Full text: Sittlichkeit in Ziffern?

Ehescheidung. 
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bis 1904 etwa 60 im Jahre; 191 x bis. 1915 dagegen schon 200 
und in den letzten Jahren etwa 250 jährlich. Der Prozentsatz 
der Scheidungen von den Eheschließungen betrug in Oslo vor 
20 Jahren 7%, vor 10 Jahren 2% %o und jetzt 9 % 2%, Selbst 
in der ruhigen und abseits gelegenen Schweiz wuchs die Zahl 
der Scheidungen in den Jahren von 1886 bis 1890 und 1916 
bis x920 von 4410 auf 91019, d. h. weit über‘ die ent- 
sprechende Zunahme der Bevölkerung hinaus. Wobei es wohl 
als wichtig, nicht aber als entscheidend betrachtet werden kann, 
daß sich, wenn auch nur auf Grund einer ungenügenden Motiv- 
statistik und auch das erst von 1891 bis 1900 an, ‘gleichzeitig 
die Zahl der wegen Ehebruchs, Nachstellung, entehrenden 
Strafen und böswilliger Verlassung geschiedener Ehen um 
einiges vermindert haben soll (immer unter der Annahme, daß 
die Scheidungspraxis in der ganzen Zeit unverändert geblieben 
sei). Die Isolierung der Rubrik Ehebruch ergibt jedoch in der 
gleichen Periode wiederum eine leichte Vermehrung 202. 
Daß sich auch dieEhescheidungsstatistik zu Vergleichen moral- 
statistischer Natur unter den einzelnen Nationen nicht eignet, 
geht vollends aus der Tatsache hervor, daß z. B. in England 
die niedrigen Ehescheidungsziffern wohl wesentlich als Folge- 
erscheinung der beispiellos kostspieligen Prozeßverhältnisse zu 
betrachten sind2%. Auch der gänzliche Ausfall gesetzlicher 
Ehescheidungen darf natürlich beileibe nicht als sicheres 
Symptom hochstehender Sittlichkeit betrachtet werden. Schon 
deshalb nicht, weil die Rechtszustände eines Landes, sei €s aus 
Gründen eines politischen Überwiegens katholischer Parteien, 
sei es aus Rücksicht auf die Schaffung oder Erhaltung eines 
20 KA. Wieth-Knudsen, Frauenfrage und Feminismus, Vom Alter- 
tum bis zur Gegenwart, Stuttgart 1926, Franck, S. 66—679. 
208 Fritz Mangold, Der moralische Stand der schweizerischen Be- 
völkerung, in der Zeitschrift für schweizerische Statistik und Volkswirt- 
schaft, 61. Jahrg., Heft 4, 1925, S. 411. 
203 Voechting, S. 46.
	        
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