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die Krankenziffern sind in vielen Bergrevieren schon längst auf
60 und 70 Prozent gestiegen , so ist es sehr Wohl begreiflich,
wenn dieser vielfach ausgeübte Zwang zum Verfahren von an
strengenden Ueber- und Doppelschichten teils unter gleichzeitigem
relativen Lohnrückgang große Unzufriedenheit und Mißstim-
inung unter den Bergarbeitern hervorruft. Der Lohn pro
übliche Schicht ist nach den Mitteilungen der Arbeiter bis in
die neueste Zeit noch zurückgegangen. Von geringem Mehr-
verdienst ist nur auf einigen Zechen die Rede. Trotz lleber-
schichten verdienen viele Bergarbeiter kaum den Lohn pro Monat
wie vor dem Krieg.
Die Bergarbeiter haben bisher Ivohl in allen Revieren
schöne und große Opfer gebracht für die Familien der im
Felde stehenden Krieger. Die beiliegende Tabelle gibt Aus
kunft darüber, wo und in welcher Höhe die Unternehmer nnd
Arbeiter im Bergbau solche Opfer brachten. Damals aber,
als bei Beginn des .Krieges liier die Art und Höhe der Lohn
abzüge zu solchen Unterstützungszwecken beraten wurde, ist den
Arbeitern meistens offen gesagt oder wenigstens zu verstehen ge
geben worden, daß die Löhne während des Krieges nicht zurück
gehen würden. Auf vielen Zechen ist das aber trotzdem der
Fall. Teilweise sind die Kohlenpreise schon stark ge
stiegen und teilweise treten Erhöhungen spätestens am 1. April
d. I. ein (westfälisches Kohlensyndikat und Saargebiet). Auch
das ist den Bergarbeitern bekannt. Daher will es ihnen nicht
in den Kopf, daß sie setzt pro Schicht weniger verdienen als
vor dem Kriege. Die Umfrage des Verbandes der Bergarbeiter
Deutschlands im Januar ergab folgendes Resultat:
Vom Bergrevicr Hamm wird berichtet, daß die Schichtlöhne
fast durchgängig um 20—80 Pf., die Gedingelöhne fast durch
gängig um 10 Pf. pro Wagen niedriger sind als vor dem
Kriege. Es wurde zwei- bis dreimal wöchentlich eine halbe
Ueberschicht Verfahren. Man verweigert denjenigen Arbeitern,
welche nicht mitmachen wollen, teilweise die Ausfahrt und droht
mit Nachteilen.
Dieselben Klagen über Drohungen wegen Ueberschichten
konunen aus den Revieren Dortmund. Da wird von der Zeche
Preußen II gemeldet, daß die Arbeiter, welche keine halbe.
Schicht länger arbeiten wollen bezw.. nicht mitmachen können,
dann bei der Ausfahrt schikaniert werden. Sie müssen alle auf
meist schlechten Fahrwegen nach der ersten Sohle und von da
erst dürfen sie ausführen.
Von Zeche Preußen l und Viktoria sind eine ganze
Anzahl Bestrafungen gemeldet, weil die Leute keine Ueber-