Full text : Sittlichkeit in Ziffern?

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Dritter Teil,

Beschränkung der Kinderzahl nicht ganz fremd sei‘“193 —
die auch in den souveränen Ehen sich bemerkbar machende
Differenz von 10% Monaten in der Zwischenpause zwischen der
zweiten und dritten Geburt in. den Ehen mit fünf und mehr
Kindern im Vergleich mit den Dreikinderehen.hin. Die Tatsache
 aber, daß diese gleiche Differenz in den mediatisierten
Ehen fast doppelt so groß ist, läßt sich unzweifelhaft im
Savorgnanschen Sinne auslegen. Der Versuch einer neomalthusianistischen
 Statistik ist also immerhin so weit als gelungen
zu betrachten, als die von Savorgnan benutzten Handhaben sie
gestatten. Daß sie sich lediglich auf solche neomalthusianistischen
 Ehen erstrecken kann, in denen ein ungewollter Mangel
des Verhütungssystems ein drittes Kind entstehen ließ, beeinträchtigt
 indes natürlich den praktischen Wert einer solchen
Erhebung.
Ein anderer Anhaltspunkt für die statistische Ermittlung der
Ausbreitung neomalthusianistischer Ehepraktiken ergibt sich
aus den von Bachi angestellten Vergleichen zwischen dem Ausmaß
 der Abnahme der Geburtenziffern und dem der Abnahme
der Eheschließungen. So konnte Bachi z. B. für Turin feststellen,
 daß in dem Halbjahrhundert von 1862 bis 1912 die
Indexziffer der Eheschließungen — 1862 = 100 gesetzt — auf
72,66, diejenige der Geburten aber auf 44,99 zurückgegangen
war. In einem 30—40 km von der Großstadt entfernten Umkreis
 dagegen war der Unterschied in der Abnahme der Geburten
 und der der Eheschließungen ein weit geringerer: der
Index, der ersteren war nur auf 70,38, der der letzteren auf
86,35 zurückgegangen. Bachi schließt daraus, daß der Neomalthusianismus
 in der Großstadt bereits viel fester Fuß gefaßt
habe, als auf dem Lande, daß er aber immerhin :auch dort
bereits im Vordringen begriffen sei. Die von ihm ermittelten

193 Saite 333.
            
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