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Der Konsumverein ist seinem Wesen nach eine reine Konsumentenge-
nossenschast, er wird zur Erwerbsgenossenschaft, soweit er Güter zu
Erwerbszwecken vermittelt.
Konsumgenossenschaften entstanden zuerst Ende des 18. Jahr
hunderts. Es hat natürlich schon viel früher die gemeinsame Be
schaffung von Bedarfsgütern gegeben, doch trug sie nur den Charakter
der Zufälligkeit, jedenfalls konnte von einer bestimmten Form
und Organisation keine Rede sein. In der hauswirtschaftlichen
und ebenso in der stadtwirtschaftlichen Epoche waren Konsumvereine
überflüssig. In der ersten fielen Produktions- und Konsumtions-
Wirtschaft zusammen; in der zweiten gingen die Produkte direkt vom
Hersteller zum Verbraucher über. Es bestand keine Anarchie in der
Produktion, wie sie in der späteren „W arenproduktio n" auf
kam. Es gab nur „Kundenproduktivn", wie es Bücher aus
drückt. Vor allen Dingen waren es die Zünfte, welche auf die Rege
lung der Produktion bedacht waren. Die Zünfte waren im übrigen
keine reinen Produzentenkartelle, sondern sie vertraten auch lange Zeit
Konsumenteninteressen, vielfach allerdings nur, weil sie dazu ge
zwungen wurden. Bezeichnend dafür sind besonders die Preistaxen.
Späterhin aber wird das Produzenteninteresse immer mehr vor
herrschend und ist schließlich allein maßgebend. Wie wenig heute die
Parität in der Güterversorgung gewahrt bleibt, sehen wir am besten
bei den Kartellen, die ohne jede Rücksichtnahme auf den Konsumenten
die Preise einseitig festsetzen und bei dem geringen Widerstand, den
sie in Konsumentenkreisen finden, vielfach auch aufrecht erhalten.
Ein anderer Mißst'and in der Bedarfsgüterversorgung ist, daß die
Zahl der Händler, speziell der Kleinhändler im Kolonialwarenhandel,
ins Ungeheuerliche gestiegen ist. Der Liberalismus hatte allerdings
angekündigt, daß die Durchführung des Prinzips der freien Kon
kurrenz dem Konsumenten nur Vorteile, nicht auch Nachteile bringen
könne. Im Kleinhandel, besonders in der Lebensmittelbranche be
merken wir aber oft das gerade Gegenteil: Je mehr Konkurrenten,
desto höhere Preise. Schär gibt dafür auf Grund seiner Unter
suchungen folgendes interessante Beispiele)
Fleisch.
Stadt Einwohner Schlächterei- Einwohner auf Fleischpreise
betriebe einen Betrieb (für dieselbe Qualität)
117 000 85 1400 85
160 000 193 770 95
3 ) Schär, Allgemeine Handelsbetriebslehre I. Bd. 2. Ausl. S. 255.
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