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naturhistorischen und wirtschaftlichen Standpunktes die Natur als
Produktionsfaktor abgelehnt hat, bleibt ihm als einzigster die
Arbeit übrig.
Kritik.
Angreifbar scheint uns zuerst seine Theorie der zwei Anschauungen,
der naturhistorischen und der wirtschaftlichen, zu sein. Pin Bedenken
habe ich schon oben hervorgehoben: daß er von einer wirtschaftlichen
Auffassung spricht, bevor überhaupt eine Wirtschaft besteht. Doch
mag dies an einer ungenauen Ausdrucksweise liegen, es kommt hierauf
nicht soviel an; das Hauptbedenken liegt ganz allgemein darin, daß
er zugibt, man könne den grundlegenden Akt der Güterokkupation
beliebig auffassen; wenn er den wirtschaftlichen Standpunkt für den
allein richtigen hält, so kann ein anderer ebensogut das entgegen
gesetzte Verfahren einschlagen, und hierzu haben wir um so eher
Veranlassung, als Rodbertus den Begriff „wirtschaftlich“ verschieden
definiert: in seiner „Erkenntnis der staatswirtschaftlichen Zustände“
(S. 4) heißt es „Wirtschaft ist die Verwaltung vorhandener Güter“
und es ist in einem ganzen Abschnitt näher ausgeführt, daß der Ton
auf dem Worte „vorhanden“ hegt. Das von dem Substantivum
Wirtschaft abgeleitete Adjektivum „wirtschaftlich“ müßte demnach
soviel heißen wie „das, was sich auf die Verwaltung von vorhandenen
Gütern bezieht“. In der „Beleuchtung der sozialen Frage“ steht da
gegen (S. 69) „Nur diejenigen Güter gehören zu den wirtschaftlichen,
welche Arbeit gekostet haben“. Hier ist also der Hauptton auf
die Entstehungsweise des Gutes gelegt. Ein Gut, das wir zu unserer
Bedürfnisbefriedigung benutzen, welches keine Arbeit gekostet hat,
z. B. Luft, Sonnenlicht usw. ist also kein wirtschaftliches. Anderer
seits, nach der ersten Definition, ist die Luft doch sicher ein vor
handenes Gut, es sind also Widersprüche zwischen beiden Defini
tionen möglich, sie können demnach nicht als zwei verschiedene Seiten
ein und desselben Urteiles aufgefaßt werden, was man vielleicht zur
Entschuldigung hätte anführen können.
Der zweite wichtigere Punkt, an dem unsere Kritik einzusetzen
hat, ist der Kostenbegriff, den Rodbertus einführt, indem er be
hauptet 1 ): „es gibt nichts, was die Güter außer der Arbeit noch
kosteten, oder, die Arbeit ist das einzige Element in der Entstehungs
geschichte der Güter, welches unter dem Gesichtspunkte ihrer Kosten
*) Rodbertus, Zur Erkenntnis uns. staatswirtschaftl. Zust., S. 6, 7.