnischer und hy-
gienischer Beziehung best-
eingerichteten Fabriken. Sie
übertrifft in dieser Hinsicht alle
anderen Tabakfabriken der alten
k. k. Tabakregie.
Um die Zigarettenerzeugung zu
verstärken, wurde das ehemalige
Landwehr-Waffendepot in Wien-
Favoriten zu einer Zigarettenfabrik
umgestaltet.
Die Leistungsfähigkeit der österreichischen Tabak-
'‚egie hat außer durch die Errichtung dieser beiden
neuen Betriebsstätten eine weitere ansehnliche Stei-
zerung durch Neu- und Zubauten in den be-
stehenden Betrieben erfahren. Da sich die ver-
‘ügbaren Lagerräume alsbald für die Unterbringung
ler dem vergrößerten Erzeugungsumfange entsprechen-
den Rohstoffe als unzureichend erwiesen, wurden in
einigen Tabakfabriken Magazine und Schopfen er-
richtet und vier große Objekte im Wiener Arsenal
gemietet und zu Rohstoffmagazinen ausgestaltet. Die
“rzeugung konnte aber noch weit über das durch
die räumlichen Erweiterungen der Betriebe gegebene
Ausmaß hinaus gesteigert werden durch Einführung
verbesserter Arbeitsmethoden, durch Ein-
führung der Maschinenarbeit an Stelle der Hand-
arbeit und durch Auswechslung älterer Ma-
schhinen gegen Hodcleistungsmaschinen
neuester Bauart (siehe Abb. 3). Nunmehr wird der
größte Teil der Zigarrenpuppen maschinell hergestellt,
vodurch eine gleichmäßigere Füllung und schönere
"orm der Puppen als bei der Handarbeit erzielt wird.
Die Zigaretten- und Pfeifentabakpäckchen sowie die
ı1eu eingeführten Schnupftabakpäckchen werden zur
Gänze maschinell hergestellt. Die für die Verpackung
ler minderen Pfeifentabake. in Briefen notwendigen
Vlaschinen werden mit Ende dieses Jahres zur Ver-
ügung stehen. Auch das Zählen und Füllen der
figaretten in die Hunderter- Packungen, sowie die
vollständige Herstellung der Zigarettenpackungen zu
IO und 20 Stücken wird seit kurzem durch Maschi-
nen besorgt.
So konnten trotz der Herabsetzung der wöchent-
ichen Arbeitszeit von 51 auf 44 Stunden Mehr-
eistungen bis zu 25% erreicht werden.