Full text : 10 Jahre Wiederaufbau

‚umme von S 860.000‘— gerechnet werden konnte. Die
Ausführung der Arbeiten, welche sich auf durchschnittlich
10 Baustellen erstreckte, erfolgte auf Grund jährlicher Bauprogramme.
 In den letzten vier Jahren wurde auf die
Beschäftigung von Arbeitslosen unter Inanspruchnahme
der produktiven Arbeitslosenfürsorge besondere Rücksicht
 genommen.
Die landwirtschaftlichen Landeslehranstalten
in Tirol.
Durch den Friedensvertrag von St. Germain war dem
Land Tirol nur die einzige landwirtschaftliche Landeslehranstalt
 in Rotholz geblieben. Insbesondere der Bezirk
Osttirol hatte darunter zu leiden, da er vom übrigen
Mutterlande abgeschnitten war; €S wurde daher als
Aringendste Neugründung die Errichtung einer landwirtschaftlichen
 Lehranstalt für den Bezirk Lienz an erster
Stelle in Aussicht genommen, die bereits im Herbste
[919 eröffnet wurde. Auch die landwirtschaftliche Bevölcerung
 des Oberinntales und Ausferns hatte infolge der
sigenartigen vom Unterinntale, dem Standorte der
landwirtschaftlidchen Lehranstalt Rotholz verschiedenen
<Jimatischen und somit auch vielfach verschiedenen landwirtschaftlichen
 Verhältnisse nach einer eigenen landwirtschaftlichen
 Schule verlangt. Es kam zur Gründung der
landwirtschaftlichen Schule in Imst, die im Herbste 1920
nit einem Gutsbetrieb eröffnet wurde. Gleichzeitig wurde
‘Ende des Jahres 1920) wieder eine landwirtschaftlich
chemische Versuchs- und Untersuchungsstelle errichtet
ınd der landwirtschaftlichen Landeslehranstalt in Imst
angegliedert. Diese chemische Stelle wurde zu Beginn
des Jahres 1924 eröffnet.
In neuerer und neuester Zeit wurde auch dem
WMolkereiwesen erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet.
Die schon mit Kriegsausbruch bestandene Lehrsennerei
der landwirtschaftlichen Landeslehranstalt Rotholz wurde
vervollkommt und ausgebaut und in Verbindung mit den
landwirtschaftlichen Landeslehranstalten in Imst und Lienz
wurden neue Lehrsennereien errichtet. Ihre Eröffnung ist
n Kürze möglich. Diese Lehrsennereien sind mit den
nodernsten technischen Finrichtungen versehen und
Jlienen der Heranbildung eines in allen Zweigen der
Mildhverarbeitung geschulten und tüchtigen Molkereizersonales.
 .
Die Ausbildung der männlichen bäuerlichen Jugend
väre jedoch wohl nur ein halber Schritt auf dem Wege
les landwirtschafllichen Bildungswesens. Es muß mit ihr
notgedrungen auch die Ausbildung der weiblichen bäuerlichen
 Jugend Hand in Hand gehen, denn .der Bäuerin
n Tirol obliegt nicht nur die Hauswirtschaft als solche,
sondern auch die Geflügelhaltung sowie je nach Lage
und Kleinheit des Anwesens auch die Schweinehaltung,
die Jungviehaufzucht und sogar die Milchwirtschaft. Es
gelang nun zuerst der landwirtschaftlichen Landeslehranstalt
 in Imst und bald darauf auch der landwirtschaftlichen
 Landeslehranstalt in Rotholz eine landwirtschaftliche
 Haushaltungsschule anzugliedern. Für Osttirol sorgt
eine landwirtschaftliche Haushaltungsschule der Frauen
Dominikanerinnen in Lienz.
Es ist bekannt, daß in vielen Tälern Tirols für einen
Teil der in der Landwirtschaft tätigen Bevölkerung nur
über Sommer Beschäftigung und Arbeitsgelegenheit vor-‚anden

 ist. Dieser Teil der Bevölkerung ist daher ge-‚ötigt,
 über Winter von der Heimat fortzuziehen und
;s liegt für sie die Versuchung nahe, sich dauernd vom
andwirtschaftlidchen Berufe abzuwenden. Um dies zu verındern
 und dadurch der Landwirtschaft die Arbeitsräfte
 zu erhalten, anderseits aber auch um diesen
Personen selbst zu helfen, galt es für dieselben eine
antsprechende Verdienstmöglichkeit über Winter
zu finden. Fs wurde an der landwirtschaftlichen Landesehranstalt
 in Imst eine Schule für Handweberei einserichtet,
 um den Leuten eine entsprechende Heimarbeit
zu ermöglichen. Es finden Webstühle neuerer, leichter
3Zauart Verwendung und es wird den Schülern Arbeit
ınd Material vermittelt. So finden diese Personen auch
Aber den Winter ständig Frwerb.

Die Bundesstraßen Tirols.
Fine der wichtigsten Voraussetzungen für den Fremlenverkehr
 in Tirol ist natürlich der Ausbau der Straßen.
Nach dem Kriege stand die Bundesstraßenverwaltung
les Landes einem heruntergekommenen Straßennetze
s‚egenüber. Für eine Gesamtlänge von 696 km Straßen,
lie der Bundesstraßenverwaltung unterstellt sind, standen
1ur ein Steinbrecher, zwei leichte italienische Lastwagen
ınd zwei leichte Benzinwalzen zur Verfügung. Zunächst
nußte man daran denken, den Bestand an Straßenbaunaschinen
 wieder zu ergänzen und für die Sicherheit
les Verkehrs zu sorgen. Dermalen besitzt die Bundes-;traßenverwaltung
 bereits 7 Steinbrecher, 10 Lastautos
und 6 Straßenwalzen, hievon 3 schwere Dampfwalzen.
An größeren Sicherungsbauten wurden in den Jahren
1918-1920 Schutzbauten am Lech im Zuge der Tannseimerstraße,
 in den Jahren 1922 und 1925 Ver-‚auungen
 und Lehnensicherungen am Fernpaß an der
Zeuttenerstraße, ferner von 1922 bis 1928 fast allährlich
 Bauten an der Sanna zur Erhaltung der Arljergstraße,
 weiters in den Jahren 1927 und 1928
S3icherungsbauten an der Brennerstraße und endlich
m Jahre 1928 umfangreiche Bauten an der Drau zum
Schutze der Pustertalerstraße durchgeführt. Die
schnee- und Lawinengalerien im Zuge der Vintsch-‚auerstraße,
 die aus den Fünfzigerjahren des vorigen
“ahrhunderts stammen und sehr baufällig waren, be-'anden
 sich in den Jahren 1924-1028 in Rekonstruktion
ınd erforderten einen Betrag von rund S_300.000'—.
Jazu kommen noch die fast alljährlich infolge Elementarzatastrophen
 notwendigen ‚größeren Bauten, so daß z. B.
m Jahre 1927 allein für diesen Zweck S 152.000'—
sewidmet werden mußten. ;
Zur Sicherung des Verkehrs mußten ab 1918 in der
"olge zahlreiche alte und baufällige Holzbrücken re-‚onstruiert
 werden. Dies verursachte hohe Kosten, So
laß für die Beschotterung und Siraßenpflege in den
weten Jahren nach dem Kriege fast nichts übrig blieb.
line ganze Anzahl von Brücken wurden auch neu
zebaut, zuerst in Holz, vom Jahre 1922 an wurden
vieder Beton-, Fisenbeton- und Fisenbrücken gebaut.
Gegenüber dieser Tätigkeit auf dem Gebiete des
Brückenbaues trat der Straßenbau anfänglich ganz zu-‚ück.
 Außer der Fertigstellung einer mit Kriegsgefangenen
‚egonnenen Verbesserung‘. der Imst-Nassereitherstraße
m Jahre 1025 geschah auf diesem Gebiete zunächst so
            
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