Full text: Wirtschaftlichkeitslehre

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geschaltet werden können, da er nun einmal mit den Fehlern der 
menschlichen Natur zusammenhängt. Aber eine Reihe von rationellen 
Verbesserungen sind gleichwohl durchführbar und notwendig. 
Eine dieser Reformen ist die Verringerung der Kosten dieses 
Betriebes, d. h. der Zahl der Abgeordneten und Regierungsmänner 
namentlich in Ländern mit bundesstaatlicher Verfassung (s. oben). 
In Deutschland gibt es insgesamt 2500 Abgeordnete (in Reich und 
Ländern) und 60 Regierungsmänner; in Österreich etwa 770 Ab- 
zeordnete und 40 Regierungsmänner; Frankreich dagegen zählt nur 
15 Minister und 600 Deputierte und Senatoren; England 16 Minister 
und 950 Mitglieder beider Häuser. Von den 770 Volksbeauftragten 
in Österreich könnte ohne weiteres die Hälfte abgebaut werden. Nun 
sagt man, die Kosten der Parlamente (und Regierungen) seien im Ver- 
hältnisse zu den Gesamtausgaben ja nicht große; aber dazu kommen 
vielfach verschleierte Kosten, namentlich in den Ländern (Wohnung, 
Licht, Beheizung, Nebengebühren, Kraftwagen u. a.). Durch die Verein- 
lachung derverfassungsmäßigen Einrichtungen und der Verwaltung (ein- 
schließlich der autonomen Verwaltung) könnten leicht jene Millionen er- 
spart werden, die für produktive und wichtigere Zwecke So oft fehlen. 
Gegen die oft beklagte Vernachlässigung wirtschaftlicher 
Fragen durch die Parlamente, gegen die Vorherrschaft der 
Politik vor der Wirtschaft sind verschiedene Abwehrmittel vorge- 
schlagen worden. Falsch, also irrationell wäre es, hier mit irgend 
einer neuen, einer »wirtschaftlichen« Partei oder einem eigenem 
»Wirtschaftsparlament« vorgehen zu wollen; das wäre unpolitische 
Politik oder die Quadratur des Zirkels. Wohl aber hat sich in 
Frankreich, insbesondere aber in Deutschland eine Einrichtung 
bewährt, die »Wirtschaftsrat« heißt. Er umfaßt Vertreter aller 
wichtigeren Berufe (gewählt von den Spitzenverbänden) in nicht zu 
großer Zahl, darunter Unternehmer und Arbeitnehmer paritätisch. 
Alle wirtschaftlich (sozial, finanziell) wichtigen Gesetzentwürfe sind 
ihm vor ihrer Einbringung im Reichstage vorzulegen, er kann aber 
auch selbst solche Gesetze beantragen und darf seine Beschlüsse 
im Reichstage vertreten. Industrielle und Gewerkschaftler bestätigen, 
daß der Wirtschaftsrat sehr günstig gewirkt habe, sehr viel zur 
Milderung der Gegensätze beitragen, weil in ihm nicht mit 
Schlagworten, sondern sachlich, nicht mit Fäusten, Schimpf- 
worten, Verdächtigungen, Tintenfässern, Pultdeckeln u. dgl., sondern 
mit Argumenten debattiert werden muß. Diese Einrichtung ist
	        
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