Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

Da während der Inflationszeit die Banken die er- 
"orderlichen Mittel zur Weiterführung der Bauten 
nicht bestreiten konnten, entschloß sich die Stadt 
Wien zur Finführung einer Wasserkraftabgabe auf 
Jen Verbrauch von Elektrizität und Gas. Da die 
Gemeinde in der weiteren Folge Vorschüsse aus 
eigenen Mitteln gewährte, erlangte sie ein solches 
Übergewicht in der Gesellschaft, daß sie schließlich 
den gesamten Aktienbestand übernahm. 
Das Kraftwerk Opponitz wurde im Dezember 1024 
ın Betrieb gesetzt. Kurz darauf nahm die OWEAG 
lie Stromlieferung auf und das Kraftwerk Gaming 
begann im Februar 1926 die Stromerzeugung. Die 
Betriebführung der gesamten Anlagen der WAG liegt 
ın Händen der Elektrizitätswerke, an welche die An- 
lagen nach 30 Jahren heimfallen. 
Die Auswirkung der Benützung der inländischen 
Energiequellen auf die Gesamterzeugung der Elektri- 
zitätswerke ließ sich erstmalig im Jahre 1926, dem 
Jahre der Beendigung der Bauten der WAG, voll- 
ständig überblicken. Bei einer Erzeugung von 448 
Millionen Kilowattstunden entfielen auf die Wasser- 
sraftwerke 147 Millionen Kilowattstunden oder 35°%, 
auf die mit inländischer Kohle arbeitenden Kraft- 
werke 140 Millionen Kilowattstunden oder 31°5°% und 
der Rest von 150 Millionen Kilowattstunden, also 
33'5°% auf das mit ausländischer Kohle arbeitende 
Kraftwerk Simmering. 
Um aber auch im Kraftwerk Simmering beim Bezug 
ausländischer Kohle zu sparen, wurde eine neue Hoch- 
Aruckanlage, deren Errichtung zur Deckung der noch 
steigenden Belastung erbaut 
wurde, mit Kohlenstaub- 
feuerung ausgestattet, wel- 
-he die Verwendung inlän- 
discher Kohle ermöglicht. 
Diese neue ‚Anlage, beste- 
nendaus vier Hochleistungs- 
kesseln für 36 Atü und 
zwei neuen Dampfturbinen 
von zusammen 51.500 PS 
Leistung, wird durch weitere 
Aufstellung neuer Kessel 
und einer Turbine auf 
76.500 PS gebracht. 
\n Hand der Energie- 
produktion der einzelnen 
Jahre läßt sich die Lage 
der österreichischen Wirt- 
schaft nach dem Kricge 
verfolgen. Infolge der ein- 
schneidenden Sparvor- 
schriften betrug die Zu- 
nahme der Produktion bis 
zum Jahre 1920. bloß 20 
Millionen Kilowattstunden 
gegenüber dem letzten 
Kriegsjahre. Im Jahre 1921 konnten die städtischen 
Mektrizitätswerke infolge der teilweisen Umstellung 
hrer kalorischen Kraftwerke auf inländische Kohle die 
Sparvorschriften abbauen, was binnen Jahresfrist eine 
Steigerung der Erzeugung um 52 Millionen Kilowatt- 
stunden zur Folge hatte. In den folgenden beiden 
Jahren, der Zeit des ärgsten Währungsverfalles, 
konnten die Elektrizitätswerke bloß eine Zunahme von 
zusammen 12 Millionen Kilowattstunden verzeichnen. 
Die Stabilisierung der Währung im Jahre 1923 und 
lie in den folgenden Jahren langsam einsetzende Auf- 
wärtsbewegung der österreichischen Wirtschaft wirkte 
auf den Betrieb der städtischen Elektrizitätswerke 
Jurch rasche Zunahme der Produktion zurück. Im 
Jahre 1924 stieg die Erzeugung von 313 auf 373 Mil- 
tionen Kilowattstunden, im Jahre 1925 auf 417, im Jahre 
1926 auf 448, im Jahre 1027 auf 479 Millionen Kilo- 
vattstunden und wird im Jahre 1928 mehr als 530 
Millionen Kilowattstunden erreichen. Gleichzeitig stieg 
lie Maximalbelastung der Kraftwerke von 67.000 
<ilowatt im Jahre 1918, auf 168.000 Kilowatt im 
jahre 1927 und wird im Jahre 1028 vermutlich 100.000 
Kilowatt betragen. 
Die folgende zusammenfassende Darstellung der 
Erweiterung der Kraftwerksleistungen läßt die gewal- 
ige Entwicklung der Elektrizitätswerke nach dem 
Kriege erkennen. Zu Ende des Krieges bestanden 
drei Kraftwerke mit einer Leistung von 163.440 PS 
und sechs kleine Kraftanlagen, die das Gefälle der 
IL Wiener Hochquellenleitung im. Bereiche der Stadt 
Wien selbst ausnützen, mit einer Leistung von 1655 PS. 
Wasserkraftwerk Onponitz 
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