V 0) R W OO R T
Schon seit geraumer Zeit mit dem Studium der Grenzgebiete
zwischen den konkreten, in Zahlen faßbaren Verhältnissen und
den hinter ihnen liegenden Kausalitäten und deren Analyse
beschäftigt, schien es mir der Mühe wert zu sein, die auf dem
Gebiete der Wissenschaft und des angewandten Lebens in den
Ländern meiner akademischen Lehrtätigkeit gemachten wissen-
schaftlichen Untersuchungen und menschlichen Erfahrungen
einmal auf einem Spezialgebiete zu sammeln und zu sichten.
Das ist hier für Begriff und Wesen der Moralstatistik, insoweit
diese sich auf das Geschlechtsleben bezieht, geschehen. Nach
einer vorläufigen, teilweisen Veröffentlichung der Ergebnisse
dieser Studien in den altgewohnten Seiten des Archivs für
Sozialwissenschaft und Sozialpolitik, dem ich in einem Viertel-
jahrhundert langer Arbeit verbunden bin, hat mich ein in-
tensiver Aufenthalt in den Vereinigten Staaten von Nordamerika
und eine große Anzahl neuer Materialien, zusammen mit den
von vornherein unveröffentlicht gebliebenen zu einer ihrem
Wesen nach neuen Arbeit geführt, deren Ergebnis in dem Be-
weis der glatten Ungeeignetheit der Statistik zur Erfassung sitt-
licher und triebhafter Werte und Unwerte bestehen dürfte.
Basel-Chicago-Turin, 1927.