auf Ausländer entfielen. Das Erträgnis des Fremdenverkehrs
im Jahre 1926 wurde auf Grund von eingehenden
Untersuchungen mit 150 Millionen Schilling angenommen,
so daß es unter Berücksichtigung des 187%igen Zuwachses
im Jahr 1927 schon rund 178 Millionen Schilling
betragen dürfte. Das bedeutet etwa die Deckung
eines Sechstels des Abganges der österreichischen
Handelsbilanz. Im Jahre 10926 war diese Deckung erst
zu ’4 bis *4 gegeben.
Zum Schluß die Propaganda. — Aufklärung
und Werbung.
Heute weiß man auch schon, daß Propaganda für den
Fremdenverkehr nur dann vom erwünschten Erfolg begleitet
ist, wenn die sonst erforderlichen Voraussetzungen,
mit denen sich die früheren Abschnitte beschäftigt haben,
vorhanden sind, und daß im gegenteiligen Fall sehr leicht
eine schwere Schädigung entstehen kann. Man hat auch
schon gelernt, nicht ziel- und wahllos Propaganda zu
machen, sondern einesteils die Zahlen der Statistik zu
Rate zu ziehen und sich andererseits zur Erhöhung der
Wirkung zu gemeinsamen Unternehmungen zusammenzufinden.
Schließlich ist niemand mehr im Zweifel
darüber, daß Hand in Hand mit der Werbung im
Ausland die Aufklärung im Inland gehen muß.
Diese fängt in Österreich schon in der Schule an; das
Bundesministerium für Unterricht hat die Schulbehörden
eingeladen, die Schuljugend über die Wichtigkeit des
Fremdenverkehrs aufzuklären und in fremdenverkehrs-(reundlichem
Sinne zu leiten. Allerdings ungewollt, aber
loch mit durchschlagendem Erfolg, haben ja gerade die
österreichischen Kinder, die im Zuge der ausländischen
Kinderhilfsaktionen in die Fremde kamen, für ihre
Heimat geworben und Beziehungen hergestellt, die die
Wirksamkeit sonstiger Werbemittel bei weitem übertreffen.
Um bei der Aufklärung im Inland zu bleiben,
muß vor allem der selbstlosen und unermüdlichen Arbeit
der Presse gedadıt werden, die seit Jahren ihren ganzen
Einfluß in dieser Richtung geltend macht. Es war durchaus
nicht überflüssig, einerseits dem Österreicher die
Vorzüge seiner eigenen Heimat immer wieder vor Augen
zu führen, andererseits aber auch durch eine gutgemeinte
sachliche Kritik an der fortschreitenden Verbesserung der
{für den Fremdenverkehr wichtigen Verhältnisse mitzuarbeiten.
Das Bundesministerium für Handel und Verkehr
hat es daher als eine erste Pflicht der staatlichen
Fremdenverkehrsförderung erachtet, in ständiger F ühlung
mit der inländischen Presse und den Vertretern der auswärtigen
Blätter zu bleiben und kann heute auf ein
sehr gedeihliches Zusammenwirken zurückblicken. Ebenso
wie die Presse hat auch die Österreichische Radioverkehrs
A. G. (Ravag) die Absichten der staatlichen
Fremdenverkehrspflege in dankenswertester Weise unterstützt
und früher als dies in andern Staaten geschehen
ist, das Radio. regelmäßig in den Dienst der heimischen
Fremdenverkehrswerbung und Aufklärung über das
"remdenverkehrswesen gestellt. ;
Im übrigen mußte sich das Bundesministerium für
Handel und Verkehr aus den bereits angedeuteten
Gründen darauf beschränken, gesamtösterreichische Propaganda
selbst nur in unerläßlichhem Maße zu betreiben,
wobei es sich stets auf die österreichischen diplomatischen
und Konsularvertretungen im Auslande stützen konnte.
Wenn auch aus naheliegenden Gründen auf Finzelheiten
wicht näher eingegangen werden soll, so darf das Bunlesministerium
für Handel und Verkehr
>benso wie der Bundespressedienst doch darauf
zerweisen, daß die Gelegenheiten für österreichische
Werbung im Auslande unablässig aufmerksam verfolgt
und, wenn irgend möglich, auch ausgenützt worden sind.
Eine eigene und ihrer besonderen Bedeutung ent-;prechende
wichtige Stellung in der Fremdenverkehrswerbung
kommt den Österreichischen Bundesbahnen
zu, deren Propagandatätigkeit sich vor allem
auf die Heranbringung ausländischer Reisender
<onzentriert. So wurden denn im Laufe der Jahre 1925
is 1928 systematisch und nach gründlicher Vorbereitung
stützpunkte im Auslande geschaffen, die als offizielle
Vertretungen der Österreichischen Bundesbahnen das
nteresse des ausländischen Publikums auf Österreich zu
enken haben. Derzeit verfügt der Propagandadienst der
3undesbahnen über derartige Stellen in London, Paris,
iom, Berlin, Utrecht, Stockholm und Budapest.
Da die Bedienung eines so weit verzweigien Apparates
ner zentralen Stelle bedarf, hat sich das Generaljekretariat
der Österreichischen Bundesbahnen, dem die
Irganisation und Leitung der Propaganda obliegt,
n der Österreichischen Verkehrswerbung
zes. m. b. H. eine solche Stelle geschaffen. Diese,
lem Bundesbahnbetrieb eng angegliederte Stelle vervaltet
das Monopol der Reklameauswertung im Bahn-’ereiche
und verwendet die so erzielten finanziellen Erjebnisse
zur Dotierung der Bundesbahnpropaganda im
\uslande. Zahlreiche von der Österreichischen Verkehrsverbung
ausgegebene Werbemittel, wie Zeitschriften,
”rospekte, Plakate usw., ermöglichen eine rege Tätigkeit
ler Auslandvertretungen.
In der Erkenntnis, wie wichtig. es für jedes Land ist;
las am Wettbewerb im internationalen Fremdenverkehr
'eilnimmt, mit den anderen Ländern in Fühlung zu stehen
ınd gemeinsame Interessen gemeinsam zu verfolgen,
st Österreich sowohl dem Conseil International de
Tourisme mit dem Sitze in Paris als auch dem Congres
nternational des Organes Officiels de Propagande
ouristique im Haag beigetreten und hat auch an
leren Beratungen regelmäßig teilgenommen. Aus den
Jort angebahnten Beziehungen haben sich bereits engere
nteressengemeinschaften entwickelt, wie zum Beispiel das
5sterreichisch-ungarische Komitee zur Förderung des
“remdenverkehrs und eine zweite, vier mitteleuropäische
itaaten umfassende Verbindung, die eine gemeinsame
Nerbung in den Vereinigten Staaten zum Ziel hat.
Wenn auch das Bundesministerium für Handel und
Verkehr die Werbung im fernen Ausland keineswegs
'‚ernachlässigt sehen will, ‚so hat es doch immer den
»tandpunkt vertreten, daß der Schwerpunkt der öster-'eichishen
Fremdenverkehrswerbung vor allem im
Deutschen Reich und dann in der Tschechoslovakei, in
Jngarn und Jugoslawien liegen müsse, weil dort leicht
jiele Interessen und Beziehungen aus früherer Zeit aufzefrischt
werden können, die heutige Einstellung in diesen
‚ändern für die österreichische Propaganda günstig ist
ınd die Sicherheit besteht, die Gäste aus diesen Staaten,
leren Lebensgewohnheiten und Bedürfnisse den östereichischen
nahestehen, zufrieden zu stellen.
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