Full text: Das Jungdeutsche Manifest

Das Wesentliche dieser Wahl ist die Tatsache, daß der Wähler durch 
den Parteiorganismus gezwungen wird, einen Caucus zu wählen. Dieses, 
dem amerikanischen Parteileben entnommene Wort bedeutet die völlige 
Ausschaltung alles Persönlichen in der Wahl. Der deutsche Wähler wählt 
eine Liste, auf deren Zusammensetzung er keinen Einfluß hat. 
Die parteiistische Führerschaft bleibt mit ihrer 
Wählerschaft nicht verbunden. 
Der Abgeordnete wird von seinen Wählern gleich nach der Wahl 
getrennt und nimmt seinen Sitz im Parlament ein. Mit den Wählern 
verbindet ihn eigentlich nur das Interesse, wiedergewählt zu werden. Alle 
Grundbegriffe über das Verhältnis zwischen einem Führer und seiner 
Gefolgschaft sind in diesem System ausgeschaltet. Man kann daher die 
Abgeordneten auch nicht Führer ihrer Wähler nennen. Sie sind im besten 
Falle ihre Vertreter. Da aber der Schwerpunkt der Stellung des Ab— 
geordneten im Parteiorganismus liegt, ist es sein oberstes Interesse, 
diesem, und nicht der Wählerschaft zu dienen. So schafft das parteiistische 
System ein Führertum, welches in keiner Weise in der Gefolgschaft 
wurzelt. Der Führer wird zum Anwalt der Parteiclique. Nur in 
Bundesgenossenschaft mit den Besitzern der Werkzeuge zur Massen⸗ 
beeinflussung kann er seine Stellung halten. 
So wird das vom Volke gewählte Führertum zum 
Schritt macher und Bundesgenossen der plutokra— 
tischen Gewalten. 
Das Parlamentariertum 
Im parlamentarischen Leben hat sich ein Berufsparlamentariertum 
herausgebildet. Diese Berufsparlamentarier zeichnen sich durch die 
geschickte Ausnutzung der parlamentarischen Taktik aus. Sie sind 
Kenner aller Ränke und Listen, mit denen im Parlament gearbeitet 
wird. Ihre ganze Gedankenwelt erschöpft sich in der Anwendung dieser 
Listen zum Nutzen der Partei, oder zum eigenen Nutzen. Sie sind in 
erster Linie die Träger der parteipolitischen Selbstsucht, die selbst die 
Rücksichtnahme auf das Gesamtwohl der Nation in den Hintergrund 
zreten läßt. Selbst das Vaterland wird den Interessen der Partei 
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