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verbilligen, und man vermag nun zu berechnen, ob diese Verbilligung so groß
ist, daß sie die Ausgaben, die der Bau und der Betrieb der neuen Linie er-
fordert, übersteigt. Das kann nur in Geld berechnet werden. Durch die
Gegenüberstellung von verschiedenartigen Naturalausgaben und Natural-
srsparungen vermag man hier nicht zum Ziele zu kommen. Wenn man
xeine Möglichkeit hat, Arbeitsstunden verschiedener qualifizierter Arbeit,
Eisen, Kohle, Baumaterial jeder Art, Maschinen und andere Dinge, die der
Bau und der Betrieb von Eisenbahnen erfordern, auf einen gemeinsamen
Ausdruck zu bringen, dann kann man die Rechnung nicht durchführen.
Die wirtschaftliche Trassierung ist nur möglich, wenn man alle in Betracht
kommenden Güter auf Geld zurückzuführen vermag. Gewiß, dis Geld-
rechnung hat ihre Unvollkommenheıiten und ihre schweren Män-
gel, aber wir haben eben nichts Besseres an ihre Stelle
zu setzen; für die praktischen Zwecke des Lebens reicht die Geldrechnung
eines gesunden Geldwesens immerhin aus. Verzichten wir auf sie, dann wird
jeder Wirtschaftskalkül schlechthin unmöglich. Die sozialistische Gemein-
schaft wird sich freilich zu helfen wissen. Sie wird ein Machtwort sprechen
ınd sich für oder gegen den geplanten Bau entscheiden. Doch diese Ent-
;cheidung wird bestentalls auf Grund vager Schätzungen erfolgen;
aicmals wird sie auf der Grundlage eines genauen Wertkalküls
aufgebaut sein‘ (Wirtschaftsrchg., S. 102/103). Die Ausführungen zeigen
reffend den Mangel der Neurath schen Vorschläge. Andererseits über-
‚reibt Mises die Sicherheit des privatkapitalistischen Wertkalküls. Die
Indexzitfern und privatwirtschaftlichen Statistiken, auf denen heut zumeist
lie Wirtschaftsrechnung der Einzelwirte beruht (und zwar des Privatmannes
5;o gut wie des Staates), geben vicllach auch nur „vage Schätzungen“
wieder, wofern sie nicht sogar die tatsächlichen Verhältnisse verschleiern
sollen. Trotzdem kann man daraus nicht etwa wieder rückschließend
lie Überlegenheit des Neurathschen Planes entnehmen, weil die
Mängel der kapitalistischen Wertrechnung nicht wie bei Neurath
technischer Natur sind, sondern als „ein organischer Fehler des jetzigen
Produktions- und Verteilungs-Rechtes‘““ (Schäffle) erklärt werden
können, Nicht aus der Eigenart des Geldes als Wertausdrucksmittel
tolgen sie, sondern aus dem privatkapitalistischen Mißbrauch seiner Um-
tauschmittelfunktion.
3. Die Hauptbedeutung der Naturalwirtschaft
liegt in der Beseitigung der Geldrechnung der
Einzelwirte und des Einflusses nur formaler
Kaufkraft auf die gesellschaftliche Wertfest-
setzung. Geld- und Verkehrswirtschaft auf der einen, geldlose
und Verwaltungswirtschaft auf der anderen Seite erwiesen sich
als grundsätzliche Gegensätze; ganze Gruppen von Reformvor-
schlägen mußten wegen prinzipieller Vermengung der beiden
Typen als widersinnig verworfen werden (Arbeitsgeld und Freigeld,
oben 6. und 8, Kap.). Lehnt man nun auch die Neurathsche
Großnaturalwirtschaft mangels einer einheitlichen gesellschaftlichen