Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

und des Flugpostdienstes, ganz neue Wege er- 
öffnet. Auch im allgemeinen aber haben die Beför- 
derungseinrichtungen der Post an der aufsteigenden 
Entwicklung des gesamten Postwesens teilgenommen. 
So sind die Postverbindungen durch Botengänge, die 
1924 eine Streckenlänge von 5041 km mit einer 
Jahreswegleistung von 3’'4 Millionen Kilometern auf- 
wiesen, auf eine Streckenlänge von 5000 km mi 
einer Jahreswegleistung von 5'4 Millionen Kilometern 
ausgebaut worden. Die Tragtierposten zeigen eine 
Streckenlänge von 70 km gegen 45 km im Jahre 
1924. Die Pferdepostfahrten allerdings sind durch Um- 
wandlung in Kraftwagenposten von 4403 km Strecken- 
länge im Jahre 1924 auf eine Streckenlänge von 30615 
Kilometern eingeschränkt worden, Eine nicht zu über- 
sehende Ausgestaltung hat der Bahnpostdienst 
erfahren. Die Leistungen der Bahnpostkurse sind in den 
letzten 5 Jahren von 7 Millionen Wagenkilometer auf 
15'5 Millionen Wagenkilometer gesteigert worden. Die 
Postverbindungen auf Eisenbahnen konnten nament- 
lich durch die Beschleunigung der Beförderung 
sowohl der Briefpost als auch der Geld- und Paket- 
post verbessert werden, indem die Zugsbenützung 
günstiger gestaltet und insbesondere auch die Schnell- 
züge in gesteigertem Maße zur Postbeförderung 
herangezogen wurden. Auch die Betriebsmittel 
für den Bahnpostdienst sind, allerdings entsprechend 
den kleinen Verhältnissen im neuen Österreich, be- 
trächtlich vermehrt worden; an vierachsigen Bahn- 
postwagen laufen gegenwärtig 51 gegenüber 40 im 
Jahre 1924, an dreiachsigen Wagen I5 gegenüber II. 
die zweiachsigen Wagen sind von 66 im Jahre 10924 
auf 139 vermehrt worden. Wenn sich auch so deı 
Bahnpostdienst sehr schnell zur annähernden Höhe 
seiner Vorkriegsleistung erhoben hat, so bedeutet 
dieser gewiß begrüßenswerte Erfolg doch immerhin 
nur einen Fortschritt auf gegebener Bahn. Dagegen 
stellt der Postkraftfahrdienst in seiner Entwicklung 
nach‘ dem Friedensschluß geradezu ein neues Ver- 
kehrsmittel; und zwar nicht nur für den Postverkehr 
sondern auch für den Reisenden- und Klein- 
güterverkehr dar. Es hatte zwar schon die alt- 
österreichische Postverwaltung im Jahre 10907 be- 
gonnen, den Kraftwagen in den Dienst der Posı 
zu stellen. Sie mußte jedoch, um bei dem damaligen 
Stande der Technik ‚ohne Verlust arbeiten zu 
können, ihr Hauptaugenmerk auf solche Kraftfahr- 
linien richten, die durch Gegenden von hervor- 
ragender‘ landschaftlicher Schönheit führten, und 
deshalb einen großen Zuspruch von Vergnügungs- 
reisenden und erhebliche Einnahmen aus den Passa- 
giergeldern erwarten ließen. Ein Hauptverkehrsgebie: 
der Postkraftwagen waren ja die Dolomitenstraßen 
Südtirols. Von den 390 im Jahre I014 betriebenen 
Linien waren nur II innerhalb der Grenzen des 
heutigen Österreich und davon keine in Niederöster- 
reich, Steiermark oder Kärnten gelegen. Zur Postbe- 
Übergabe der Post auf dem Flugfeld in Aspern 
örderung im Ortsverkehr wurden, ausgenommen in 
Wien, Kraftwagen überhaupt nicht verwendet. In 
Wien wurde‘ der Ortsverkehr mit. Elektromobilen 
zestritten. Während des Krieges ruhte der Kraft- 
wagenverkehr vollständig. Nach dem Kriege nahm 
lie Postverwaltung den Kraftfahrdienst wieder auf 
ınd grenzte. auf Grund der Ergebnisse gründlicher 
Studien seine Aufgabe auf folgende zwei Hauptziele 
ab. Erstens sollte in den großen Städten der mit 
Pferdefuhrwerk betriebene Postbeförderungsdienst 
lurch Kraftwagenfahrten ersetzt werden, die ver- 
nöge der Entwicklung des Kraftfahrwesens eine 
mmer größere Wirtschaftlichkeit gegenüber den 
Pferdefahrten gewinnen mußten und insbesondere 
zur Verbindung der Postämter untereinander und 
mit den Bahnhöfen, sowie bei der Paketzustellung 
und Paketeinsammlung geeignete Dienste versprachen. 
Es wurde daher von 1020 angefangen schrittweise 
lie Brief- und Paketpostbeförderung in Wien und 
auch in anderen Städten, wie Mödling bei Wien, 
Linz und Klagenfurt automobilisiert, so daß heute 
'n Wien 120 Kraftwagen (56 Elektromobile und 64 
Zenzinkraftwagen) und 50 Anhängewagen und in 
len anderen Städten zusammen 28 Kraftwagen im 
Zetriebe stehen. Die Gesamtleistung dieser Wagen 
seträgt ungefähr 2,000,000 km im Jahr. Das 
zweite Hauptziel bestand darin, für die Zwecke des 
Postverkehres, sowie des Reisenden- und Klein- 
züterverkehres Überlandlinien auf jenen Strecken 
einzurichten, auf. denen der kostspielige Bahnbau 
zu wenig wirtschaftlich ist. Diesem Ziele wurde zu- 
erst in stetig steigender, in den letzten vier 
Jahren aber in sprunghaft beschleunigter 
Entwicklung nähergerückt. Die Möglichkeit beson- 
deren Erfolges ergab sich aus dem Fortschritt in der 
Fabrikation der Luftbereifung, der gestattete, auch 
schwerste Wagen an Stelle der Vollgummibereifung 
mit Luftbereifung zu versehen. Wegen des Wegfalles 
der starken Erschütterungen, die mit der unela- 
stischen Vollgummibereifung verbunden waren, konnte 
das Fahrgestell leichter gehalten und infolgedessen
	        
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