Object : Mittheilungen aus der Geschäfts- und Sterblichkeits-Statistik der Lebensversicherungsbank für Deutschland zu Gotha für die fünfzig Jahre von 1829 - 1878

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V.  Theil.  Statistik  der  Sterbliclikeitsverhältnisse.

Die  Procentsätze  zeigen  bis  zum  50.  Lebensjahre  ein  fortwährendes ­
  Steigen  der  Sterblichkeit  mit  der  Versicherungsdauer, ­
  was  mit  den  erwähnten  englischen  Beobachtungen  sehr
gut  harmonirt;  denn  auch  für  diese  war  in  den  bezüglichen
Altersklassen  bis  zum  25.  Versicherungsjahre  mit  einer  einzigen
Ausnahme  ein  Rückgang  nicht  bemerklich.  Vom  51.  Lebensjahre ­
  ab  und  aufwärts  sind  die  Procentsätze  dagegen  vielfach
sehr  unregelmäsig,  am  unregelmäsigsten  in  der  Col.  51  —60,
wo  ein  vierfaches  Steigen  und  ein  dreimaliges  Fallen  erkenntlich ­
  ist.  Dass  diese  anscheinend  gesetzlosen  Sprünge,  welche
sich  in  den  englischen  Beobachtungen  nur  sehr  vereinzelt
finden,  ganz  und  gar  zufällig  sind,  ist  kaum  anzunehmen  ;
denn  sie  treffen  zum  grössten  Tlieile  gerade  diejenigen  Gruppen,
welche  am  stärksten  besetzt  sind  ;  ebenso  würde  es  aber
schwer  sein,  dieselben  durch  solche  einfache  Hypothesen  zu
erklären,  wie  die  bisher  besprochenen.  Es  bestätigen  die  Ergebnisse ­
  der  gegenwärtigen  Uebersicht  daher  die  schon  ausgesprochene ­
  Vermuthung,  dass  bei  der  Sterblichkeit  nach  der
Versicherungsdauer  Ursachen  mit  wirk  en,  deren  Natur  zu  erforschen ­
  eine  eben  so  interessante  als  schwierige  Aufgabe  der
technischen  Statistik  bleibt.

IX.  Kapitel.
Die  Sterblichkeit  nach  Todesursachen
und  Versicherungsdauer.
Scheidet  man  aus  den  in  Tabelle  XVI  (der  dritten  Abtheilung) ­
  für  die  einzelnen  Todesursachen  und  Versicherungsjahre ­
  gegebenen  Zahlen  der  Gestorbenen  diejenigen  Fälle  aus,
welche  sich  nach  dem  Prämientermin  1878  ereigneten  und  aus
den  in  der  Tabelle  XX  (in  der  letzten  Horizontallinie)  gegebenen
Summen  der  Lebenden  unter  Risico  verschiedener  Versicherungsperioden ­
  diejenigen  Fälle,  welche  durch  die  nachträgliche  Beobachtung ­
  der  nach  dem  85.  Lebensjahr  ausgeschiedenen
Personen  gewonnen  wurden,  so  erhält  man  offenbar  Daten,
welche  genau  derselben  Beobachtungssphäre,  sowohl  der  Zeit
als  dem  Umfange  nach,  angehören  und  aus  denen  sich  die
Sterblichkeit  nach  Todesursachen  und  Versicherungsdauer,  aber
ohne  Berücksichtigung  des  Alters,  direct  ermitteln  lässt.  Die
folgende  Tabelle  giebt  die  auf  diese  Weise  erlangten  Resultate,
in  der  Col.  (a)  sind  die  »r  educir  ten  «  Zahlen  der  Lebenden
unter  Risico,  in  der  Gol.  (1)  bis  (23)  die  »reducirten«  und
nach  den  grösseren  Versicherungsperioden  entsprechend  zusammengefassten ­
  Zahlen  der  Sterbefälle,  sowie  die  Promillesätze ­
  dieser  Zahlen  von  den  Zahlen  der  Col.  (a),  in  der  Col.
(b)  endlich  die  Gesammtzahlen  der  Gestorbenen  und  die  zugehörigen ­
  Promillesätze  eingestellt.
(Tab.  i  siebe  Seite  85.)
Die  Resultate  der  vorstehenden  Tabelle  sind  insofern  nicht
ohne  Werth,  als  sie  uns  zeigen,  innerhalb  welcher  Grenzen
sich  das  absolute  Sterblichkeitsmaas  der  einzelnen  Todesursachen
in  den  verschiedenen  Versicherungsperioden  bewegt  hat;  dagegen ­
  können  sie  über  den  eigentlichen  Zusammenhang  der
Versicherungsdauer  mit  der  Häufigkeit  der  Todesursachen  nur
einen  unvollkommenen  Aufschluss  geben,  weil  innerhalb  der
einzelnen  Versicherungsperioden  die  Lebenden  unter  Risico  sich
in  sehr  verschiedener  Weise  über  die  einzelnen  Alter  vertheilen
—  die  Lebenden  verschieben  sich  mit  der  wachsenden  Versicherungsdauer ­
  immer  mehr  auf  die  höheren  Alter,  —  die
Häufigkeit  der  Todesursachen  aber  mit  dem  Alter  selbst,  wie
wir  aus  dem  Kapitel  VI  gesehen  haben,  stark  variirt.  Eine
Ausnahme  bilden  nur  die  jüngsten  Versicherungsjahre  1  und
2  bis  3  und  allenfalls  noch  4  bis  6,  in  denen  die  Vertlieilung

annähernd  dieselbe  sein  muss  und  für  welche  deshalb,  wo  es
sich  um  grössere  Differenzen  in  den  Promillesätzen  handelt,
ein  director  Vergleich  zulässig  ist.  Beispielsweise  ersieht  man
aus  der  vorstehenden  Tabelle  sehr  deutlich,  dass,  unabhängig
von  den  durch  das  wachsende  Alter  bedingten  Veränderungen,
die  Sterblichkeit  in  Folge  von  Lungenschwindsucht  und  den
meisten  übrigen  chronischen  Krankheiten  in  den  ersten  6  Jahren
rapid  gestiegen  sein  muss,  während  diejenige  in  Folge  von
Infectionskrankheiten  (2)  und  (3),  Gehirnentzündungen  (9),
Lungenschlagfluss  (19)  und  Selbstmord  (21)  innerhalb  derselben
Versicherungsperioden  von  der  Versicherungsdauer  nur  wenig
I  beeinflusst  wurden.
Um  die  Sterblichkeit  nach  der  Versicherungsdauer  genauer
zu  erforschen,  wurde  hier  eine  Methode  angewendet,  welche
ebenso  wie  die  Sprague’sche  darauf  hinausläuft,  dass  für  die
verschiedenen  Versicherungsperioden  (und  Todesursachen)  die
wirklichen  Sterbefälle  mit  »rechnungsmäsigen«  verglichen  werden,
sich  von  der  letzteren  aber  dadurch  unterscheidet,  dass  zur
Berechnung  der  wahrscheinlichen  Sterbefälle  nicht  die  Resultate
einer  fremden  oder  aus  demselben  Beobachtungsgebiet  stammenden ­
  fertigen  Liste,  sondern  diejenigen  Sterblichkeitsverhältnisse
benutzt  werden,  welche  man  aus  dem  eigenen  Beobachtungsmaterial ­
  durch  einfache  Gruppirung  nach  grösseren  Altersklassen
(und  Todesursachen)  erhält.
Der  Gang  der  Rechnung  war  folgender  :  Zunächst  wurden
die  beiden  nachstehenden  Tabellen  entworfen,  deren  Construction ­
  mit  Rücksicht  auf  die  in  Kapitel  VI  gegebenen  Tafeln  und
Erläuterungen  leicht  verständlich  sein  wird.  Tabelle  2  enthält ­
  in  den  Gol.  (  3  )  bis  (  5  )  die  Sterblichkeitspromillesätze
j  nach  3jährigen  Altersklassen  und  für  grössere  Gruppen  von
Todesursachen  (die  »Infectionskrankheiten«  umfassen  die  Todesursachen ­
  i,  2  und  3,  die  »Entzündlichen  Krankheiten«  11
und  14,  die  »Chronischen  Krankheiten«  10,  12,  13  und  15),
in  der  Gol.  (8)  die  allgemeine  Sterblichkeit,  wie  sie  sich
durch  Zusammenfassung  der  Resultate  der  vorhergehenden
Spalten  ergiebt,  in  der  Gol.  (9)  die  allgemeine  Sterblichkeit, ­
  wie  sie  sich  —  unter  Ausscheidung  der  nach  dem  85.
Lebensjahre  Abgegangenen  —  nach  Tabelle  XXX  berechnet,
und  in  Gol.  (  10)  die  zugehörigen  Durchschnittsalter  der
Lebenden  unter  Risico.  Tabelle  3  dagegen  ist  —  ebenfalls
unter  Ausschliessung  der  erwähnten  Abgegangenen  —  ausschliesslich ­
  aus  Tabelle  XXX  hervorgegangen  ;  die  fettgedruckten
Zahlen  geben  die  Lebenden  unter  Risico  für  die  bezüglichen
I  Versicherungsperioden  und  5jährige  Altersklassen  an,  die  anderen,
darüber  stehenden  Zahlen  die  zugehörigen  Durchschnittsalter
dieser  Lebenden.
(Tab.  2  siehe  Seite  85.)
Wäre  die  Vertheilung  der  Lebenden  unter  Risico  für  jede
I  derselben  Altersklasse  angehörende  Versicherungsperiode  genau
die  nämliche,  oder  wären,  wie  man  sich  mit  annähernder  Genauigkeit ­
  auch  ausdrücken  darf,  die  Durchschnittsalter  der
Tabelle  3  in  horizontaler  Linie  s'.ets  einander  gleich  —  die
Durchschnittsalter  in  der  letzten  Spalte  stimmen  gleichzeitig
auch  mit  derjenigen  der  Tabelle  2  überein  —  so  hätte  man
aus  den  vorstehenden  Tabellen  offenbar  schon  direct  die  wahrscheinliche ­
  Zahl  der  Sterbefälle  für  die  verschiedenen  hier  berücksichtigten ­
  Todesursachen  und  Versicherungsperioden  ermitteln ­
  können;  denn  unter  der  wahrscheinlichen  Zahl  der  Sterbefälle ­
  haben  wir  gegenwärtig  keine  andere  zu  verstehen,  als
diejenige,  welche  sich  ergeben  würde,  wenn  die  in  den  ver-:
  schiedenen  Altersklassen  unter  Zusammenfassung  aller  Versicherungsjahre ­
  beobachtete  Sterblichkeit  auch  in  den  einzelnen
Versicherungsperioden  zugetroffen  hätte,  und  diese  wahrscheinliche ­
  Zahl  bestimmt  sich  bei  gleichen  Altersverhältnissen  durch
            
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