durch Einbau einer neuen Wählerstufe auf das Mil-
lionensystem (sechsstellige Teilnehmernummern) über-
zugehen. Für weitere Zentralen mußte aber, da Wien
Ende 1926 schon 76.000 Teilnehmer zählte (die
mittlerweile auf 79.000 gestiegen sind) mit Rücksicht
auf die längere Baudauer bereits vorgesorgt werden.
Es wurde das Fernsprechamt Hebragasse durch einen
Zubau erweitert und, wie auch das Fernsprechamı
Dreihufeisengasse, auf ein Fassungsvermögen von je
20.000 Anschlüssen vergrößert. Überdies wurde die
Zahl der großen Fernsprechämter durch den Neubau
des Fernsprechamtes im XX. Bezirk, Treustraße, auf
zehn vermehrt. Alle Ämter sind bereits in das
Millionensystem eingegliedert.
Automatisiert ist. außer in Wien auch der
Ortsverkehr in Graz und Linz. Das Fernsprechamt
Graz, das als erstes Amt Österreichs bereits im
Jahre 1910 eine automatische, und zwar eine voll-
automatische Einrichtung erhalten hatte, wurde auf
acht Gruppen zu je 1000 Teilnehmern erweitert,
Der zuletzt aufgestellten Gruppe kommt insoferne
Bedeutung zu, als ihre Schaltung bereits allen Fort-
schritten entspricht, die bisher auf dem Gebiete der
selbsttätigen Anschlußeinrichtungen gemacht worden
sind. Diese Gruppe ist bereits nach dem Schleifen-
system geschaltet, Nebenstellen von Hausanlagen
können vom Rufenden automatisch gewählt werden,
außerdem läßt die Schaltung die Einführung der ofi
gewünschten Zeitzählung zu. Die bisher halb-
automatisch betriebenen Gesellschaftsanschlüsse sind
auf vollautomatischen Betrieb umgestaltet worden.
Der Ortsverkehr in Linz ist seit Mai 1926 auto-
matisiert. Zur Aufnahme der neuen Einrichtungen für
den Ortsverkehr und für den erweiterten Überland-
verkehr sowie der Einrichtungen für das Verstärker-
amt wurden auf dem bestehenden Gebäude, das auch
die Post- und Telegraphendirektion sowie das Haupt-
post- und Telegraphenamt enthält, zwei Stockwerke
aufgebaut. Das neue Ortsamt, das den Anschluß von
10.000 Teilnehmern ermöglicht, ist hinsichtlich der
Finzelanschlüsse ein vollautomatisches, hinsichtlich
der Gesellschaftsanschlüsse ein halbautomatisches Amt.
Die Finzelanschlüsse sind mit Stellhebelapparaten (für
vier Dekaden) ausgestattet.
Der mit so vielen Mitteln durchgeführte Ausbau
der Ortsnetze und der zugehörigen Fernsprechämter
wäre nur von halber Wirkung geblieben, wenn nicht
auch für eine ausreichende Ausgestaltung des
Überlandsprechverkehres vorgesorgt worden
wäre. Zur Erweiterung und Verdichtung des Über-
landnetzes wurden, ehe es zum Bau und zur Ver-
wendung von Fernkabeln kam, zahlreiche oberirdische
Leitungen hergestellt. Von den besonders wichtigen
dieser Leitungen wurden gebaut:
Im Jahre 1024: Wien-Triest, Wien-Salzburg,
Prag-Linz-Leoben-Klagenfurt-Villach— Triest, Inns-
bruck-München.
Im Jahre1025: Wien-Mährisch-Ostrau- Warschau,
Preßburg-Wien-Agram. ;
Im Jahre 1926: Wien-Fisenstadt, Wien-Ober-
warth, Salzburg — Badgastein, Villach — Mallnitz,
‘Kärnten), Villach-Spittal an der Drau.
Am Ende des Jahres 1926 hatten die Überland-
leitungen eine Trassenlänge von 10.9391 Kilometer
gegenüber 0754 Kilometer im Jahre 1924 und eine
Drahtlänge von 75.4257 Kilometer gegenüber
59.3037 Kilometer im Jahre 1024 erreicht. Die
erzielte Erweiterung des Überlandnetzes bewirkte
eine bedeutende Steigerung des Verkehres und . eine
solche Verbesserung und Vermehrung der Sprech-
nöglichkeiten, daß alle zeitlichen Beschränkungen im
"nlandverkehr aufgehoben werden konnten. Von ganz
überragender Bedeutung aber für den gesamten
Sprechverkehr im Inland und nach dem Ausland, ja
für die Entwicklung des Fernsprechwesens in Öster-
reich überhaupt, wurde der Bau des österreichi-
schen Fernkabelnetzes, zu dem im Jahre 1926
die Legung des Fernkabels Wien-Passau-Nürn-
berg die Grundlage geschaffen hat und das im Jahre
027 durch den Bau der Fernkabelverbindungen nach
3Zudapest, nach der Schweiz und nach München
ausgestaltet wurde. Dem mutigen. Entschluß der
ssterreichischen Regierung, die großen Mittel für das
Werk aufzubringen, ist es zu verdanken, daß durch
Jiese Anlage Österreich an dem in wirtschaftlicher
und kultureller Beziehung hochbedeutenden Plan eine:
europäischen Telephonkabelnetzes mitbeteiligt wurde.
Die erste Vorbesprechung über diesen Plan hat im
Jahre 1924 in Paris stattgefunden, wo in der Zeit
vom 28. April bis 3. Mai unter der Bezeichnung
‚Comite consultatif international des communications
:elephoniques ä grande distance” (Internationaler be-
ratender Ausschuß für den Fernsprechverkehr) Ver-
;reter von 19 europäischen Staaten, darunter auch
sterreich, zu einer Beratung zusammentraten, deren
Zweck es war, die Bedinguugen des „Sprechens auf
weiteEntfernung” zustudierenund die Voraussetzungen
ür die Schaffung eines dem europäischen Fernsprech-
weitverkehre dienenden einheitlichen Kabelnetzes
‚orzubereiten. In dem vom Comite consultatif inter-
aational empfohlenen europäischen Fernsprechnetz
5ildet ein wichtiges Glied die Fernkabellinie Nürn-
berg-Passau-Wien. Die wirtschaftlichen Verhältnisse
Österreichs und seine Stellung als ausgesprochenes
Durchgangsland ließen es nicht zu, zunächst die füı
den Inlandverkehr wichtigsten Fernkabellinien aus-
zubauen und dann die Anschlüsse an die Nachbar-
staaten durchzuführen, sondern machten es notwendig,
die sowohl für den inländischen als auch den Durch-
gangsverkehr wichtigste Fernkabellinie Wien-Passau
in Angriff zu nehmen. Dieser Plan fand die Zustim-
nung und werktätigste Unterstützung der deutschen
Zeichspost. So wurde auf Grund der Vereinbarungen
zwischen dieser und der österreichischen Post- und