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Die Kriege der Stämme untereinander hatten indes nicht bloß
die erwähnten Folgen; sie führten auch zum Austausch ver
schiedener Erzeugnisse, wenn es unmöglich war, die gewünschten
Produkte gewaltsam zu erhalten. Der Warenaustausch ent
wickelte sich, wie die Geschichte lehrt, aus dem Raub und dem
Austausch von Geschenken. Nur allmählich nimmt er eine regel
mäßige Form an, wobei er entweder direkt durch die Ältesten,
Kriegsanführer und Könige, oder unter ihrer Kontrolle betrieben
wurde.
Wir können hier die Evolution des Handels nicht näher be
trachten: das gehört in die Geschichte und nicht in eine theore
tische Untersuchung über die Volkswirtschaft. Uns interessiert
bloß die Frage, wodurch der Austausch reguliert wurde und wie
er die Entwicklung der Volkswirtschaft beeinflußt hat. Gleich
zeitig mit dem durch die Arbeitsteilung innerhalb der Gemeinde
verursachten Austausch von Produkten zwischen den Stammes
verwandten, die noch keine Waren sind, gab es auch schon einen
Warenaustausch unter den Stämmen, der sich als Folge der
Verschiedenheit der Naturverhältnisse sowie der technischen
und Kulturentwicklung einzelner Völker entwickelt hatte. Be
sonders aber förderte den Handel die entstehende Herrschafts
organisation und hauptsächlich die Sklavenarbeit, da sie einen
Überfluß an Waren schuf.
Der Charakter der Ausbeutung der Sklaven sowie anderer
Menschen, die sich in irgend welcher Abhängigkeit befinden, wird
durch das Wirtschaftssystem bedingt, das aber seinerseits von
dem Grad der Bevölkerungsdichte abhängt.
Bei einer dünnen Bevölkerung gewährt das Eigentumsrecht an
Grund und Boden noch keine Möglichkeit, die anderen Menschen
auszubeuten, weil der Bodenreichtum die Monopolisierung des
Grundeigentums verhindert. Die Nomadenvölker kennen das
Institut des persönlichen Grundeigentums noch nicht, obgleich sie
schon Sklaven besitzen und die unterworfenen Stämme aus-
beuten. In Altrussland kamen Grundeigentümer zuerst zur Zeit
der Herrschaft der Kiewer Fürsten vor, aber der Boden diente
noch nicht als Mittel, die anderen für sich arbeiten zu lassen, ob-