DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
60. DER SPRECHBRIEF
Dieses Kapitel könnte in vier eindrucksvolle Worte zusam
mengefaßt werden:
„Schreibe, wie du sprichst!“
Das heißt: schreibe natürlich. Da aber in der Korrespondenz
des Hotel- und Gastgewerbes das Natürliche nicht immer selbst-
verständlich ist, so brauchen die vier Worte eine Erläuterung:
Habe ich doch oft genug Briefe aus Hotelbureaus, namentlich
Werbebriefe, in der Hand gehabt, worin das berüchtigte
schwülstige und unnatürliche Kaufmannsdeutsch noch über-
troffen wurde. Überflüssige, lächerlich klingende Redensarten:
die kein Mensch in der Rede anwendet, kehren immer wieder.
Ich will es durch ein drastisches Beispiel anschaulicher zw
machen suchen. Der Hotelier stelle sich vor: Der Reisende einer
Lieferantenfirma, die zur Offerte in irgendeinem Artikel auf-
gefordert wurde, kommt ins Hotelbureau und überfällt den
Hotelier oder Direktor mit folgender Begrüßungsansprache im
gerügten kaufmannsdeutschen Briefstil:
„Höflichst bezugnehmend auf Ihre geschätzte Anfrage vom
20. Oktober, welche wir hiemit bestens dankend bestätigen;
beehre ich mich, Ihnen ergebenst mitzuteilen, daß wir in der
angenehmen Lage sind, Ihnen die denkbar günstigsten An-
gebote auf den angefragten Artikel zu erstellen, Unsere Ware
ist von wunerreichter Güte, allen Wettbewerbserzeugnisser
weit überlegen, und sind wir in diesem Belange besonders
leistungsfähig; auch haben wir für Sie nur die besten Quali-
täten im Auge, Wenn Sie die Freundlichkeit hätten, uns mit
Ihrem geschätzten Auftrag zu beehren, so sichern wir IhneP
im vornherein streng reelle Bedienung und gewissenhafteste
Effektuierung zu. Wir werden uns besonders freuen, Ihren
geschätzten Auftrag zu erhalten.“