Hand bekannter Wiener Sittenschilderer (F. v. Myr-
5ach, H. Schließmann, Th. Zasche), Bildern zur
Theatergeschichte Wiens, Alt-Wiener Kartenspielen
and dergleichen mehr bereichert werden.
Für die römische und prähistorische Abteilung des
Museums, welche durch lange Zeit bloß in beschränkten
Aäumlichkeiten der Schule, IV., Rainergasse 13, unter-
gebracht war, gelang es, das ganze Gebäude für
Vlusealzwecke freizubekommen, in dem die Fund-
gegenstände, im weitesten Ausmaße vermehrt und
vollständig neu gruppiert, am 22. November 1924 zur
öffentlichen Ausstellung gelangten. ;
Sowohl die vom Historischen Museum der Stadt
Wien zeitweise veranstalteten Ausstellungen als auch
die in seinen Räumen ständig zur Schau gestellten
Sammlungen erregten das größte Interesse des Publi-
kums, was sich im Urteil der Presse wie auch in der
stetig steigenden Besucherzahl widerspiegelt. Die Zahl
der Besucher des Museums wird überdies noch ver-
mehrt durch jene Personen, welche die nicht aus-
gestellten Objekte, die in Mappen verwahrt oder
in Depots untergebracht sind, zu Studien, Schul- und
Unterrichtszwecken oder für Reproduktionen als
[llustrationsmaterial benützen; sie werden es gewiß
mit Freude begrüßen, daß es der Museumsleitung
ndlich gelungen ist, durch Freimachung von Räumen,
velche bisher anderen amtlichen Zwecken dienten,
3änen eigenen Benützerraum in unserem Museum zu
schaffen. |
Die Wiederaufbauarbeit der Stadtbibliothek
konnte, so lange nur eine geringfügige Dotation zur
Verfügung stand, kaum in Angriff genommen werden.
immerhin wurde, was die Autographensammlung be-
:rifft, 1923 durch eine Spende von 40 Nestroy-
VWanuskripten der Grund zu einer Nestroy-Sammlung
gelegt, die in den folgenden Jahren durch zahlreiche
Stücke vermehrt wurde. Seit dieser Zeit wurde es
auch möglich, zahlreiche Nachlässe zu erwerben: so
von Ada Christen, Adam Müller-Guttenbrunn, Moriz
Aartmann, Carl Debrois van Bruyck, Josef Lewinsky,
Franz Schober, Karl Emil Franzos sowie die Auto-
graphensammlung Nik. Dumbas.
Die Musiksammlung erwarb unter anderen eine
fast vollständige Sammlung von Schubert-Erstdrucken,
sowie eine Sammlung alter Wiener Tanz- und volks-
tümlicher Musik, eine Reihe wertvoller Handschriften
Haydıns, Mozarts, Beethovens, Schuberts, Bruckners
and Mahlers und versucht, sich durch Spenden von
Handschriften lebender Tonkünstler (zum Beispiel
„Schlagobers” von Richard Strauß) zu erweitern.
DIE WIENER STÄDTISCHEN ELEKTRIZITÄTSWERKE
Es hat wohl kaum ein anderer Zweig der Ööster-
-eichischen Wirtschaft nach dem Kriege eine der-
artige Entwicklung aufzuweisen, wie die EJlektrizitäts-
wirtschaft. Durch die Vervollkommnung der techni-
schen Finrichtungen der Großkrafterzeugung und
„Übertragung konnten die Gestehungskosten der
alekrischen Energie weit unter das Niveau der Vor-
kriegszeit gedrückt werden, so daß heute die Elek-
trizität nicht bloß für den einzelnen, sondern für die
Allgemeinheit eines der wichtigsten Kulturprodukte
geworden ist.
Die Forderung nach einer billigen elektrischen
Energie, welche eine Vorbedingung für die Wieder-
gesundung unserer durch den Krieg und die Nach-
kriegszeit niedergebrochenen Wirtschaft ist, konnten
die städtischen Elektrizitätswerke dank der
ımfassenden Modernisierung und ständigen Vergrö-
Berung ihrer Anlagen erfüllen. Trotz der großen
Investitionsarbeiten, welche zur Deckung der
ständig steigenden Produktion erforderlich sind, ist
der Strompreis um 49-54°% niedriger gehalten als vor
dem Kriege.
Unterstützt wurden diese Bestrebungen durch die
Gemeindeverwaltung, welche auf jeglichen Reingewinn
aus ‚ihrem Monopolbetrieb verzichtete. Die Folge
dieser Preispolitik war das Anwachsen der Konsu-
mentenzahl von 160.000 auf nahezu 600.000
innerhalb der letzten zehn Jahre. Die Elektrizitäts-
werke beschränkten sich aber nicht bloß auf die
Stromversorgung der Stadt Wien selbst, sondern
setzten in großzügiger Weise den Ausbau des Über-
andnetzes, der während des Krieges nur in sehr
zingeschränktem Umfange erfolgte, fort und versorgen
75 Gemeinden in den umliegenden Teilen Nieder-
5sterreichs und des Burgenlandes mit elektrischer
Energie.
In den Nachkriegsjahren waren die Elektrizitäts-
werke infolge der durch den Verlust der Kohlenfelder
der österreichisch-ungarischen Monarchie hervor-
gerufenen Kohlennot allerdings gezwungen, die Strom-
abgabe auf ein für die Dauer unerträgliches Minimum
anter Erlassung strenger Sparvorschriften, zeitweiser
Einstellung des Straßenbahnbetriebes, Beschränkung
der industriellen und gewerblichen Stromabgabe zu
"eduzieren. Sie benützten darum sofort den ersten
sich bietenden Ausweg aus dieser katastrophalen
Lage, der sich durch die Möglichkeit des Bezuges
von größeren Quantitäten Rohöles aus Polen bot.
Durch rasche Umstellung eines großen Teiles ihrer
Wiener Kraftanlagen auf Ölfeuerung, durch den
Ankauf von 6000 Zisternen Rohöl und durch die
Irganisation des Transportes nach Wien, der bei
Jen desolaten Verkehrsverhältnissen umfassende
Maßnahmen erforderte, konnte die gänzliche Ein-