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gleiche Diskonthöhe aufweisen. Gerade in kriti
schen Zeiten kann die Isolierung der Geldmärkte
eine recht erhebliche sein. Ich erinnere nur an
die bereits angeführten Kündigungen der Wechsel
pensionen seitens der Franzosen während der
Marokkokrise in Deutschland und Oesterreich-
Ungarn. Die Zurückziehung dieser internationalen,
kurzfristigen Kredite erfolgte sehr plötzlich und
löste unangenehme Nebenwirkungen in den
beiden Staaten aus.
Aber nicht nur das Ausland kündigt, weil
es Mißtrauen hat, oder politisch verstimmt ist,
auch die Inländer sind vielfach in Sorge. Selbst
wenn sie dem eigenen Staate ganz wohlgesinnt
sind, wollen sie doch vor allen Eventualitäten
sichergestellt sein und legen ihre Gelder vielleicht
in der Schweiz an. Während der Balkankrise
nahmen die Depositen der Schweizer Banken
rasch zu. Aus Gesprächen mit Personen, die ihre
Gelder ins Ausland bringen wollten, konnte ich
nur entnehmen, daß es sich dabei oft um recht
phantastische Vorstellungen von den Wirkungen
eines Weltkrieges auf Oesterreich-Ungarn handelte.
Daß freilich durch einen Krieg die Gelder gefährdet
werden können, ist nicht zu leugnen, aber daß
die Zurückziehung größerer Guthaben und ihre
Dislozierung im Auslande unbedingt schädlich auf
die Gesamtheit wirkt, ist sicher. Der Patriotismus
ist bei Geldsachen nur sehr unzureichend ent
wickelt, insbesondere in den breiten Kreisen des
Publikums.
Die angedeuteten Zurückziehungen von
Geldern sind nicht eine Folge eines bestimmten
Geldbedarfes, sondern nur die Folge der Politik
oder des Mißtrauens. In Zeiten kriegerischer Ver
wicklungen tritt aber auch ein effektiver Geld
bedarf ein. Das Ausland, welches rüstet, sucht
Gelder herbeizuziehen. Dies kann indirekt eine
schwere Schädigung von Handel und Industrie
bei uns bedeuten. Ein Land wie Frankreich kann
seine Produktion ziemlich schonen, weil e§ als
Gläubiger von ganz Europa zunächst die sonsti
gen Reserven anzutasten vermag. Die großen
Banken haben im ganzen die Neigung, die In
dustrie, mit der sie näher verbunden sind, zu
berücksichtigen. Dies erklärt wohl auch die von
vielen Seiten behauptete Tatsache, daß 1912 und 1913
die Banken Westösterreichs mit der Kündigung
der Kredite in Galizien und in der Bukowina
rascher vorgingen als in Böhmen oder Nieder
österreich. Die Banken standen letzteren Gebieten
eben näher als ersteren.
Aber auch ohne daß die Banken so planvoll
vorgehen, kann die Zurückziehung der Gelder
ziemlich automatisch erfolgen, wenn die Zinsfuß
differenz sich gegen früher geändert hat. Wenn
in einem Lande der Zinsfuß 3, in einem anderen
dagegen 6°/ 0 beträgt, so werden die Banken des
zuerst genannten Landes ihr Geld gern in dem
Lande anlegen, in welchem der Zinsfuß 6°/ 0 ist.
Wenn nun im Falle einer politischen Krise der
Zinsfuß von 3% auf 5*/a steigt, der von 6 auf 7,
dann wird möglicherweise ein Anreiz zur Zurück
ziehung der Gelder gegeben erscheinen. Denn
wenn auch noch immer eine Differenz besteht,
so ist sie doch möglicherweise zu klein, um das
erhöhte Risiko zu tragen, von anderen Momenten
ganz abgesehen.
Wenn die angedeuteten Vorgänge überall
einsetzen, so kündigen die verschiedenen Länder
einander ihre Kredite, das gleiche tun die Staats
bürger untereinander. Statt daß die Staatsbürger
in so schweren Zeiten einander helfen und för
dern, lähmen und schädigen sie einander oft aufs
empfindlichste. Man zwingt die Gesamtheit zu
einer Art Liquidation, die in ruhigen Zeiten nicht
glatt durchführbar ist, geschweige denn in Kriegs
zeiten. Was ist die Folge davon, daß man z. B.
in einer Sparkasse Gelder behebt? Sie gibt zu
nächst Geld aus ihren Kassen ab, dann leiht sie
sich Geld bei der österreichisch-ungarischen Bank
aus, möglicherweise gegen Hinterlegung von
Staatspapieren; genügt das auch nicht, so muß
sie daran gehen, Kredite zu kündigen, die sie
selbst gewährt hat, mindestens aber wird sie
keine neuen Kredite gewähren, was 1912 und
1913 allenthalben zu beobachten war. In Frie
denszeiten sind die Schuldner nicht immer
in der Lage, Annuitäten und Zinsen gleich zu
zahlen, geschweige denn in Kriegszeiten. Da nun
die Sparkassen wichtige soziale Aufgaben als
Geldgeber zu erfüllen haben und eigentlich ihre
Schuldner nicht bedrücken sollen, werden sie
durch die Kündigungen in die peinlichste Lage
versetzt.
Die Gesamtheit des Publikums kündigt
auf Umwegen eigentlich sich selbst die Kredite.
Die Geldgeber und die Geldnehmer sind zwar
nicht dieselben Personen, aber sie gehören der
gleichen Gemeinschaft an. Indirekt bekommen
es alle zu spüren. Es würden vielleicht manche
glauben, daß eben auf dem Gebiete des Geld
wesens die Menschen notwendigerweise eine
zügellose Rotte sein müssen und man nichts
dagegen tun kann. Dies gilt nun nicht so unbe
dingt. Es ist zwar sicher, daß in Geldsachen bei
den meisten leider die Gemütlichkeit aufhört,
aber Ausnahmen kommen vor. So hatte ich bei
meinen Reisen in Bosnien Gelegenheit, zu er
fahren, daß in den Kassen der deutschen Kolo
nisten während des Krieges die Einlagen zuge
nommen haben, u. zw. infolge einer dringenden
Aufforderung der Leitung, die darauf hinwies, daß
eine Kündigung der Gelder die Kassen zwinge,
arbeitsamen Landwirten die zum landwirtschaft
lichen Betriebe nötigen Gelder zu entziehen. Wer
Geld einlege, fördere damit die Landwirtschaft
der eigenen Nation, wer Geld behebe, schädige
sie. Daß dieser Appell bei den auf einer hohen
Stufe stehenden Kolonisten Bosniens wirkte, be
greift man leicht. Aber auch in Galizien gelang es
vielen Raiffeisenkassen-Vorständen, beruhigend zu
wirken.
Wir sehen aus diesen wenigen Andeutungen,
daß die Beruhigung der Einleger dort am leich