Full text: Sittlichkeit in Ziffern?

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Vierter Teil, 
Helden harren und ihnen inzwischen Siegeskränze winden. 
Im amerikanischen Sezessionskrieg befahl der nordamerika- 
nische General Butler in New Orleans, daß, falls Frauen 
und. Mädchen für seine Soldaten Verachtung an den Tag 
legen oder gar sie beschimpfen sollten, sie als Prostituierte zu 
behandeln seien. Die Soldaten waren anständiger als ihr Vor- 
gesetzter und befolgten, wie berichtet wird, den Rat nicht. 
Im deutsch-französischen Krieg 1870/71 haben die deutschen 
Vaterlandsretter mit französischen Kokotten phallische Feste 
gefeiert®%. Gleichzeitig rauften sich die französischen Soldaten 
mit den ihnen aus Italien zu Hilfe geeilten Garibaldianern in 
den Bordellen von Dijon und rächten die italienischen Offiziere 
durch zahlreiche Verführung französischer Bürgerfrauen die 
italienischen Ehemänner, deren Frauen nach Magenta und Sol- 
ferino 1859 den französischen Alliierten um den Hals gefallen 
waren ®1, Gegen diese Übelstände gibt es außer dem modernen 
nationalen Etappenbordellsystem oder doch Etappenhurenwesen 
nur den nie völlig durchgeführten und heute unmöglichen Ver- 
such, den Napoleon anstellte, als er den Frauen und Bräuten 
seiner Krieger die Bildung einer Art von Troß gestattete®?. 
Im Weltkriege konnte wahrgenommen werden, wie die alten 
Gebräuche einer reglementierten Unzucht wieder aufgenommen 
59 Calhoun, vol. II, p. 3972. 
50 Das geht aus den Tagebüchern deutscher Offiziere im Feldzug 1870 
zur Genüge hervor (z. B. von Hans von Kretschmann, Kriegsbriefe 
aus den Jahren 1870/71, ı2. Aufl., Berlin 1911, Meyer & Jessen, 
S, 332, 335 usw.) und wird auch von französischer Seite, für welche 
dieses Phänomen sicherlich nicht ehrenvoller ist, zugegeben (siehe z. B. die 
Szene in Mille Fifi von Guy de Maupassant [Neudruck Paris 1907], 
Ollendorff), 
51 Siehe die Memoiren von Ettore Socci, Da Firenze a Digione, Im- 
pressioni di un Reduce Garibaldino, Firenze 1897, Paggi, p. 76ff., 257. 
62 „Beaucoup de femmes d’officiers suivent l’Arm&e, dont la modeste 
fortune (des officiers) ne permet pas d’entretenir deux menages.“ (Elz6ar 
Blaze, La vie militaire sous VEmpire, ou Meurs de la garnison, du bi- 
vouac et de la caserne, Paris 1837, vol. I, p. 116.)
	        
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