staatlicherseits beschlossen und ungesäumt in Angriff
genommen wurde. Notleidend gewordenen Privat-
bahnen half die Regierung durch Übernahme des
Betriebes und durch finanzielle Unterstützungen ver-
schiedener Art über die ärgste Zeit hinweg, so daß
der lebensnotwendige Verkehr nirgends eine Unter-
orechung erfuhr.
Darüber hinaus erweiterte sich das Bundesbahnnetz
durch die von der staatlichen Eisenbahnbaubehörde
fertiggestellten Lokalbahnen Friedberg - Pinkafeld
15°6 km) und Ruprechtshofen-Gresten (35’8 km), so
daß dermalen über 87% aller österreichischen Eisen-
bahnstrecken im Betriebe der Österreichischen Bundes-
bahnen stehen. Weit ausgereifte Projekte für andere
Lokalbahnen harren mangels der erforderlichen Geld-
mittel noch der Durchführung.
Die staatliche Verkehrsverwaltung förderte aber
auch die private Bahn- und Bautätigkeit. Abgesehen
von der Lokalbahn Payerbach-Hirschwang (47 km)
konnten in den letzten Jahren zehn mit. privaten
Mitteln gebaute Seilschwebebahnen eröffnet werden.
Sie bilden eine neue Bergbahntype, die infolge ihrer
Betriebsfähigkeit auch im Winter den Fremdenverkehr
ganz besonders zu fördern vermag und Gegenden
erschließt, die ohne eine solche bequeme Beförde-
rungsmöglichkeit für viele unerreichbar blieben. Öster-
reich darf sich rühmen, auf dem Gebiete des Seil-
schwebebahnwesens das erste und führende Land der
Erde zu sein.
Wie die Eisenbahnen hatte auch die österreichische
Schiffahrt durch den Krieg Beeinträchtigungen schwer-
ster Art, die Donauschiffahrt sogar eine zeitweilige
völlige Unterbrechung erlitten. Nach einer durch die
verkehrsfördernde Tätigkeit der inter-
alliierten Donaukommission gekennzeichneten
Übergangszeit wurde der Donauweg erst allmählich
für den Handelsverkehr wieder freigegeben. Die
Donauschiffahrt stand nach dem Kriege unter völlig
geänderten politischen Bedingungen. Durch das Donau-
statut war zwar die Freiheit der Schiffahrt gewähr-
leistet worden, doch wurde ihr Betrieb durch den
Bestand der zahlreichen neuen, den Strom in nationale
Abschnitte teilenden Grenzzüge nicht unwesentlich
erschwert. Die durch den Staatsvertrag von St. Germain
und das neue Donaustatut eingesetzte Internationale
Donaukommission, deren Sitz gegenwärtig in Wien
ist, hat unter anderem durch die vorläufige Einrichtung
der Verwaltung in dem Abschnitte des Eisernen
Tores, durch ihre stets vermittelnde Tätigkeit, nicht
zuletzt auch durch die Feststellung der internationalen
Schiffahrtspolizeiordnung für die Donau eine reichliche
Arbeitim Interesse der internationalen Schiffahrt entfaltet.
Die österreichische Schiffahrt hat durch den als
”olge des Krieges ihr widerfahrenen Verlust eines
Teiles ihrer Betriebseinrichtungen in Jugoslawien und
lumänien sowie durch die Abtretung eines nam-
jaften Teiles ihres Schiffsparkes infolge der
“riedensbedingungen eine bedeutende Einbuße er-
itten. Durch die Steigerung der Betriebskosten wurde
hre Lage weiter erschwert. Nichtsdestoweniger hat sie
n der Verkehrskrise nach dem Kriegsende der Heimat
wichtige Dienste hinsichtlich der Lebensmittelzufuhr
zeleistet und ihren Verkehr seither wieder auf eine
bedeutende Höhe gebracht.
Als neuer Zweig. des Verkehrswesens ist während
Jes verflossenen Jahrzehnts die Luftfahrt in den
Dienst des Wirtschaftslebens getreten. Dank seiner
iberaus günstigen örtlichen Lage nimmt Österreich im
zwischenstaatlichen Luftverkehre eine nicht unbedeu-
‚ende Stellung ein und bildet Österreichs Hauptstadt
Wien einen Hauptknotenpunkt des mitteleuro-
säischen Flugverkehres. Wiewohl der Luftverkehr in
Österreich erst im Jahre 1022 Fuß gefaßt hat, wurden
m Jahre 1027 bereits 15.740 Fluggäste und über
556 Tonnen Güter befördert. Diese Entwicklung er-
illt um so mehr mit freudiger Genugtuung, als Bin-
lungen im Staatsvertrage von St. Germain und ge-
wisse Schwierigkeiten seitens der ehemaligen Feind-
staaten anfänglich dem Entstehen einer österreichischen
Verkehrsluftfahrt entgegenstanden und außerdem die
"inanzlage der Republik jene großzügige Förderung
verbietet, die andere Staaten dem Luftfahrwesen an-
zedeihen lassen. Jedoch durch fortgesetztes entschie-
lenes Eintreten für die Notwendigkeit der Errichtung
ner Österreichischen Verkehrsluftfahrt, durch die
wenn auch unter vielen Mühen im Jahre 1927 erst-
nalig erzielte, allerdings zunächst noch bescheidene
;taatliche Subventionierung, endlich durch den
\bschluß einer Reihe von die Luftfahrt mit den Nach-
’arstaaten regelnden Staatsverträgen ist es der staat-
ichen Verkehrsverwaltung in Zusammenarbeit mit
ler Österreichischen Luftfahrtunternehmung gelungen,
den österreichischen Luftverkehr bereits zu einem maß-
zsebenden Faktor des Wirtschaftslebens zu entwickeln.
Durch seine außerordentliche Zunahme ist er, bereits
nit dem Eisenbahnverkehr in Wettbewerb getreten,
der zu einem wirtschaftlichen Zusammenarbeiten beider
Verkehrsmittel im gegenseitigen Interesse drängt.
Das erste Jahrzehnt der Republik Österreich war
{ür das Verkehrswesen eine Zeit allgemeinen Wieder-
aufbaues und neuer Entwicklung, für die verantwort-
ichen Stellen eine Zeit schwerer Sorgen und rastloser
Arbeit. Mögen die kommenden Jahrzehnte einen
ebenso erfreulichen Fortschritt und weiteren Ausbau
des heimischen Verkehrswesens zum Wohle der Allge-
meinheit wie jedes einzelnen bringen!
IS