Full text: Revolution und Konterrevolution in China

quartier (Anfang April) die Frage sehr ernst beraten wurde, der Konter- 
revolution eine territoriale Basis weiter ab von den Arbeiterzentren zu 
schaffen. Tschangkaischek bereitet sich für den Fall eines Rückzuges eine 
soiche Basis vor. Nach den Methoden, die gegenwärtig von Tschangkaischek 
selbst und seinen Generalen im Norden angewandt werden und nach den 
Vorgängen in der Kuomintang zu urteilen, war der Plan in allen Einzelheiten 
ausgearbeitet, Während in Kwangtung die revolutionären Gewerkschaften 
teorganisiert werden, wird von Tschangkaischek in Schanghai in derselben 
Weise „reorganisiert‘‘, seine „Reorganisation hat als Begleiterscheinung 
Massenmorde, jeder, der nicht „reorganisiert sein will, wird ermordet, Die 
chinesische Konterrevolution trägt also offensichtlich kemalistisch-faschi- 
stische Züge, von denen noch an anderer Stelle die Rede sein soll. Eben- 
‘alls steht fest: die Repressalien gegen die Arbeiter- und Bauernorgani- 
sationen. werden noch verschärft werden, wobei man natürlich die Ordnung, 
das Gesetz und die Verteidigung der Revolution vorschützen wird, In dieser 
Beziehung hatte ich eine bemerkenswerte Unterredung mit General Litisin, 
dem militärischen Diktator der Provinz Kwangtung, Nachdem ich auf seine 
Frage — mit wem die Einberufung der Pazifik-Konferenz nach Kanton ver- 
einbart wäre — geantwortet hatte, sie wäre 1924 mit dem verstorbenen Sun- 
jatsen vereinbart, fragte ich ihn, wie sich seine Erklärung, er halte zur Welt- 
revolution, mit den Verhaftungen und den Ueberfällen auf die linken Arbeiter- 
organisationen vereinbaren läßt, General Litisin erwiderte mir: Kommu- 
nismus und Sunjatsenismus widersprechen einander nicht. Sicherlich sind 
in den anderen Ländern die Kommunisten ein revolutionärer Faktor, die 
chinesische KP dagegen wünscht nicht den Verhältnissen und der eigen- 
artigen Situation in China Rechnung zu tragen, sie spielt daher eine reaktio- 
näre Rolle. Die Maßnahmen — uhr er fort — die hier getroffen sind, 
richten sich nicht gegen die gewerkschaftlichen Organisationen, sondern 
gegen einige Elemente, die an der Spitze dieser Organisationen stehen, gegen 
die Gegner der Regierung. Es wäre überhaupt besser — sagte Litisin — wenn 
nicht die Chinesische KP, sondern die Kuomintang der Kommunistischen 
Internationale angehören würde, dann würden die Wechselbeziehungen viel 
xlärer sein. — Ich riet dem General Litisin aufmerksam zu verfolgen, wie 
sich die imperialistische Presse in Honkong und Schanghai zu den Ereig- 
aissen in Kwangtung äußern wird, und mir dann zu sagen, ob diese Ereignisse 
der Weltrevolution oder der Weltreaktion zum Vorteil gereicht hätten. 
Augenblicklich hat die Reaktion gesiegt, Der Sieg wird gefeiert durch 
Manifeste „an das Volk“, Verbreitung von Aufrufen durch Automobile, die 
die ganze Stadt durcheiien, Banketts usw. Die Kommunistische Partei hat 
sich noch vor dem Umsturz in die Illiegalität zurückgezogen, die Führer der 
‚evolutionären Verbände sind geflohen, die Verbandsräume sind von Be- 
waffneten besetzt, über der Stadt weht die entweihte konterrevolutionäre 
Fahne der Kuomintang, Was tun aber die Kommunistische Partei und die 
revolutionären Gewerkschaften? Ueber die Kräfte und Pläne der Revolutiog 
ein anderes Mal. 
Kanton, den 19, April 1927,
	        
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