Kap. II.
Das wahre Heilmittel.
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wir haben diesen Schluß durch eine Untersuchung erreicht, in
der jeder Schritt bewiesen und sichergestellt wurde. In der Rette der
Beweisführung fehlt kein Glied und ist kein Glied hinfällig. Deduktion
und Induktion haben uns zu derselben Wahrheit geführt, daß der un
gleiche Besitz von Grund und Boden die ungleiche Verteilung der Güter
notwendig macht. Und da nach der Natur der Dinge ungleicher Grund
besitz von der Anerkennung des individuellen Grundbesitzes unzertrenn
lich ist, so folgt notwendig, daß das einzige Heilmittel für die ungerechte
Güterverteilung darin liegt, das Land zum Gemeingut zu machen.
Allein dies ist eine Wahrheit, die in dem gegenwärtigen Zustand
der Gesellschaft den bittersten Antagonismus erregen wird und ihren
weg Zoll für Zoll erkämpfen muß. Ls wird daher nötig sein, den Ein
würfen derjenigen zu begegnen, welche, wenn sie auch die Wahrheit
selbst zugeben müssen, dennoch erklären werden, daß sie praktisch unaus
führbar fei.
Tun wir dies, so werden wir unsere bisherige Beweisführung
einer neuen, und zwar einer Feuerprobe unterwerfen. Lbenfo wie
man die Addition durch die Subtraktion, und die Multiplikation durch
die Division prüft, fo können wir durch die Erprobung der Zulänglich-
keit des Heilmittels auch die Richtigkeit unserer Schlüsse betreffs der
Ursache des Übels erproben.
Die Gesetze des Weltalls sind harmonisch. Und wenn das Heil-
mittel, auf das wir geleitet wurden, das wahre ist, so muß es sich mit
der Gerechtigkeit vertragen; es muß der Ausführung fähig fein; es muß
mit den Tendenzen der sozialen Entwicklung übereinstimmen und mit
anderen Reformen im Einklang stehen.
Alles dies gedenke ich zu beweisen. Ich beabsichtige allen praktischen
Einwendungen, die erhoben werden könnten, zu begegnen und zu zeigen,
daß diese einfache Maßregel nicht bloß leicht einzuführen, sondern daß
sie ein ausreichendes Heilmittel für alle Übel ist, welche in dem Maße,
wie der moderne Fortschritt vorangeht, aus der immer größeren Un
gleichheit der Güterverteilung entstehen — daß sie die Gleichheit an die
5telle der Ungleichheit, den Überfluß an die des Mangels, die Gerechtig
keit an die der Ungerechtigkeit, die soziale Rraft an die der Schwäche
setzen und den weg zu noch größeren und noch edleren Fortschritten
der Zivilisation öffnen wird.
Auf diese Art gedenke ich zu zeigen, daß die Gesetze des Weltalls
nicht die natürlichen Regungen des menschlichen Herzens verleugnen;
daß der Fortschritt der Gesellschaft auf Gleichheit gerichtet sein kann,
und wenn er dauern soll, darauf gerichtet sein muß, und daß die ökono
mischen Harmonien die von dem Kaiserlichen Stoiker begriffene Wahrheit
beweisen:
wir sind zum Zusammenwirken geschaffen, wie
die Füße, die Hände, die Augenlider, die Reihen
der oberen und der unteren Zähne.