Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl
losigkeit und der Wohnungsnot. Der „Ausbau der
Wasserkräfte” war schon ein Programmpunkt des
im Jahre 1919 gewählten Landtages. Nicht nur Arbeits-
gelegenheit sollte dadurch geschaffen, sondern auch
durch Verminderung der Kohleneinfuhr die Volks-
wirtschaft und Industrie gehoben werden. Das „Gesetz
zur Ausnützung der heimischen Wasserkrälte durch
das Land” vom 27. Jänner 1920 und im weiteren
dann die Gründung der S alzburger Aktiengesell-
schaft für Elektrizitätswirtschaft (Safe) und
derLungauer Elektrizitätsaktiengesellschafı
haben den ungeheuren Fortschritt auf diesem Gebiete
veranlaßt. Der Bau des Bärenwerkes an der Fuscher-
ache mit mehr als 10.000 PS und das Murfallwerk
ermöglichen, daß große Gebiete des Landes Salzburg
mit elektrischer Energie für Licht und Kraft versorgt
werden können, die bisher diese W. ohltat entbehren
mußten. In beiden Aktiengesellschaften besitzt ‚das
Land die Aktienmehrheit. Zu Ende 1918 bestanden
m Lande Salzburg zehn größere W asserkraftanlagen
nitjemindestens500 PS installierter Leistung, die zusam-
men eine Jahresmittelleistung von rund 26.000 PS, bzw.
sine installierte Leistung von 47.000 PS aufwiesen.
Ihr maximales jährliches Arbeitsvermögen betrug
153,500.000 kWh. Jetzt, zehn Jahre später, stehen
ınmittelbar vor der F ertigstellung 8 Anlagen mit rund
33.000 PS Jahresmittelleistung, deren maximales
Arbeitsvermögen 180,000.000 kWh beträgt. Teil
hatten an diesen Ausbauten die Industrie, die Bundes-
vahnen, die Stadtgemeinde Salzburg und die Landes-
regierung, letztere, wie erwähnt, durch die Beteiligung
an den Aktiengesellschaften.
Zu den wichtigsten Arbeiten des Landes gehörte
die Wiederherstellung der Straßen, für die
erst in den letzten Jahren große Aufwendungen zu
machen waren. Die 3535 km Bundes- und 414 km
Landesstraßen werden nun durch das Landesbauamt
einheitlich verwaltet, was naturgemäß eine große Ver-
einfachung gegenüber früher bedeutet. Im allgemeinen
mußte es sich zunächst um die F. ahrbahnentwässerung,
Verbreiterung, Umlegung steiler Strecken, die Um-
wandlung von Holzbrücken in Daueranlagen und die
Verbesserung der Straßen durch staubbindende
Beläge handeln. Von größeren Bauten sind zu
nennen: der Ausbau der Straße ins Glemmertal
von Maishofen nach Saalbach und die Erweiterung
der Landesstraßen St. Johann-Großarl, Salzburg-
Oberndorf und Golling-Abtenau-Annaberg-Rad-
stadt, wo besonders zwischen Abtenau und Annaberg
Steigungen von 27% zur Ausschaltung zu gelangen
ıaben. Die Auslagen für die Landesstraßen waren
400.000 Kronen im Jahre 1918 und sind von da
auf 1,370.000 Schilling im Jahre 1027 gestiegen.
Die bedeutendsten und großzügigsten Aktionen sind
der Bau einer Seilshwebebahn auf die Schmit-
;:enhöhe (1035 m) bei Zell am See, die 1927 in
3etrieb gesetzt wurde und schon im Sommer 1928
ne ungeahnte Frequenzziffer aufweisen konnte, und
der von Landeshauptmann Dr. Rehrl selbst angeregte
ınd in die Wege geleitete Bau einer Salzburger
Mittelgebirgsstraße im Gaisberggebiete, wo-
lurch der weltbekannte Aussichtspunkt von 1286 m
Töhe dem allgemeinen Verkehr erschlossen und auch
>»ne einzigartige Gelegenheit für Bergrennen geboten
werden wird. Gegenwärtig ist der erste Teil bis zur
Saisbergspitze selbst in einer Länge von O0 km und
5 bis 7 m Breite der Vollendung nahe, während die
Fortsetzung ins Wiestal einem späteren Zeitpunkte
vorbehalten ist.
Zur Behebung der Wohnungsnot hat das Land
eine Obligationsanleihe von 12 Millionen Schilling
begeben und den Erlös an 45 Gemeinden als Dar-
Landeshauptmann-Stellvertreter Michael Neureiter
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