Full text : 10 Jahre Wiederaufbau

gerade in diesen zehn Jahren ganz wesentliche Ausgestaltungen
 und Erweiterungen zu verzeichnen. Wenn
auch die von der staatlichen Unterrichtsverwaltung ausgehenden
 Neuerungen und Reformen vielfach die Ursache
 dieser Erweiterungen waren, so kann doch mit
besonderer Befriedigung konstatiert werden, daß den
Hauptanteil an dem großen Aufschwung, den das Schulwesen
 in Oberösterreich genommen hat, das Land
Oberösterreich beigetragen hat. Das Land übernahm
die Personalkosten für 25 neue Bürger- bzw. Hauptschulen
 sowie für eine Anzahl neuer Volksschulen. Das
Hilfsschulwesen wurde durch Errichtung von Hilfsschulklassen
 ausgestaltet und an zahlreichen Volksschulen
wurde durch Ausgestaltung und Vermehrung der Klassen
die Voraussetzung für günstigere Unterrichtsverhältnisse
geschaffen. Nicht unerwähnt darf bleiben, daß im Zeitpunkte
 des allgemeinen Abbaues in Oberösterreich nicht
eine einzige systemisierte Volksschulklasse aufgelassen
wurde. Ungefähr 25 bis 30 Neubauten für Volks- und
Hauptschulen wurden in den letzten Jahren "errichtet.
Außerdem wurden I0 Privat-Hauptschulen und. mehrere
Privat- Volksschulen, und zwar größtenteils von geistlichen
 Orden und Kongregationen, im Lande ins Leben
zerufen.
Großen Aufschwung nahm auch der Unterricht in hauswirtschaftlichen
 Fächern durch Schaffung von I5 neuen
Schulküchen und Veranstaltung entsprechender Fortbildungskurse,
 Einige neuerrichtete Winterschulen ermögichen
 den Fortbildungsschulunterricht in landwirtschaftichen
 Fächern.
Auf dem Gebiete des Mittelschulwesens ist die Neuerrichtung
 der Deutschen Mittelschule am Bundesgymnasium
 in Linz zu verzeichnen. Ferner die Frauenoberschule
 an den Linzer Städtischen Mädchenmittelschulen
sowie die Privat-Mädchen-Realgymnasien der Kreuzschwestern
 in Linz nnd der Schulschwestern in Wels. In
diesem Zusammenhang darf auch die im Herbst 1928 in
Linz eröffnete, bisher einzige Arbeitermittelzchule
 in Oesterreich nicht vergessen werden.
Auch im gewerblichen Bildungswesen ist in Oberösterreich
 ein erfreulicher Aufschwung zu verzeichnen. So ist
es nach Ueberwindung großer Schwierigkeiten gelungen,
eine würdige Unterbringung der Bundeslehranstalt für
Eisen- und Stahlbearbeitung und für Elektrotechnik
 in Steyr in der ehemaligen Jägerkaserne zu
ermöglichen. Auch haben trotz der finanziellen Schwierigkeiten
 die Bundeslehranstalt für Maschinenbau, Flektro-;echnik
 und Hochbau in Linz sowie die oben genannte
Anstalt in Steyr und die Bundeslehranstalt für Holz-»>earbeitung
 in Hallstatt in ihren Betriebseinrichungen
 manche wertvolle Bereicherung erfahren. .
Eine Webereifachschule in Haslach im Mühlkreis
and eine Müllereifachschule in Wels bilden eine
weitere Bereicherung der gewerblichen Bildungsanstalten
n Oberösterreich

Kunst und Kunstgewerbe.
Auch auf dem Gebiete der Kunst setzte in Oberösterreich
 bald nach Beendigung des Krieges wieder reges
Leben ein. Zwar zog der Fntwiclung der Architektur
die wirtschaftliche Knappheit enge Grenzen, doch konnte
gerade in dieser Epoche der gewaltige Bau des Linzer

Maria Empfängnis-Domes vollendet und eingeweiht werden
1924), dieses größte Denkmal kölnischer Neugotik auf
5sterreichischem Boden. In der modernen Architektur war
n Oberösterreich während dieses Zeitraumes Julius
5chulte der führende Mann (Bürgerschule in Eferding,
\ufbau des Postgebäudes, Villen- und Siedlungsbauten
n Linz). Aber auch Prof. Dr. Klemens Holzmeister hat
n dieser Epoche in Oberösterreich hervorragende Bauten
zeschaffen; sein großer Neubau der Kreuzschwestern in
.inz zeigt, wie stark die Wirkung sein kann, die ein
ıllen äußerlichen Schmuckes bares Gebäude durch wohlıbgewogene
 Verteilung der Massen und Harmonie aller
Verhältnisse erreichen kann. Ein kleines Juwel moderner
Zaugesinnung ist auch sein Neubau der Trink- und
Wandelhalle der Kuranstalt in Bad Hall.
Groß und überraschend ist der Aufschwung der
Malerei in der Nachkriegszeit. Neben der Künstlerzruppe
 des oberösterreichischen Kunstvereines, der im
ahre 1926 sein fünfundsiebzigjähriges Jubiläum feiern
somnte, traten zwei große, neue Künstlervereinigungen
uf den Plan, die „Innviertler Künstlergilde” und der
.März”, die in- und außerhalb Oberösterreichs Austellungen
 veranstalteten und Anerkennung errangen.
Nilhelm Dachauer, ein Meister in der großen figuralen
\omposition, der Landschafts- und Bildnismaler Franz X.
Weidinger, der Stilleben-Maler Louis Hofbauer und
ler für dekorative Malerei begabte Alois Wach ragen
ı1ervor, Unter den Bildhauern setzt Josef Furthner
F’raditionen der Holzschnitzkunst in Oberösterreich fort,
vährend die Stärke des Mühlviertlers Adolf Wagner
n der Gestaltung von Stein und Bronze beruht (Bergzeist
 in den Bauernberganlagen in Linz). In jüngster Zeit
st mit tüchtigen Plastiken Forster aus St. Florian hervorgetreten
 (Hesserdenkmal vor dem Landhause in Linz).
Der Oberösterreichische Kunstverein erlebt in seinen
Aitgliedern Koko, Hirschenauer und Lutz eine
;pätblüte des Impressionismus. Der Bildnismaler und
„andschafter Richard Diller huldigt romantischen Tenlenzen,
 während der Tiermaler Höhnel, der Land-<hafter
 Seidl, Reinhold Ferry in Lambach, Glau-»>acker
 und andere sich mehr zum Realismus bekennen;
än eigenes Gebiet hat sich Leo Adler mit seinen
Malereien aus der Industriewelt geschaffen.
In der Künstlervereinigung „März” ist Karl Hauk die
ührende Kraft, neben ihm der hervorragende Porträtnaler
 Professor Ikrath. Die Stärke dieser Künstlerzruppe
 liegt auf graphischem Gebiete (Radierung, Holzichnitt
 usw.). Hier sind die Namen Reidcel, Kobinger,
JlJofmann, Pausinger, Kofler, Stern, Fleischl
ınd andere hervorzuheben. Zu den größten Hoffnungen
>erechtigte der zu früh verstorbene Graphiker Klemens
3rosch. Auf die künstlerische Entwicklung des „März”
‘dem als Vertreter älterer Richtung auch Alfred Pö1l,
besonders stark in Malerei von Schnee und Wasser,
angehört) hat der aus Köln stammende. Maler Matthias
May den größten Finfluß ausgeübt. Im Kunstgewerbe
ind die blühende keramische Produktion des Landes
Sommerhuber in Steyr, Schleiß und Fabrik Pirnzruber
 in Gmunden), das Meisteratelier für Stahl-;chnitt
 in Steyr (Blümelhuber, Linzer-Domschlüssel)
ınd die moderne Glasmalerei Raukamp in Linz zu
1ennen.

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