PRAKTISCHE BEISPIELE FÜR PREISAUSSCHREIBEN UND WETTBEWERBE 331
bis in die jüngste Zeit, um Auskunft über die Bedingungen und
die Ergebnisse jenes Wettbewerbes gebeten wurde.
Weder der Kurdirektion, noch dem Gemeinderat, noch dem
Fremdenverkehrsverein standen eigene gute Originale, das
heißt photographische Platten und Abzüge, für die Wiedergabe
in Werbeschriften, in Zeitschriften und Zeitungen zur Ver-
fügung. Bei jedem Bedarf war ich auf die Gnade und den guten
Willen der ortsansässigen Lichtbildner angewiesen. Auf dem
Gebiete der Reklame und Propaganda sind „ungefesselte“
Hände für den Werbeleiter jedoch oberster Leitsatz. Sonst kann
er keine wirklich erfolgreiche Arbeit leisten. Der Lichtbilder-
Wettbewerb sollte dem Kurort also gute Originalaufnahmen
liefern, über welche die Kurdirektion frei verfügen könnte.
Daß unter diesen neuen Aufnahmen sich auch solche befinden
würden, die der schon oft photographierten Landschaft reiz-
volle neue Seiten abgewinnen würden, bezweifelte ich keinen
Augenblick. Das Ergebnis hat mir Recht gegeben. Die Betei-
ligung an dem Lichtbilder-Wettbewerb war erfreulich rege,
obwohl das Ausschreiben in die Hochsaison fiel. Es brachte,
neben dem unvermeidlichen Kitsch wohl photographier-
freudiger aber blutiger Dilettanten, auch eine Anzahl aparter
und wirkungsvoller Lichtbilderaufnahmen, die eine wertvolle
Grundlage für die Propaganda sein können.
Das ist die eine gute Seite eines Lichtbilder-Wettbewerbes.
Es regt zu neuen Schöpfungen an und liefert manches Brauch-
bare für die so wichtige Propaganda. Nun komme ich zur
anderen guten Seite. Es gibt vielseitige Verwendungsmöglich-
keiten für die preisgekrönten Bilder. Man kann sie in Führern,
Prospekten, auf Empfehlungskarten, Briefbogen usw. ver-
wenden, und zwar mit dem Hinweis: „Preisgekrönt‘, was den
Bildern ein besonderes Ansehen verleiht und beim Beschauer
ein tieferes Interesse weckt. Man kann Postkarten davon her-
stellen lassen und diese für vielseitige Reklamezwecke ver-
wenden. Eine Anzahl guter illustrierter Zeitschriften hatte mir
noch vor Austragung des Wettbewerbes ihre Zusage gegeben,
einige der preisgekrönten Bilder mit entsprechendem Begleit-
text zu reproduzieren. Also eine kostenlose Reklame allerersten
Ranges. Die Kunde von dem Wettbewerb war von zahlreichen
Tageszeitungen und periodischen Zeitschriften veröffentlicht
worden, die ja immer zur Mithilfe bereit sind, wenn es sich um
eine ernste Angelegenheit von wirklich künstlerischem Interesse